Dietikon

Das Leuchtfeuer ist entzündet: Kulturzentrum «Gleis 21» nimmt Fahrt auf

Sie wollen einen «kulturellen Leuchtturm» errichten: Daniela Saxer, Irene Brioschi, Carla Hohmeister und Kerstin Camenisch (von links).

Das Kulturzentrum «Gleis 21» kommt mit Verzögerung ins Rollen. Ende März beginnt die Gebäudesanierung. Im Erdgeschoss sollen offene Ateliers, ein Veranstaltungsraum sowie ein Bistro entstehen, im Kellergeschoss ist eine offene Werkstatt geplant.

Draussen sitzen schwatzende Familien um die Bistrotische. Drinnen proben Schüler für ihr Musical, aus dem Keller ist Hämmern zu hören. Das ist bisher noch Zukunftsmusik: Denn momentan ist das Gebäude an der Buchsackerstrasse 21 gleich hinter dem Bahnhof Dietikon nicht mehr als eine Hülle.

«Gut Ding will Weile haben», sagt Kerstin Camenisch beim Rundgang durch die stillen Räume. Sie ist Co-Präsidentin des Trägervereins «Gleis 21», der dem Gebäude neues kulturelles und soziales Leben einhauchen will. Ursprünglich war geplant, hier den Kulturbetrieb «Gleis 21» noch diesen Frühling zu eröffnen. Aufgrund von Abklärungen über den Zustand der Liegenschaft durch die Eigentümerin, die Stadt Dietikon, verzögerte sich das Projekt allerdings. Mit der Eröffnung darf mittlerweile frühestens im Januar 2019 gerechnet werden.

Grundstruktur bleibt erhalten

Doch die rechtlichen Grundlagen sind nun gelegt. Im Februar winkte der Stadtrat sowohl das Betriebskonzept wie auch die Leistungsvereinbarung mit dem Verein durch. Letztere wurde zunächst auf fünf Jahre formuliert, sagt Camenisch. Läuft alles gut, sei eine Verlängerung aber reine Formsache. Ende März beginnt die Stadt mit der Gesamtsanierung des Gebäudes. «Es wird dabei nicht umgekrempelt, die Grundstruktur bleibt erhalten», sagt Daniela Saxer, Projektleiterin der Hochbauabteilung. Budgetiert sind dafür gebundene Kosten von rund einer Million Franken. Für die Innenausstattung und Infrastruktur kommt der Trägerverein auf, der seinerseits mit Ausgaben von 350'000 bis 400'000 Franken rechnet.

Das Gebäude an der Buchsackerstrasse 21 wurde 1928 erbaut.

Das Gebäude an der Buchsackerstrasse 21 wurde 1928 erbaut.

«Als die Brockenstube 2014 auszog, war für die Stadt klar, dass das Gebäude saniert werden muss. Egal, an wen es vermietet wird», sagt Saxer. Dies ist auch der Grund, weshalb man zwei Baueingaben einreichte. Jene betreffend Sanierung wurde bereits bewilligt. Das Gesuch zur Umnutzung der Gewerberäume zu einem Kulturbetrieb wurde am 1. März ausgeschrieben. «Wir sind zuversichtlich, dass die Bevölkerung auf unserer Seite ist», sagt Co-Präsidentin Carla Hohmeister.

Keine Musikproberäume

Diese Zuversicht gründet laut Hohmeister darauf, dass der Verein in den vergangenen Monaten gezielt das Gespräch mit der Bevölkerung gesucht hat. Insbesondere mit dem Quartierverein Altberg, der Bedenken zum Projekt äusserte. Dessen Präsidentin Daniela Frieden sagt auf Anfrage: «Unsere Sorgen werden vom Trägerverein ernst genommen.»

Konkrete Forderungen des Vereins werden auf sicher umgesetzt. So werden die geplanten Musikproberäume durch eine Werkstatt ersetzt. Daneben kommen alle Eingänge ausschliesslich zum Bahnhof hin zu liegen, was die Lärmemissionen reduzieren soll. Eine abschliessende Zusage zu weiteren Forderungen des Quartiervereins (in Bezug auf Massnahmen zur Reduzierung des Nachtlärms oder der Verkehrs) könne der Verein Gleis 21 jedoch erst erteilen, so Camenisch, sobald die Unterverträge mit den Künstlern und dem Geranten abgeschlossen seien.

Momentan ist das Gebäude an der Buchsackerstrasse 21 gleich hinter dem Bahnhof Dietikon nicht mehr als eine Hülle.

Momentan ist das Gebäude an der Buchsackerstrasse 21 gleich hinter dem Bahnhof Dietikon nicht mehr als eine Hülle.

In der Lage direkt neben den Gleisen sieht Saxer grosses Potenzial: «Unzählige Pendler fahren täglich am Gebäude vorbei. Das Gleis 21 könnte zur kulturellen Visitenkarte der Stadt werden.» Das Gebäude der ehemaligen Brockenstube «Atelier 23» wurde gemäss dem Kulturraumkonzept der Stadt zu einem von Dietikons drei «kulturellen Leuchttürmen» erkoren. Im Gegensatz zur Zehntenscheune und dem Stadtkeller soll im «Gleis 21» jedoch Prozesskultur stattfinden, sagt Irene Brioschi, Kulturbeauftragte der Stadt Dietikon. «Hier soll es möglich sein, Kulturelles zu entwickeln, und dies im Tagesbetrieb.»

Bereit für das Stadtfest

In der rund 430 Quadratmeter grossen Liegenschaft soll auf zwei Stockwerken ein dynamischer Kulturort geschaffen werden. Das Betriebskonzept sieht vor, dass im Erdgeschoss des Industriegebäudes aus den Zwanzigerjahren offene Ateliers, ein Veranstaltungsraum sowie ein Bistro Platz finden. Im Kellergeschoss soll es eine offene Werkstatt geben.

Nun, da der Stadtrat grünes Licht gegeben hat, macht sich der Verein auf die Suche nach finanzieller Unterstützung: «Wir gehen Stiftungen an, die öffentliche Hand sowie Privatpersonen», so Camenisch. Aktuell suche man auch einen Betreiber oder eine Betreiberin für das Bistro. Interessierte dürften sich gerne melden. Bis zum Stadtfest Ende August soll das Gebäude bespielbar sein, wenn auch noch nicht im finalen Zustand. Brioschi führt aus: «Die Idee des Fests ist, die beiden Stadtteile zusammenzubringen. Und das Gleis 21 fungiert mit seiner zentralen Lage quasi als Bindeglied.»

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