Das 1.-August-Feuerwerk ist schon längst verstummt. Und doch sind hin und wieder ferne Knallgeräusche zu vernehmen. Beim örtlichen Schützenhaus wird geschossen. Für manchen Schweizer folgt die schockierende Feststellung, dass er die alljährliche Schiesspflicht noch nicht erfüllt hat. Ein panischer Blick auf den Kalender sorgt für Beruhigung: Man hat noch bis zum 31. August Zeit, die obligatorischen 2o Schuss über die Distanz von 300 Metern auf die Zielscheibe abzugeben.

Das Schiessen ausser Dienst ist so schweizerisch wie der 1. August, geht aber viel leichter vergessen. Im Frühjahr macht der Bund die Soldaten mit einem Schreiben darauf aufmerksam, dass sie bis Ende August die obligatorische Bundesübung schiessen müssen. Es liegt allerdings in der eigenen Verantwortung, diese bei einem anerkannten Schiessverein zu absolvieren. Wer schiesspflichtig ist, aber kein Schreiben des Bundes erhalten hat, muss trotzdem am Obligatorischen teilnehmen. Die entsprechenden Termine findet man unter anderem im Internet, etwa auf den Websites der Schiessvereine.

130 Personen pro Jahr im Bergermoos

Auch auf der Schiessanlage Bergermoos werden jedes Jahr drei obligatorische Schiessübungen durchgeführt. «Pro Jahr nehmen hier etwa 130 Personen teil», sagt Werner Hedinger, Präsident des Feldschützenvereins Birmensdorf. Für ihn macht das Schiessobligatorium Sinn: «Wer im Militär ein Gewehr erhält, sollte es wenigstens einmal im Jahr benutzen, um seine Schiessfähigkeit zu pflegen.» Die Durchführung der Schiessübung erfordert entsprechende Sicherheitsmassnahmen. Bevor jemand den Schiessstand betritt oder verlässt, muss das Gewehr kontrolliert werden. Würde sich noch Munition im Lauf befinden, könnte dies zu einem Unfall führen. Hedinger, der seit 1993 Vereinspräsident ist, hat bisher keinen solchen Vorfall erleben müssen, wie er sagt. Zudem freut ihn, dass die Disziplin im Umgang mit dem Gewehr besser geworden ist: «Viele der jungen Schützen tragen das Gewehr richtig und kennen die Sicherheitsvorschriften. Früher war das noch ganz anders.»

Hat man die Schiesspflicht bis zum 31. August nicht erfüllt, wird man zum Nachschiessen aufgeboten. Dieses wird auf kantonaler Ebene organisiert. Im Kanton Zürich findet es am 9. November in der Schiessanlage Albisgütli statt. Wird auch das Nachschiessen versäumt, erhält man eine Busse. Beim ersten Mal beträgt diese 100 Franken. Mit jedem weiteren Jahr, in dem die Schiesspflicht nicht erfüllt wird, steigt die Höhe der Busse an, bis nach dem sechsten Jahr der Maximalbetrag von 1000 Franken erreicht ist. Bei einem weiteren Nichterfüllen wird ein militärgerichtliches Verfahren eröffnet.

Ausserhalb der eigenen Gemeinde absolvierbar

Grundsätzlich sei es die Aufgabe der Gemeinden, sicherzustellen, dass die Anwohner bei einem Schützenverein ihre Schiesspflicht erfüllen können. Ob die Schützen die obligatorische Übung aber in der eigenen Gemeinde schiessen oder nicht, spielt keine Rolle. «Oftmals kommen Leute zum obligatorischen Schiessen, die zwar nicht hier wohnen, aber in der Nähe arbeiten», sagt Hedinger. Können die Termine des örtlichen Schiessvereins also nicht wahrgenommen werden, so kann das obligatorische Schiessen in einer anderen Gemeinde absolviert werden.

Werner Hedinger muss das obligatorische Schiessen schon seit Jahren nicht mehr absolvieren. Doch er findet es wichtig, da die Soldaten so den Umgang mit der Waffe pflegen können.

Werner Hedinger muss das obligatorische Schiessen schon seit Jahren nicht mehr absolvieren. Doch er findet es wichtig, da die Soldaten so den Umgang mit der Waffe pflegen können.

Die Schiessvereine werden für diesen Dienst entschädigt: Für jeden schiesspflichtigen Soldaten, der die obligatorische Schiessübung beim Verein absolviert, zahlt der Bund dem Verein 20 Franken. «Mit dem Geld werden wir nicht reich. Es ist ein Tropfen auf den heissen Stein», sagt der 66-jährige Vereinspräsident. Für die Schiesspflichtigen ist das obligatorische Schiessen kostenlos. Lediglich Probeschüsse zum Einschiessen des Gewehrs sowie die Munition für einen zweiten Durchlauf, falls man nicht auf Anhieb besteht, müssen selbst bezahlt werden.

Wer beim Feldschützenverein Birmensdorf an einem Feldschiessen oder am obligatorischen Schiessen teilnimmt, erhält die Vereinszeitung, die jährlich vier Mal erscheint. Darin sind unter anderem die Daten der obligatorischen Übung zu finden. Also eine zusätzliche Erinnerung. Und wer seine Schiessfähigkeit verbessern will, dem rät Hedinger, einmal das Training eines Schiessvereins zu besuchen. «Wir helfen gerne», sagt er.