Schweizer Armee

Das Ende in Aarau ist ein Neuanfang in Birmensdorf: Zürich hat nun wieder eine Infanterie-Rekrutenschule

Symbolisch ist das Infanterie-Durchdiener-Kommando 14 im Rahmen eines Defilees in Birmensdorf einmarschiert. Die Aargauer Regierungsrätin Franziska Roth und ihr Zürcher Kollege Mario Fehr fuhren beim Defilee zur Kaserne Reppischtal vorne weg.

Aussergewöhnlich war die Zeremonie, welche sich am Freitag oberhalb Birmensdorf abgespielt hat. Auf der Grenzziehung, zwischen dem Kanton Aargau und dem Kanton Zürich, knapp noch auf dem Gemeindegebiet von Oberwil-Lieli, stand der Kommandant des Infanterie-Durchdiener-Kommandos 14, Felix Huber. Flankiert von Mario Fehr (SP), dem Zürcher Sicherheitsdirektor, erwartete er die Ankunft der Schweizer Fahne aus dem Aargau. Der Grund dieses symbolischen Aktes war der Umzug seines Kommandos in die Kaserne Zürich-Reppischtal.

Seit der Eröffnung der Aarauer Stadtkaserne 1849, damals konzipiert für die Dragoner Rekrutenschule, wurden während 168 Jahren Rekruten ausgebildet. In den letzten Jahren waren es unter anderem auch die Infanterie-Durchdiener, welche in Aarau während der Rekrutenschule das militärische Handwerk erlernten. Doch damit ist nun Schluss. Im Rahmen der Weiterentwicklung der Armee (WEA), welche ab dem 1. Januar 2018 umgesetzt wird, ist das Infanterie-Durchdiener-Kommando in die Kaserne in Birmensdorf verlegt worden. Zwar waren schon bis anhin Durchdiener in Birmensdorf angesiedelt, jedoch erst nach absolvierter Rekrutenschule. Ab dem nächsten Start der Rekrutenschule werden die neuen Rekruten in der Kaserne Zürich-Reppischtal ausgebildet werden und verbleiben sodann während der ganzen Dauer ihres Dienstes in Birmensdorf.

Viele Birmensdorfer Schaulustige waren zugegen, als das Inf DD Kdo 14 in einem feierlichen Defilee auf der Zürcherstrasse mitten durchs Dorf zur Kaserne zog.

Viele Birmensdorfer Schaulustige waren zugegen, als das Inf DD Kdo 14 in einem feierlichen Defilee auf der Zürcherstrasse mitten durchs Dorf zur Kaserne zog.

Defilee durch Birmensdorf

Begleitet wurde die Schweizer Fahne auf ihren letzten Metern durch den Aargau von Regierungsrätin Franziska Roth (SVP), bevor sie durch die Hände von Oberst im Generalstab Felix Huber an den neuen Fähnrich auf der Zürcher Seite übergeben wurde.

Während die Übergabe auf kantonaler Ebene im kleinen Kreise vonstattenging, wurde der Einzug in Birmensdorf richtiggehend zelebriert. Insgesamt drei Kompanien mit rund 600 Soldaten und Kadern defilierten vor den Augen zahlreicher Birmensdorfer vom Sportplatz Geren in das neue Zuhause der Rekrutenschule, die Kaserne Zürich-Reppischtal. Angeführt von der Korpsmusik der Kantonspolizei Zürich marschierten die Soldaten in Achterkolonne symbolisch in Birmensdorf ein.

Nur der Kommandant, Felix Huber, sowie die beiden Regierungsräte Roth und Fehr wurden an der Spitze der militärischen Formation in einem historischen Militär-Jeep chauffiert. Wenn auch der Vorbeizug der Soldaten im Gleichschritt beeindruckte, zeigte sich eine Zuschauerin am Strassenrand etwas enttäuscht: «Ich hätte gerne noch Fahrzeuge und Panzer gesehen, die im Defilee mitfahren.»

Fahnenübergabe und Nationalhymne

Fahnenübergabe und Nationalhymne

Zum Anfang des Tages kam es zur Fahnenübergabe an der Kantonsgrenze von Oberwil-Lieli und Birmensdorf. Die Fahne des Inf DD Kdo 14 wurde vom Kanton Aargau (mit Regierungsrätin Franziska Roth) an den Kanton Zürich (mit Regierungsrat Mario Fehr) übergeben. Bei den späteren Feierlichkeiten spielte die Korpsmusik der Kantonspolizei Zürich die Nationalhymne.

Der Höhepunkt der Feierlichkeiten fand anschliessend auf dem Kasernenareal unter den Augen der Öffentlichkeit statt. Die drei Kompanien in Reih und Glied vor sich aufgestellt, zeigte sich Kommandant Huber erfreut. «Heute beginnt mit dem Einzug des Infanterie-Durchdiener-Kommandos 14 ein Neuanfang – Zürich hat nun wieder eine Infanterie-Rekrutenschule.» Die Infanterie-Unteroffizierschule wird neu ebenfalls in Birmensdorf angesiedelt sein. Auch wenn der Standort gewechselt habe, die Durchdiener stünden weiterhin für Einsätze zugunsten des Botschaftsschutzes, zur Unterstützung am WEF in Davos sowie für kulturelle und sportliche Grossanlässe in der ganzen Schweiz bereit. «Wir verstehen uns als Teil der Bevölkerung, die auf Zeit hier lebt und arbeitet», bekräftigte Huber die starke Verankerung des Militärs in Birmensdorf.

Die Organisation des Umzugs nach Birmensdorf sei eine kleine Herausforderung gewesen, meinte Huber. Diese musste nämlich parallel zu den weiteren Veränderungen, wie zum Beispiel der Umstellung von drei auf zwei jährlich startende Rekrutenschulen, realisiert werden. «Alle Schritte zu synchronisieren, war nicht ganz einfach», erklärte der Kommandant. Zwar würde nun auch mehr militärisches Berufspersonal im Reppischtal eingesetzt werden, doch schon früher hätten diese an den beiden Standorten Birmensdorf und Aarau, gearbeitet. An seinem neuen Arbeitsplatz fühlt sich der hohe Militär jedoch schon wohl. «Wir fühlen uns hier sehr willkommen.»

«Wir sind ein stolzer Militärkanton»

Über den Entscheid, die Infanterie-Durchdiener-Rekrutenschule in den «schönsten Schweizer Kanton» und somit auf das Zürcher Kantonsgebiet zu verlegen, freute sich vor allem Regierungsrat Mario Fehr. «Endlich haben wir nach 15 Jahren wieder eine richtige Infanterie-Rekrutenschule in unserer Kaserne», unterstrich Fehr. Beeindruckt habe ihn auch die Disziplin während des Defilees durch Birmensdorf: «Ich gratuliere Ihnen zur Art und Weise, wie Sie sich präsentiert haben, das war erste Sahne.» Dabei hob er in seiner Rede ebenfalls die Vorzüge des Milizsystems hervor und lobte das persönliche Engagement der Soldaten zugunsten der militärischen Dienstleistung. «Wir sind heute ein sehr stolzer Militärkanton», schloss er seine feurige Ansprache.

Willkommensgrüsse übermittelte auch der Gemeindepräsident von Birmensdorf, Werner Steiner (SVP). Dabei unterliess auch er es nicht, sich für die Bereitschaft der Soldaten, im Ernstfall 365 Tage zur Verfügung zu stehen, zu bedanken. «Wir sind froh, eine Organisation zu haben, die sich für unsere Sicherheit einsetzt.» Als altgedienter Offizier mit über 1000 Diensttagen sei ihm auch die Kameradschaft in bester Erinnerung geblieben. Um diese zu pflegen, seien die neuen Rekruten auch in den Birmensdorfer Restaurants willkommen. Merkliche Folgen für die Einwohner dürfte dieser Umzug ansonsten kaum haben. Er hofft jedoch, dass die neuen Rekruten den Namen von Birmensdorf in die Schweiz hinaus tragen, wie dies bei den schon bestehenden grossen Waffenplätzen der Fall sei. Natürlich durfte zum Schluss des feierlichen Anlasses die Nationalhymne nicht fehlen, gespielt von der Polizeimusik.

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