Es war ein alter Bekannter, der mit viel Furore nach Schlieren zurückkehrte. Denn der Journalist Bänz Friedli lebte zusammen mit seiner Frau und zwei Kindern von 1998 bis 2005 in Schlieren und wurde damals auch einem breiten Publikum bekannt, als er in der Gratiszeitung «20 Minuten» seine Kolumne «Pendlerregeln» schrieb. Seine genauen, pointierten Beobachtungen des Alltags mit all seinen Absurditäten flossen in diese Kolumne über sein Pendeln ein. Später verlieh Friedli als Hausmann allen zu Hause Arbeitenden im «Migros-Magazin» eine Stimme und unterwanderte damit zugeschriebene Geschlechterrollen.

Diesen Herbst veröffentlichte der 52-Jährige sein erstes Kinderbuch mit dem Titel «Machs wie Abby, Sascha!», in dem er wiederum Geschlechterrollen hinterfragt.

Am Dienstag nun war Friedli auf Einladung der Kulturkommission Schlieren im Stürmeierhuus. Der Berner in Zürich zeigte im mit 220 Plätzen ausverkauften Saal sein neustes Kabarett-Programm «Ke Witz – Bänz Friedli gewinnt Zeit». Bei Friedli klang das Zeitgeschehen in Anekdoten zuweilen wie ein guter Witz, den er am Schluss mit einem trockenen Kommentar abschloss. Er lese in den Schlagzeilen «Trump besucht nach Texas-Unwetter Katastrophengebiet». Da frage er sich: «Ist nicht er die Katastrophe?»

Bänz Friedli spricht über Schlieren

Bänz Friedli spricht über Schlieren

Die Prognose für die Wahlen

Dann wiederum imitierte er bekannte Personen: «Isch binne, ohne vil su denken, bei Pro Tell beigetrétenn», rechtfertigte sich da Ignazio Cassis. Friedli dazu: «Hoffentlich denkt er im Amt, ehe er etwas tut.» Nicht nur das Irrsinnige rechter Politik wurde aufgedeckt, auch linke Politik nahm er aufs Korn. Denn ihn, der als jüngster Exekutivpolitiker im Alter von 20 Jahren zum Gemeinderat in der Berner Gemeinde Wohlen gewählt wurde, stört es, dass es in der Regierung gewaltig «menschelte». So diskutiere man über kleine Geschäfte stundenlang, während wichtige Angelegenheiten durchgewunken würden.

Der ehemalige Schlieremer hat Schlieren nicht vergessen. Die Stadt habe eine «geschundene Seele», deshalb sei ein Psychotherapeut Stadtpräsident, sagte er frech. Doch bald brauche man ihn nicht mehr. Es gehe nun also besser. Er wagte zudem eine Prognose für die Stadtpräsidiumswahl: An den Reaktionen auf seine Pointen könne er einschätzen, wie ein Ort ticke. «Es wird zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Sozi und der Rita-Geistlich-2.0 kommen», so Friedli.

Hassliebe zu Schlieren scheint noch durch

Es sei «tiefe Wahrheit», was Friedli geboten habe, sagte Besucherin Verena Zingg nach dem Anlass: «Das mag ich.» Das Ehepaar Margrit und Arnaldo Ferrari fand Bänz geistreich; er habe in vielem recht. Arnaldo Ferrari zeigte sich aber auch kritisch: «Er weist auf Unzulänglichkeiten der Welt hin, doch präsentiert er zu wenig Lösungen.»

Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin sagte: «Seine Eloquenz und sein Wortfluss haben mich beeindruckt. Seine Hassliebe zu Schlieren scheint immer noch durch. Es ist erstaunlich, wie gut Bänz Friedli die Stadt immer noch kennt.» Friedli erklärte, wieso das so sei: Vor jedem Auftritt bereite er sich vor, indem er die Ortsnachrichten lese und sich gegebenenfalls über lokale Bekannte informiere. «Und über Schlieren wusste ich halt schon vieles.»