Auf dem Speiseplan stehen Hörnli und Ghackets mit Salat, zum Dessert Zwetschgenwähe. Sechs Frauen sitzen um einen grossen Tisch, vor sich Schneidbrettchen und Messer, und zerlegen Zwetschgen, Zwiebeln, Gurken, Äpfel und Tomaten in Einzelteile.

Im angrenzenden Raum sitzt eine andere Gruppe Leute um den Tisch; zwei spielen Uno, eine strickt an einem roten Schal, einer schreibt die Einkaufsliste für den nächsten Tag, zwei trinken Tee und zwei weitere spalten und sortieren Hölzchen für die Zündbürdeliproduktion. In einem Sessel beim Fenster fötzelt ein älterer Herr eine Zeitung und passt auf die vier kleinen Schildkröten in der Kiste neben ihm auf.

Nach Spital sieht das nicht aus, vielmehr nach einem gemütlichen Treffpunkt. Und das ist es auch: Ein Ort, an dem körperlich behinderte oder psychisch erkrankte Langzeitpflegepatienten unter der Woche tageweise von 8 bis 17.15 Uhr betreut werden. «Die Gäste des Tageszentrums sollen diesen Ort als Treffpunkt wahrnehmen, als Ort, an dem sie sich wohlfühlen und an den sie gern kommen», sagt Leiterin Esther Maag. Er fühle sich hier sehr wohl, ruft einer der Uno-Spieler gleich zur Bestätigung. «Hier sind alle sehr lieb, ich bin sehr zufrieden.»

Bandbreite von 30 bis 90 Jahren

Die meisten Gäste sind längst pensioniert; es gibt aber auch durchaus junge Gesichter. Von 30 bis 90 Jahren ist derzeit jedes Alter vertreten. «Das Angebot des Tageszentrums ist vorwiegend als Entlastung für pflegende Angehörige gedacht», sagt Maag. So könne bei älteren Tageszentrumsgästen beispielsweise ein Eintritt in ein Pflegeheim hinausgezögert oder verhindert werden, jüngere können sich hier wieder an Tagesstrukturen gewöhnen und sich nach Spital- oder Klinikaufenthalten rehabilitieren; entsprechende Therapien können während des Aufenthalts im Tageszentrum ambulant besucht werden.

Und ganz wichtig: Die Gäste haben Kontakt zu anderen Menschen, können sich beschäftigen. «Das Tageszentrum ist beides: eine Zwischenstufe für einen endgültigen Eintritt in ein Pflegezentrum oder für den Schritt zurück ins Leben», sagt Astrid Hunter-Kummer, Leiterin Pflegezentrum.

Viel günstiger als Pflegezentrum

Das Tageszentrum gehört zum Pflegezentrum des Spitals Limmattal und hat täglich zwölf Betreuungsplätze zur Verfügung. Eröffnet wurde es bereits 1987. Trotzdem hat das Tageszentrum erst in den letzten Jahren so richtig an Wichtigkeit gewonnen. «Und es wird auch in Zukunft immer wichtiger werden», sagt Hunter, «nicht zuletzt aus Kostengründen.»

Schliesslich ist ein Tag im Tageszentrum deutlich günstiger als einer im Pflegezentrum: Die Tagestaxe inklusive eigenem Pflegeanteil zulasten des Patienten beläuft sich im Tageszentrum auf 91.60 Franken (für Personen aus den Verbandsgemeinden) beziehungsweise 131.60 Franken. Im Pflegezentrum muss ein Bewohner für einen Platz in einem Einzelzimmer 246.60 Franken pro Tag berappen.

Die Kosten sind aber nur das eine. Das andere ist die Entlastung der Angehörigen: «Wir tun unser Möglichstes, dass die Angehörigen sich von ihrem Betreuungsalltag erholen können», sagt Maag. Deshalb sei man im Tageszentrum auch flexibel in der Zuteilung der Betreuungstage. «Die Angehörigen sollen dann freihaben, wann sie wollen», so Maag. Um sie zusätzlich zu entlasten, holt der Rotkreuzfahrdienst die Tageszentrumsgäste zu Hause ab. Ausserdem wurden die Öffnungszeiten verlängert.

Zu fixen Zeiten werden Gruppenangebote für Gäste aus dem Tageszentrum und dem Pflegezentrum durchgeführt: Da wird gemeinsam gekocht, geturnt, gejasst, das Gehirn auf Trab gehalten und gewerkelt. «Wir basteln nicht bloss, sondern machen Dinge, die man effektiv brauchen kann», sagt Maag. So zum Beispiel die Zündbürdeli aus Holzspänen, die später bei einem Grossverteiler verkauft werden. Das sei den Gästen sehr wichtig; etwas herzustellen, das gebraucht werden kann. Maag: «So haben auch die Gäste das Gefühl, noch gebraucht zu werden.»