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Uitiker Pendlerinnen und Pendler müssen künftig nicht mehr eine Stunde ihres Tages opfern, um nach Schlieren zu gelangen. Bald wird sich die Reisezeit auf 8 Minuten reduzieren. So will es das Stimmvolk, das die Vorlage, die bestehende Ortsbuslinie 201 bis an den Bahnhof Schlieren zu verlängern, gestern knapp annahm. 53,2 Prozent sprachen sich für den 2,4-Millionen-Kredit aus, mit dem ein vierjähriger Testbetrieb aufgenommen werden kann, 46,8 Prozent waren bei einer Stimmbeteiligung von 64,5 Prozent dagegen.

Gemeinderat Patrik Wolf (FDP) zeigte sich gestern sehr zufrieden mit dem Resultat. Das Stimmvolk habe damit bewiesen, dass Uitikon seinem Slogan gerecht werde und tatsächlich eine «Gemeinde mit Weitsicht» sei. «Nun können wir uns endlich dem Limmattal annähern», sagt Wolf. Seine Freude über das Resultat ist umso grösser, als dass er das Ja zum verlängerten Ortsbus in den vergangenen Tagen nicht mehr erwartet hätte: Nicht nur hatte sich die Rechnungsprüfungskommission gegen den Kredit ausgesprochen; sie kam zum Schluss, dass die Finanzierung mit dem aktuellen Steuerfuss nicht gesichert sei. Auch von den Ortsparteien sprachen sich nur die Grünen für das Projekt aus. Und wenige Tage vor der Abstimmung wurde auch noch per Flugblatt Stimmung gegen den Bus gemacht. «Doch das ist Demokratie: Entscheiden tut das Stimmvolk, und dass dieses Ja gesagt, freut mich sehr», so Wolf.

Die Hoffnung war schon fast gestorben

Das knappe Ja nimmt Wolf als Auftrag wahr, während des Testbetriebs ein besonderes Auge auf die Kosten zu halten. «Den vielen Leuten, die wegen der Kosten ein Nein eingelegt haben, sind wir nun verpflichtet, die Gelder effizient einzusetzen und möglichst auch Synergien mit der Stadt Schlieren zu suchen», sagt er. Der Ball liege nun aber beim Nachbar, wo erst im Juni ein eigenes Ortsbusprojekt abgelehnt wurde. Er sei offen für Gespräche mit Schlieren, «um Optimierungsmöglichkeiten für die konkrete Umsetzung zu finden», sagt Wolf.

Der verlängerte Ortsbus soll auf den Fahrplanwechsel Ende 2017 seinen Betrieb aufnehmen. Er soll wie bisher von Uitikon Waldegg durch das Dorf zur Haltestelle Wängistrasse fahren, dann aber durch den Wald weiter nach Schlieren fahren (siehe Karte rechts). Dort sind je eine Haltestelle beim Lilienzentrum und auf der Engstringerbrücke beim Bahnhof geplant. Der Bus soll Montag bis Samstag halbstündlich verkehren, am Sonntag stündlich. Für die neue Strecke wird ein zweites Fahrzeug benötigt.

Nun muss die Auslastung stimmen

Bezahlen wird den vierjährigen Testbetrieb die Gemeinde; netto wird er sie 590 000 Franken pro Jahr kosten. Danach könnte die verlängerte Linie vom Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) ins Regelangebot übernommen werden. Dies jedoch nur, wenn während dem Testbetrieb 30 Prozent der Kosten durch die Billettverkäufe gedeckt werden – und auch das ist noch keine Garantie für eine Übernahme durch den ZVV.

Die Vorlage, zu der die Uitiker gestern Ja sagten, geht auf eine Petition von zwei Uitikerinnen zurück, die vor fünf Jahren Unterschriften für eine Anbindung nach Schlieren sammelten. Eine vom Gemeinderat durchgeführte Umfrage zeigte, dass der Bedarf dafür ausgewiesen sei und angesichts des erwarteten Bevölkerungswachstums in den nächsten Jahren noch steigen dürfte.

Daniel Schwendimann vom kurz vor der Abstimmung gegründeten Komitee «Ja zur Ortsbus-Verlängerung» weist auch darauf hin, dass in den letzten Jahren viele junge Familien mit Kindern in die Gemeinde gezogen seien. Diese seien auf gute öV-Verbindungen angewiesen, um zu Schule, Lehr- und Arbeitsstelle zu gelangen. Wie sich der Testbetrieb bewähre, sei nun abzuwarten, sagt Schwendimann. «Doch wer nichts versucht, erreicht auch nichts.»