Urdorf
Das Collegium Musicum lud zum Konzert in der Kirche: So klingt der Frühling des Lebens

Das Collegium Musicum Urdorf interpretierte mit Gastdirigent Matthias Arter unter anderem Jugendwerke von Cimarosa und Mendelssohn.

Fabienne Eisenring
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Collegium Musicum
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Matthias Arter hatte Jugendwerke von Cimarosa und Mendelssohn speziell für das Zusammenspiel von Oboe und Streichern neu arrangiert.
Das Publikum erschien am Sonntag zahlreich, trotz des schönen Frühlingswetters.

Collegium Musicum

Fabienne Eisenring

Ein Frühlingskonzert war der Auftritt des Collegium Musicum Urdorf nur im übertragenen Sinne. Der bekannte Zürcher Oboist und Komponist Matthias Arter, der als Gastdirigent und Solist gewonnen werden konnte, setzte den Schwerpunkt auf Jugendwerke. Der Frühling des Lebens also war es, der am Sonntagabend in der Katholischen Kirche bespielt wurde.

Arter eröffnete mit seinem Arrangement von Bachs Goldberg-Variationen. Mit viel Feingefühl und Respekt vor dem Meister «zitierte» er das Thema zu Beginn und Schluss des Stücks. Die Töne der zupfenden Streicher kitzelten wie Sonnenstrahlen. Ganz still wurde es in der Kirche, als die zwei Kontrabässe zu hören waren, die die Variationen verbinden.

Darauf folgte Mendelssohns «Sinfonie Nr. 10 h-moll». Das semi-professionelle Streichorchester spielte mit hörbarer Leichtigkeit und erweckte wechselhafte Emotionen. Wehmut, wenn man sich an vergangene Zeiten erinnerte. Oder Erleichterung – darüber, dass sie eben vergangen sind.

Zu seinem Arrangement von Cimarosas Klavierstück «Concerto in C» trat Arter als Solist auf. Es wurde, so schien es, ein Zwiegespräch zwischen Oboe und Streichern evoziert: rasant, launig und lebhaft. «Ich habe mich beim Arrangieren an der Klassik orientiert, im Sinne der tempi passati, und nicht an der romantisierten Interpretation des frühen 20. Jahrhunderts», sagte Arter nach dem Konzert.

Intermission der Kirchenglocken

Sowohl die «Lieder ohne Worte» des jungen Mendelssohn wie auch Janáčeks «Suite für Streicher» zeigen noch nicht die charakteristischen Stilmerkmale der späteren Meister. Doch ihre Interpretation versprühte eine Energie, dass es eine Freude war zuzuhören.

Zu nennen sei hier eine ungefragte akustische Intermission: Prompt auf den Schlussakkord des vierten Satzes von Janáček setzten die Kirchenglocken ein. Mit stoischer Ruhe liess Arter fünf Minuten pausieren, bis die Ohren des Publikums wieder voll und ganz ihm gehörten. Ein letztes fulminantes Crescendo, im Licht der hereinfallenden Abendsonne. Es dauerte einen Moment, gerade so lang wie ein Atemzug, dann brandete der Applaus auf.

Die Zusammenarbeit mit dem Collegium Musicum beschreibt Arter als «eine höchst angenehme Erfahrung». Das Orchester habe seine Ideen aufgenommen und sei während dem Konzert aufmerksam gewesen. «Bei Wiederholungen etwa bringe ich gerne spontan Variationen ein und versuche, eine Stimme herauszuheben.»

Diese Feinheiten hat die Oetwilerin Elisabeth Wunderli bemerkt: «Es wurde sehr differenziert und kompetent musiziert.» Auch Pia Murer, Präsidentin des Collegium Musicums, zeigte sich begeistert: «Matthias Arter spielte brillant und das Orchester schien beflügelt. Und das hat sich aufs Publikum übertragen.»