Spital Limmattal
Dank Hausarztpraxis: Notfall zählt 12 Prozent weniger Patienten

Dank der Hausarztpraxis sinkt die Zahl der Behandelten in der Notfallaufnahme. Das ist gut so, auch wenn man in der Hausarztpraxis manchmal die Kapazitätsgrenze erreicht.

Bettina Hamilton-Irvine
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Die Hausarztpraxis brachte Entlastung für die Notfallstation (Symbolbild)

Die Hausarztpraxis brachte Entlastung für die Notfallstation (Symbolbild)

Keystone

Nach genau zwei Jahren Laufzeit lässt sich getrost sagen: Die Hausarztpraxis am Spital Limmattal ist zum Erfolgsmodell geworden. Im Jahr 2011 behandelte die von Hausärzten geführte und an die Notfallstation angeschlossene Praxis rund 6000 Patienten – das sind fast doppelt so viele wie im Vorjahr.

Leichte Zunahme erwartet

Die Zahl muss zwar etwas relativiert werden, da die Praxis im Jahr 2010 nach ihrer Eröffnung im Mai nur acht Monate operativ war. Trotzdem wird die Zunahme von den Verantwortlichen positiv gewertet. «Die Entwicklung der Patientenzahlen läuft so, wie wir uns das vorgestellt haben», sagt Hans Matter, Chefarzt des Instituts für Klinische Notfallmedizin am Spital Limmattal und Mitglied der Betriebskommission, die die Hausarztpraxis leitet. Denn schon während der Planungsphase für das neue Angebot rechnete man mit etwa 6000 Patienten pro Jahr. Ist die Schmerzgrenze also bereits erreicht?

«Es gibt Tage, da bewegen wir uns tatsächlich an der Kapazitätsgrenze», sagt Matter. Doch habe man generell genügend Ressourcen, um auch noch einige Patienten mehr zu betreuen.

Matter rechnet in der näheren Zukunft denn auch noch mit einem leichten Anstieg. «Im Moment scheinen sich die Zahlen plus/minus beim heutigen Stand einzupendeln», sagt der Chefarzt. «Mittelfristig erwarte ich aber noch eine leichte Zunahme.» Davon könne man nur schon deshalb ausgehen, weil sich in Schlieren und Umgebung in den nächsten Jahren noch viele Neuzuzüger ansiedeln werden.

Dass die Zahl der behandelten Patienten in der Hausarztpraxis gestiegen ist, hat aber auch einen positiven Effekt auf die Notfallstation. Diese hatte im Jahr 2011 knapp 12 Prozent weniger Patienten zu behandeln als im Vorjahr. Diese Entwicklung ist durchaus erwünscht. Denn die Idee der Hausarztpraxis entstand vor allem deshalb, weil die Notfallstation zuvor zunehmend von Bagatellfällen vereinnahmt wurde – Fälle wie Migräne, Schnitte oder Rückenschmerzen, die eigentlich nicht auf den Notfall gehören. Zwischen 1997 und 2009 stieg die Anzahl behandelter Patienten auf der Notfallstation von 10000 auf 20000. Die Anzahl der Bagatellfälle nahm zuletzt um markante 15 Prozent pro Jahr zu.

Wunsch nach Erweiterung

Matter ist einerseits froh, dass sein Team auf der Notfallstation nun etwas mehr Zeit für die einzelnen Patienten hat. Andererseits hat unabhängig von der Verschiebung eines Teils der Patienten in die Hausarztpraxis auf der Notfallstation auch die Zahl der schweren Fälle zugenommen.

Noch nicht erfüllt hat sich Matters bereits vor einem Jahr geäusserter Wunsch nach einer Hausarztpraxis, die statt wie bis anhin nur an den Wochenenden und Abenden auch tagsüber offen ist. «In den heutigen Räumen wird dies jedoch leider nicht möglich sein», sagt der Chefarzt. Für die neuen Räumlichkeiten im Spitalneubau sei eine Erweiterung aber in der Planung vorgesehen. «Dass die Praxis auch tagsüber offen ist, ist ein Ziel, das meinerseits ganz klar anzustreben ist», sagt Matter.