Erst ganz zum Schluss wirft René Wyttenbach, Rektor des Berufsbildungszentrums Dietikon (BZD), die spannendste Frage auf. «Warum kommen Sie ausgerechnet zu uns?», will er via Dolmetscherin von der Delegation aus Ostchina wissen. Kurz darauf übersetzt diese die Antwort: «Wir würden uns freuen, Sie bald bei uns in Ningbo begrüssen zu dürfen.» Dann schütteln sich Europäer und Asiaten die Hände und sagen sich Adieu. Die einen auf Englisch, die anderen auf Chinesisch, alle mit einem verlegenen Lächeln auf den Lippen. Selbst der interkulturelle Abschied bleibt schwierig. Es ist das Ende eines Morgens, an dem eigentlich der erste Brückenschlag zwischen Ningbo und Dietikon hätte gelingen sollen.

Ningbo liegt am Ostchinesischen Meer und ist die drittgrösste Stadt der Provinz Zhejiang. Sie zählt knapp sechs Millionen Einwohner, 242-mal so viele wie Dietikon. Und trotzdem will die Metropole etwas von der vergleichsweise winzigen Limmattaler Stadt. Fünf ihrer Repräsentanten nahmen am Dienstag die Ausbildung am BZD unter die Lupe und unternahmen erste Schritte in Richtung einer Partnerschaft.

Lehreraustausch «sehr schwierig»

Als die chinesische Delegation wieder abgezogen ist, versetzt Rektor Wyttenbach diesen Gedankenspielen jedoch einen Dämpfer: «Einen Lehreraustausch oder Ähnliches auf die Beine zu stellen, ist sehr schwierig. Eine Entscheidung darüber liegt jedoch nicht in unserer Kompetenz.» Es wird letztlich nicht ganz klar, welches die Interessen des BZD am chinesischen Besuch sind.

Bildungssystem auf zwei Folien

Zwei Stunden zuvor: Zu Beginn des Morgens steht Theorie auf dem Programm. Neben Rektor Wyttenbach führen drei leitende Mitarbeiter des Instituts durch das Programm, von der Dolmetscherin stets etwas unsicher übersetzt. Gezeigt wird das Schweizer Bildungssystem auf zwei Folien, danach der Aufbau des Berufsbildungszentrums. Was nett wirkt, beeindruckt nur vier der fünf Gäste. Sie schreiben und fotografieren mit. Der Fünfte – Rektor der Ningbo Economic & Trade School – fläzt sich auf seinen Stuhl und schenkt seine Aufmerksamkeit dem Smartphone.

Doch während des anschliessenden Rundganges durch das Gebäude wirkt er motivierter. Besuche in je einer Maschinenbau- und Logistikklasse wecken sein Interesse, auch die Turnlektion kommt an. Einem Schüler gelingt auf dem Trampolin ein Rückwärtssalto, die Gäste applaudieren. Dann bittet Rektor Wyttenbach zum Apéro und zu letzten Gesprächen. Mehrmals sprechen die Chinesen einen Lehreraustausch an, mit einer Schule in Hamburg habe so etwas schon geklappt. Die Schweizer Antwort bleibt jeweils verlegen unverbindlich. «Ja, das wäre sehr schön.»

Zwei Tage nur bleiben die Asiaten in der Schweiz, das Dietiker Berufsbildungszentrum war der einzige Anlass ihrer weiten Reise. «Sehr gut» gefalle es ihnen hier, erklärt Delegationsleiter Yan Xingqiao. «Insbesondere die Landschaft beeindruckt uns.»

Im Gespräch mit Xingqiao klärt sich auch, warum denn genau das BZD die Ehre des chinesischen Besuches erhalten hat. Die befriedigendere Antwort auf die Frage lautet: «Das Auswärtige Amt der Provinz ist bei seinen Recherchen auf das Institut gestossen und hat die Reise angeordnet.»