Dominik Ritzmann ist ab und zu auf dem Schlieremer Berg unterwegs. Auch viele andere Spaziergängerinnen und Spaziergänger schätzen den Naturort. Was den grünen Gemeinderat Ritzmann am Naherholungsgebiet in Schlieren aber stört, ist das Schützenhaus Im Horgen am alten Zürichweg.

Seit 2001 wird das 1966 erbaute Schützenhaus nicht mehr benötigt, nachdem sich die lokalen Schützenvereine infolge Mitgliederschwund aufgelöst haben. Im Oktober 2013 genehmigte der Stadtrat 35 000 Franken, um den Abriss des Schützenhauses und die Umnutzung zu einem Grillplatz mit Unterstand und WC-Anlage zu projektieren. Rund 24 000 Franken wurden bis Ende 2018 in die Planung und Abklärung investiert.

Zu einem Abriss ist es bis jetzt aber noch nicht gekommen: Im Oktober 2015 musste der Stadtrat zur Kenntnis nehmen, dass es aus baurechtlichen Gründen nicht möglich ist, eine neue WC-Anlage zu bauen, da dies ein unerlaubter Neubau in der Freihaltezone wäre.

Aus der Sicht von Ritzmann steht einem Totalabriss aber nichts entgegen. Deshalb gelangt er nun mit einem konkreteren Vorschlag an den Stadtrat: Mit einem Abriss des Schützenhauses Im Horgen könnte die Parzelle ökologisch aufgewertet und der Bevölkerung zur Erholung zur Verfügung gestellt werden. Der Stadtrat solle nun prüfen, wie dies umgesetzt werden könne. Dafür hat Ritzmann im Stadtparlament ein Postulat eingereicht. Auch ein Parteikollege von Ritzmann und zwei SP-Vertreter haben den Vorstoss unterzeichnet.

Mehr Lebensraum für Kleintiere

Die Artenvielfalt zu erhöhen ist die erste Massnahme, die Ritzmann im Zusammenhang mit einem Abriss des Schützenhauses vorschlägt. Der grüne Gemeinderat weiss, dass er mit seinem Anliegen vom Vogel- und Naturschutzverein Schwalbe Schlieren unterstützt wird. Laut Monica Laim-Graf, der Präsidentin der «Schwalbe», ist es dringend nötig, dass auf dem Schlieremer Berg Naturschutzmassnahmen getroffen werden: «Zurzeit ist es auf dem Schlieremer Berg relativ ruhig. Ausser einigen Reptilien und Vögeln ist es hier nicht besonders artenreich.»

Wie genau die ökologische Aufwertung stattfindet, ist für Ritzmann sekundär. Laut Laim-Graf können schon kleine Massnahmen die ökologische Vielfalt stark fördern: «Unsere Idee wäre es, vermehrt einheimische Büsche und Hecken anzupflanzen, damit sich mehr Kleintiere und Vögel ansiedeln können. Oder eine Blumenwiese, die länger bestehen bleiben kann, damit sich die Pflanzen versamen. Das würde auch die Insektenpopulation unterstützen.»

Ritzmann begründet seinen Vorstoss für einen Abriss des Schützenhauses auch mit dem unrentablen Mietgeschäft, das die Stadt zurzeit betreibt: Rund 28 500 Franken kostete der Unterhalt des Schützenhauses 2017. Die Stadt Schlieren nahm aber nur 2 000 Franken Mietzins ein. Von der Dachreparatur und einem neuen Anstrich über die versprayten Wände profitierten nur ein Landwirt und der Hunde-Dressur-Verein Altstetten/Schlieren, die das Schützenhaus mieten.

«Der Grossteil hat nichts davon»

Ritzmann argumentiert: «Das Schützenhaus kostet Unterhaltsarbeiten, obwohl die Bevölkerung keinen Nutzen mehr hat. Es ist nicht die Aufgabe der Gemeinde, dieses Gebäude zu erhalten. Es profitieren nur wenige und der Grossteil der Öffentlichkeit hat nichts davon.»

Weil das Schützenhaus in der Freihaltezone liegt, dürfen keine Wohn- oder Gewerbebauten (abgesehen von Landwirtschaftsbauten) errichtet werden. Damit die Bevölkerung mehr vom Erholungsgebiet profitieren kann, schlägt Ritzmann vor, dass Sitzgelegenheiten für rastende Spaziergänger geschaffen werden. Naturschützerin Laim-Graf ergänzt: «Wenn die ökologische Aufwertung gelingt, wird man auch mehr Tiere beobachten können.»

Für das Jahr 2019 sind bezüglich des Schützenhauses Im Horgen Kosten von 20 000 Franken budgetiert. Dieser Betrag umfasst neben dem Unterhalt unter anderem auch die Kosten für die Gebäudeversicherung.