Schlieren

«Das könnte der neue Schandfleck von Schlieren werden»

Auf dem heutigen Chilbiplatz wird dereinst die Limmattalbahn halten und das 2er-Tram wenden. Die Stadt Schlieren wollte den Platz mit 80 Bäumen zu einer grünen Oase zu machen. Die Badenerstrasse (im Bild links) wird verschoben. BHI

Geissweidplatz

Auf dem heutigen Chilbiplatz wird dereinst die Limmattalbahn halten und das 2er-Tram wenden. Die Stadt Schlieren wollte den Platz mit 80 Bäumen zu einer grünen Oase zu machen. Die Badenerstrasse (im Bild links) wird verschoben. BHI

Der Schlieremer Stadtrat wollte auf dem heutigen Chilbiplatz, auf dem dereinst die Limmattalbahn halten wird, mit 80 einheimischen Bäumen eine urbane Oase schaffen. Das Parlament will davon nichts wissen.

Der Schlieremer Stadtrat muss zurück auf Feld eins: Das Parlament unterstützte am Montagabend einen Rückweisungsantrag für die Vorlage Geissweidplatz mit 19 zu 11 Stimmen. Der Stadtrat hatte 992 000 Franken beantragt, um den Geissweidplatz neu zu gestalten, auf dem heute die Chilbi stattfindet und in Zukunft die Limmattalbahn halten und das 2er-Tram wenden werden. Weitere 305 000 Franken übernimmt die Limmattalbahn AG. Mit 80 einheimischen Bäumen hätte dort eine grüne Oase entstehen sollen.

Doch es kam anders: Die Mehrheit der Rechnungsprüfungskommission beantragte, das Geschäft an den Stadtrat zurückzuweisen. Es wäre wünschenswert, wenn man mit dem Platz auch Einnahmen generieren könnte, sagte Thomas Widmer (QV) als Sprecher der RPK-Mehrheit. Daher erscheine ihm ein Hochbauprojekt viel geeigneter.

Walter Jucker (SP) plädierte als Minderheitssprecher dafür, den Kredit zu sprechen. Schlieren müsse von seinem schlechten Image wegkommen, sagte Jucker. Der Platz dürfe nicht einfach sich selber überlassen werden: «Nachdem wir es geschafft haben, die Occasionshändler von der Badenerstrasse zu entfernen, könnte es nun wieder zu einem neuen Schandfleck in Schlieren kommen.» Grünflächen im Zentrum seien sehr wichtig für eine Stadt, so Jucker: «Wenn Sie den Antrag des Stadtrats zurückweisen, tragen Sie dazu bei, dass das Ziel, unsere Stadt attraktiver zu machen, einen Rückfall erleidet.»

Auch Bauvorstand Markus Bärtschiger wehrte sich vehement gegen die Rückweisung. «Ja, der Platz kostet Geld, aber sehr, sehr wenig», sagte er. Die Frage, ob ein Hochbau auf dem Platz möglich wäre, habe man sich durchaus gestellt. Jedoch sei man sehr eingeschränkt, wenn man auf dem Platz einen Bau erstellen wolle. Zudem sei der Boden dort sehr teuer, was das Ganze zusätzlich erschwere. «Die Stadt Schlieren hat langfristig viel mehr von einem Platz», sagte er. Auf dem Geissweidplatz zu bauen, ergebe keinen Sinn. Zwar sei Verdichtung gut, aber: «Nicht dort. Dort ist es zu teuer und der falsche Ort dafür.»

Ganz anders sah dies die SVP. Er sehe nicht ein, wieso man auf dem Platz noch mehr Grün brauche, wenn der Stadtplatz gleich um die Ecke sei, sagte Beat Kilchenmann. Er sei für eine Rückweisung: «Wir wollen dem Stadtrat eine zweite Chance geben. Er soll visionärer werden.» Es gebe sicher noch bessere Ideen als dieser «Wald mitten in der Stadt», so Kilchenmann.

Pascal Leuchtmann (SP) hingegen fand, die Vorlage drücke eine Vision aus, wie der Platz aussehen solle: «Schattig im heissen Sommer, schlicht und doch ein grüner Punkt mitten im urbanen Schlieren. So richtig ein gmögiger Platz ohne viel Firlefanz.» Auch Songül Viridén (GLP) legte sich ins Zeug für die Vorlage: «Es ist eine ganz seltene Chance für Schlieren, eine kleine, grüne Oase zu schaffen und damit Schlieren attraktiver zu machen», sagte sie. Die immer dichter bebaute Stadt brauche diesen Ort als Ruhepol. «Diese Chance, solch einen Ort in Schlieren zu schaffen, bekommen wir nie wieder.»

Bärtschiger versuchte noch ein letztes Mal, das Steuer herumzureissen. Es wäre zwar möglich, einen Bau auf den Platz zu stellen, sagte er. Doch es sei kompliziert und teuer. Wenn der Kreditantrag nun zurückgewiesen werde, habe man voraussichtlich wieder vier Jahre lang einen Kiesplatz mitten im Zentrum, sagte er - und erinnerte damit an den Zentrumsplatz. «Und dann muss mir einfach niemand kommen und sagen, diese Brache sei ein Schandfleck.» Markus Weiersmüller (FDP) fand, er könne mit einer Brache leben: «Wir Schlieremer sind ja bekannt dafür, dass wir leidensfähig sind.» Und an einem Ort wie diesem müsse man einfach etwas bauen.

Autorin

Bettina Hamilton-Irvine

Bettina Hamilton-Irvine

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