Die Gentlemen tragen weisse Hemden und Fliegen, die Ladys farbig glitzernde Kleider. Dass diese Mädchen und Jungen tatsächlich ihre eigenen Kinder sind, können die Eltern beim Einmarsch auf die Tanzfläche ihrer Sprösslinge kaum glauben. Schon jetzt – die Show hat noch nicht begonnen – zücken sie alle ihre Smartphones und filmen stolz, wie sich die Tänzerinnen und Tänzer elegant nach vorne auf die Bühne bewegen.

Im Rahmen von «Dancing Classrooms» durften die beiden fünften Klassen des Schulhaus Reitmen seit Mitte September jede Woche Tanzunterricht geniessen. Das Projekt kommt ursprünglich aus New York und sollte sowohl das Miteinander als auch das Selbstvertrauen der Kinder stärken. Neun verschiedene Standardtänze wurden dabei zusammen mit Tanzlehrerin Graziella Hürlimann einstudiert. «Wir haben gelernt, respektvoll miteinander umzugehen und ein Team zu sein», sagt sie vor dem grossen Auftritt.

Dann aber geht es endlich los. Das Scheinwerferlicht fällt auf das erste Tanzpaar. Emma und Christian balancieren leichtfüssig auf die runde Bühne und zeigen einen Tango. Hürlimann zählt leise mit, damit die Kinder nicht aus dem Takt geraten. Doch die beiden meistern ihren Auftritt mit Bravour.

Man ist später nicht hilflos

Obwohl es einigen Fünftklässlern zu Beginn unangenehm war, einen Paartanz zu erlernen, mussten sie ihre Meinung nach Abschluss der ganzen Proben revidieren. So sagt Sophia beispielsweise: «Ich habe gelernt, meine Hüften zu bewegen. So bin ich, wenn ich gross bin und an einen Ball gehe, bestimmt nicht hilflos.» Das Publikum lacht und die mutige Schülerin greift nochmals nach dem Mikrofon und fügt an: «Kann aber auch sein, dass es mir so einfach fällt, weil ich eine Latina bin.»

Dancing Classrooms Schulhaus Reitmen Schlieren

Dancing Classrooms im Schulhaus Reitmen

Zwischen den einzelnen Tänzen, die immer zuerst von einem Paar und danach von einer der beiden Schulklassen zusammen aufgeführt werden, werden auch noch Lieder gesungen und Flöte gespielt.

Die Eltern, Bekannten und Verwandten im Publikum staunen, was die Kinder alles können. Und obwohl einige im Takt mitklatschen und wippen, hätten sie mit einer Sache nicht gerechnet: Einige von ihnen werden im späteren Verlauf des Auftritts auch noch ins Scheinwerferlicht gezerrt werden.

Flirtende Blicke

Davor bittet aber Christian seine Emma zum Tanz. Es ist der Walzer und die Haltung der beiden grazil. Bei aller Professionalität entgeht dem Zuschauer aber eines doch nicht. Ab und zu, inmitten des Auftritts, werden zwischen den jeweiligen Tanzpaaren einige flirtende Blicke ausgetauscht. Ob das nun zur Show gehört oder nicht – das bleibt ein Geheimnis.

Nach Rumba, Merengue und weiteren klassischen Tänzen muss nun auch das Publikum das Tanzbein schwingen. Jedes Kind darf sich dafür eine Person aus dem Publikum aussuchen. Und so geschieht es, dass aus Zuschauern plötzlich auch Tanzende werden. Wenn das auch längst nicht so leichtfüssig aussieht, wie bei den jungen Ladys und Gentlemen.