Die Stadtmusik Dietikon sucht das «Limmattaler Singtalent». Mitmachen konnte man ab 14 Jahren, Bedingung war: keine Berufsmusiker. Die Bandbreite der Teilnehmer bewegt sich zwischen 15 und 50 Jahren. Angemeldet haben sich 16 Anwärter aus dem Limmattal, gekommen sind am Samstag zum Casting im Probelokal der Stadtmusik 14 Kandidatinnen und Kandidaten. Unter ihnen waren auch eine Austauschstudentin aus China, die bereits in Hongkongs Strassen aufgetreten ist, Jungtalente aus Italien, aber auch lokale Entdeckungen – und ein TV-casting-erfahrenerKandidat.

Im Nu verwandelte sich das Probelokal der Stadtmusik in ein Casting-Format. Anders als bei den TV-Shows gab es kein Publikum. Für die Vorauswahl war eine dreiköpfige Jury der Stadtmusik zuständig: Dirigent Marco Nussbaumer, Posaunist Adrian Tonolla und Trompeterin Tania Triaca. Triaca hat in verschiedenen Ensembles und Chören mitgesungen.
Jeweils zehn Minuten waren pro Teilnehmer reserviert. Die meisten nahmen zur moralischen Unterstützung Freunde oder Eltern mit. Sie performten ohne Mikrofon, konnten aber auf Wunsch mit Begleitmusik aus den Boxen singen. Vor dem Vorsingen stellten sie sich mit ihrem musikalischen Hintergrund und ihrer Motivation vor.

Wie Miley Cyrus

Aufmerksam nahm die Aescher Gemeinderätin Janine Vannaz mit dem Handy den Auftritt ihrer 15-jährigen Tochter Désirée auf. Nachdem sie das Lied «All I Want» von Kodaline vorgetragen hatte, sagte Juror Nussbaumer leise zur Jurykollegin Triaca: «Sie hat etwas von Miley Cyrus.» Die Jury teilte ihre Bewertungen nicht mit. Erst in Abwesenheit der Kandidaten tauschten sie sich aus.

Beim Teilnehmer Dan Paulweber fand Triaca: «Man merkt, er hat Erfahrung.» Paulweber nahm schon bei Formaten wie «DSDS», «The Voice» und «Popstars» teil. Auf Anhieb die Jury verzaubert hatte die 37-jährige Zürcherin Sandra Lattore mit ihrem Medley aus «Besame mucho», «Fallin’» und «La vie en rose». Begleitet wurde sie live von Gitarrist Stefano Roberti aus Lugano. Das Duo sei regelmässig an Hochzeiten anzutreffen. Jurorin Triaca war so begeistert, dass sie sagte: «Wenn ich heirate, engagiere ich sie.»

Für die Betreuung der Teilnehmer backstage zuständig waren Leandro Nuccio und Claudia Lenggenhager. Einigen sähe man die Nervosität an. Die Stimmung im Warteraum sei aber gut und kollegial, so Lenggenhager. Überrascht sei sie über die Spontaneität einiger Kandidaten, die erst beim Auftritt entschieden, welchen Titel sie vortrugen.

Einer dieser Spontanen war der 21-jährige Luca Zwyssig aus Wettingen. Er meldete sich im Vorfeld mit «Feeling Good» von Michael Bublé an, trug aber «Dunkelheit zu Licht» von Roger Cicero vor. Bublé wäre mit Big-Band-Begleitung, was zum Blasorchester der Stadtmusik passen würde.

Die fünf Ausgewählten werden im Mai im Finale in der Stadthalle ein Stück vortragen, das Dirigent Nussbaumer mit dem Stadtmusik-Orchester arrangiert. Schliesslich wartet auf den Gewinner, der dann vom Publikum erkoren wird, eine professionelle CD-Aufnahme mit dem Blasorchester der Stadtmusik. Vorerst fand die definitive Auswahl der fünf Finalisten hinter geschlossenen Türen statt. Nach dem Casting sagte Nussbaumer: «Das Niveau der Teilnehmer war gut bis sensationell». Die Musikauswahl sei aber sehr balladenlastig. Es schwebe ihm vor, einige, die fürs Finale infrage kommen, zu etwas Fetzigerem zu motivieren, verriet der Dirigent. Juror Tonolla war ebenfalls zufrieden: «Es gab keine Fremdschäm-Momente, alle waren super vorbereitet und haben tolle Musik gezeigt.»