Daniel Bachmann malt feine grüne und gelbe Striche auf seine Harley Davidson. Er gibt dem wuchtigen Gefährt den letzten Schliff, bevor er morgen mit dem Oldtimer an die «Swiss-Moto» braust.
Die Ausstellung für Motorräder zog letztes Jahr knapp 72 000 Besucher aufs Messegelände in Zürich Oerlikon. Dort lassen sich Töff-Begeisterte in die Welt ausgefallener Luxusmotorräder, polierter Felgen und aufheulender Motorengeräusche entführen. Das Schlieremer Motorradgeschäft Roli’s Motostyling hat bereits viermal an der Ausstellung teilgenommen. Bisher war das Team um Roli Bachmann, Geschäftsführer und Bruder von Daniel Bachmann, jedoch im Bereich der Custombikes anzutreffen. Das heisst, sie stellten ihre verkaufsfertigen Motorräder aus. Dieses Jahr findet eine Premiere statt: Daniel Bachmann wird sein Motorrad mit dem Namen Iron Head an der Bike-Show präsentieren.

«In den letzten Wochen investierte ich unzählige Über- und Freistunden in den Töff», sagt Bachmann. Nicht alle Interessenten werden zur Swiss-Moto zugelassen. Bachmann hat seine beiden Harleys angemeldet, die Jury nahm aber nur «Iron Head» an. Sein ganzes Vehikel ist in einem rostigen Braun lackiert, an der Seite hängt ein alter Fellrucksack und am Lenker ist eine metallene Benzinflasche angeschweisst. Bilder und Sprüche zieren die Seiten des 40-jährigen Gefährts, jede dieser Verzierungen ist mit Anekdoten verbunden. Nicht umsonst steht beispielsweise auf dem 12-Liter- Tank: «Diesel-Fresser». «Würde ich damit nach Kroatien fahren, müsste ich etwa 30 Mal tanken», sagt er.

Eine Harley für die Ferien

Für lange Strecken hat Bachmann ein zweites Motorrad. Die schwarze Harley, die vor der Türe steht, ist überall mit Gepäcknetzen versehen und mit Totenköpfen dekoriert. Dieses Gefährt wirkt viel sportlicher und weniger verspielt als «Iron Head», dafür soll es umso bequemer sein, um auf den Strassen zu fahren. Doch hergeben würde Bachmann «Iron Head» um kein Geld. Einmal habe ihm jemand 40 000 Franken angeboten. Er hat abgelehnt. «Ich habe bereits zu viele Erlebnisse mit dem Motorrad gemacht. Deshalb kann ich es nicht einfach so hergeben», sagt er.
Bachmann hat nicht nur kosmetische Änderungen angebracht, sondern den ganzen Aufbau des Motorrads verändert. In der Garage gilt er als Designer und Mechaniker. Muss etwas geschweisst oder angepasst werden, steht er auf dem Platz. «Iron Head» hatte beispielsweise früher einen tiefen Lenker. «Der vorherige Besitzer, war sogar in der Todeskugel mit dem Motorrad», sagt Bachmann. Doch da er das Motorrad nur als sogenanntes Fun-Bike braucht, stylte er das Fahrzeug um und zog den Lenker kurzerhand nach oben.
Das erste Mal als Bachmann ein Motorrad auseinandernahm, war er 12 Jahre alt. «Ich hatte damals ein ‹Ciao› und begann bald zu lackieren und frisieren», sagt er. Da sein Bruder die Ausbildung zum Motorradmechaniker machte, bekam er von ihm professionelle Erklärungen, wie man die Zweiräder pflegt und repariert. Als er zum ersten Mal auf eine Harley Davidson sass, war es um ihn geschehen. «Da war ich mit dem Harley-
Virus infiziert», sagt er. «Zudem ist es für mich wichtig, dass es auch vibriert.» Oldtimer, bei denen hin und wieder noch ein wenig Öl tropft, sind seine Leidenschaft.

Die Küche verhilft ihm zu Ideen

Seine Kreativität im Umstyling der Motorräder hat einen überraschenden Ursprung: Bachmann machte eine Ausbildung als Koch. «Von dort kommt meine Kreativität und die Fähigkeit, Ideen umzusetzen», sagt er. In den 12 Jahren, in denen er nun in der Werkstatt arbeitet, habe er aber nur noch wenig Zeit, um in der Küche zu hantieren. Ausser an Weihnachten, dann kocht er für die ganze Belegschaft ein mehrgängiges Weihnachtsessen. Den Rest der Zeit verbringt Bachmann in der Werkstatt. Er schweisst Totenköpfe an Harleys oder passt die Motorräder den Bedürfnissen der Kunden an. Diese können sehr vielfältig sein. Er designte beispielsweise auch das Spezialmotorrad, mit dem der Zürcher Motorradfahrer, Urs «Grizzly» Pedraita 2016 eine Weltrekordtour in 100 Tagen aufstellte.
Bislang gewann Bachmann an anderen Ausstellungen bereits fünf Pokale für seine Motorräder. Ob sich dieses Wochenende ein weiterer Preis dazugesellt, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.