Dietikon

Das Limmatfeld hat sein Wahrzeichen: Die Plastik Joy ist da

Gestern ist sie auf ihren Sockel gehievt worden: Die 3,7 Tonnen schwere, sechs Meter hohe Plastik Joy des 2006 verstorbenen Dietiker Künstlers Josef Staub. Dessen Sohn Fredi Staub hofft, dass das Werk den Rapidplatz «beseelen und beleben» kann.

Als am Donnerstagmorgen um acht Uhr im sanktgallischen Lömmenschwil die 3,7 Tonnen schwere Plastik Joy auf einen Tieflader verladen wird, wuselt Fredi Staub bereits seit einiger Zeit auf dem Dietiker Rapidplatz herum.

Vor dem Eintreffen des Kunstwerks, das sein 2006 verstorbener Vater Josef Staub entworfen hat, sind noch einige kleine Vorarbeiten zu erledigen. So gilt es unter anderem, den bereits in der vergangenen Woche erstellten Sockel einzuebnen, damit die Plastik dann auch richtig steht.

Aufgeregt und angespannt ist Fredi Staub an diesem Morgen nicht, wie er sagt. Nach der langen Vorbereitungszeit – das erste Gespräch mit dem damaligen Stadtpräsidenten Otto Müller (FDP) liegt inzwischen siebeneinhalb Jahre zurück – sei alles parat. Aber gespannt und gwundrig, das sei er schon, sagt Staub, der das Werk seines Vaters verwaltet.

Gwundrig ist er deshalb, weil er die Plastik noch nie richtig gesehen hat. Denn in der Werkstatt von Tobias Lenggenhagers Metallgestaltungs- und Schlossereibetrieb ist die sechs Meter hohe Joy liegend gefertigt worden. «So auf dem Boden liegend sieht sie ganz anders aus, ihr fehlt das Luftige, das Aufwärtsstrebende», sagt Staub. Nun wird er sie auf dem Rapidplatz zum ersten Mal stehend sehen.

Es kommt auf jeden Millimeter an

Doch bis es so weit ist, muss er sich noch etwas gedulden: Es dauert seine Zeit, bis die auf dem Tieflader liegende Plastik aufrecht auf ihrem Sockel steht. Dabei erlebt Staub auch einen kurzen Schreckmoment: Als das 3,7 Tonnen schwere Kunstwerk vom Lastwagenkran an Ketten hängend hochgehoben wird und zunächst auf Holzpaletten aufgerichtet wird, knackt und knarrt es – eine der Paletten gibt unter dem Gewicht leicht nach. Joy bleibt aber ruhig stehen.

Danach ist Millimeterarbeit angesagt. Die Plastik, die an drei Punkten an Ketten hängt, muss waagrecht ausgerichtet werden. Erst danach kann sie auf dem vorbereiteten Sockel platziert werden, wobei die fünf Bolzen, die unter der Bodenplatte angebracht sind, punktgenau die Hülsen im Sockel treffen müssen. Damit alles auch richtiggehend ineinanderflutscht, hat das Team um Staub zuvor Bolzen und Hülsen mit Fett eingeschmiert.

Und es flutscht richtig an diesem Donnerstag: Bereits im ersten Anlauf steht die Plastik Joy, ohne dass an ihr viel gezogen und gerüttelt werden müsste, richtig auf ihrem Sockel. Ein paar Passanten, die stehen geblieben waren, applaudieren, Staub klatscht sich mit Kollegen ab.

Nicht zu klein und nicht zu gross

Noch ist der Aufbau aber nicht fertig. Am Nachmittag muss die Plastik richtig fixiert werden. Und die Folie, welche das Kunstwerk während des Transports und beim Aufbau schützte, muss weggeklaubt werden.

Doch Staub, der Joy nun zum ersten Mal in ihrer wahren Grösse stehend begutachten kann, zieht bereits zufrieden eine positive Bilanz: «Sie sieht super aus.» Und auch die Grösse stimme, wie sich nun vor Ort zeige, sagt Staub. «Joy ist nicht zu klein, sie geht auf dem weiten Rapidplatz nicht unter. Und sie ist auch nicht zu gross, sie wirkt nicht als störender Fremdkörper.»

Staub erhofft sich, dass die Plastik dem Limmatfeld zu einer Identität verhelfen könnte, dass sie den Platz beseelen und beleben könnte. Der Sockel weise doch eine ideale Sitzhöhe auf, meint Staub beispielsweise. Darauf könne man sich setzen, um etwas zu essen. Oder Kinder könnten durch die Öffnung huschen, die zwischen den beiden sogenannten Raumbahnen, diesen beiden sich in die Höhe windenden Flügeln oder Flammen, besteht. Man könne das Kunstwerk durchaus nutzen, man müsse nicht auf Abstand dazu gehen, das habe auch sein Vater immer so gehalten, sagt Fredi Staub.

Ein idealer Standort

Josef Staub hatte 50 Jahre in der Stadt Dietikon gelebt und gearbeitet. In der Region stehen verschiedene Werke des Malers und Bildhauers – so etwa im Schlieremer Stadtpark oder in der Dietiker Kirchhalde. Dass nun die sechs Meter grosse Plastik Joy auf dem Dietiker Rapidplatz steht, stellt für Fredi Staub eine Art runden Abschluss und Würdigung des Wirkens seines Vaters dar.

Zumal der Standort ideal sei – und auch wie vorgegeben erscheine, sagt Staub. So passt Joy, die Schwerelosigkeit, Eleganz und Dynamik verkörpere, einerseits zum aufstrebenden Limmatfeld, glaubt Staub. Und andererseits füge sie sich in die Umgebung ein: In der Nähe befindet sich bereits die Josef-Staub-Strasse. Und von der gestern aufgestellten Plastik aus ist der Blick auf ein anderes Werk von Staub möglich; durch die Webereistrasse und über die Gleise hinweg ist das farbige Relief zu erkennen, das an der Fassade der Surber AG, wo früher die Koenig Feinstahl ansässig war, prangt.

Die Plastik hat gemäss Angaben von Fredi Staub rund 170 000 Franken gekostet. Die Stadt Dietikon hat 100 000 Franken beigesteuert sowie die Projektierungskosten übernommen. Den restlichen Betrag hat Staub über Sponsoren zusammengetragen. Feierlich eingeweiht wird das sechs Meter hohe neue Wahrzeichen des Limmatfeld-Quartiers zu einem späteren Zeitpunkt.

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