Schlieren
Cyrill Wyss nimmt dank Magenoperation 90 Kilos ab

Cyrill Wyss hat nach einer Magenoperation innert 17 Monaten fast 90 Kilo abgespeckt. 48 Stufentritte. Cyrill Wyss drückt nicht den Türöffner, er nimmt die Stufen unter die Füsse und öffnet die Haustür des Mehrfamilienhauses höchstpersönlich.

Von Katja Landolt (Text) und Emanuel Freudiger (Foto)
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Cyrill Wyss hat nach einer Magenoperation innert 17 Monaten fast 90 Kilo abgespeckt
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Cyrill Wyss hat innert 17 Monaten rund 90 Kilogramm abgenommen
Der Schlieremer Cyrill Wyss ist rundum zufrieden
Früher ass Cyrill Wyss locker ein Kilogramm Lasagne zum Znacht
Ein Foto aus längst vergessenen Zeiten
In den Monaten nach der Operation konnte Cyrill Wyss mengenmässig nicht mehr als ein Chinaschälchen voll essen
Cyrill Wyss im Februar im Gespräch mit seinem Arzt Thomas Köstler

Cyrill Wyss hat nach einer Magenoperation innert 17 Monaten fast 90 Kilo abgespeckt

Emanuel Freudiger

48 Stufentritte runter und wieder hoch - früher ein Krampf, heute ein Leichtes. Früher, das heisst vor 17 Monaten. Früher, mit 89,4 Kilogramm Mehrgewicht auf den Rippen. «Gäbe es diese Treppe nicht, wäre ich bereits tot», sagt Wyss. Diese Treppe war über Jahre das einzige Sportprogramm des adipösen Schlieremers.

Wyss' Krankengeschichte ist typisch; beide Elternteile sind übergewichtig, es gilt «iss den Teller leer». Wyss ist bereits als Kind speckig, findet später im Job als Aussendienstmitarbeiter kaum Zeit für regelmässiges Essen, erst recht keine Zeit für Sport. Eine Diät nach der anderen scheitert, Wyss nimmt immer noch mehr zu. Als er sich vor 17 Monaten für eine Magenoperation im Spital Limmattal auf den Operationstisch legt, wiegt er mit einer Grösse von 180 Zentimetern 206,7 Kilogramm.

Schlauchmagen

Thomas Köstler, leitender Arzt Chirurgie im Spital Limmattal, operiert Wyss' Magen zu einem Sleeve, einem sogenannter Schlauchmagen, um. Im März 2012, acht Monate nach der Operation, hatte er bereits auf 155 Kilo abgespeckt. «Wenn ich ein Gewicht von 120 Kilos erreichen würde, wäre ich mehr als zufrieden», sagt Wyss damals im Artikel zum Thema «Adipositaschirurgie» in der Limmattaler Zeitung.

120 Kilo erschienen damals als ein ehrgeiziges Ziel. Es sei mit einem Gewichtsverlust von bis zu 55 Prozent des Übergewichts zu rechnen, hatte Arzt Thomas Köstler gesagt. Für Wyss hätte das ein Gewichtsverlust von maximal 80 Kilogramm bedeutet. Heute wiegt Wyss 117,3 Kilogramm - 89,4 Kilo weniger. Und er will und kann noch weiter runter, noch hat sich der Stoffwechsel nicht vollständig eingependelt. 110 Kilo sind das Ziel.

In den Monaten nach der Operation konnte Wyss nicht mehr als ein Chinaschälchen voller Essen zu sich nehmen. Heute gehe bereits ein bisschen mehr rein, sagt er und grinst. «Aber es ist immer noch weit weg von dem, was ein normaler Mensch isst - und meilenweit weg von dem, was ich damals verschlungen habe.» Damals, als ein Kilogramm Lasagne zum Znacht gut runter mochte.

Kohlesäurehaltigen Getränken riskant

Verzichten muss Wyss seit der Operation essenstechnisch auf nichts. Aufpassen muss er bloss bei kohlesäurehaltigen Getränken, die den Magen aufplustern. Was er nicht mehr hinunter bringt, ist Schokolade. Zu süss, zu fettig, zu klebrig. «Habe ich Schokolade im Mund, habe ich das Gefühl, auf einem süssen Stück Butter herumzukauen.» Wyss schüttelt sich beim Gedanken daran.

Das Schwierigste für Wyss: Das Auge an die neue Menge Nahrung zu gewöhnen. Noch heute schleppt er zu viele Esswaren nach Hause, kauft mehr als er überhaupt essen kann. «Aber immerhin sind es gesunde Sachen», sagt er und lacht. Er kauft nur noch hochwertige Produkte, viel Bio. Ausserdem trinkt er keinen Alkohol, geht alle zwei Tage schwimmen, bewegt sich viel. «Meinen Freunden wird es beinah unheimlich, wenn sie sehen, wie gesund ich heute lebe.»

Körperliche Probleme brachte das rasche Abnehmen kaum mit sich. Einzig die Leber war ein bisschen gestresst; durch den massiven Gewichtsverlust hatte Wyss erhöhte Blutfettwerte. «Das ist aber in so einem Prozess völlig normal», sagt er.

Ein Mal im Jahr ins Spital

Die nächsten knapp dreieinhalb Jahre muss er noch ein Mal im Jahr ins Spital Limmattal, um ein grosses Blutbild zu machen, sein Hausarzt macht jeweils ein kleines. Ansonsten sei alles gut, sagt er. Auch die Haut spiele mit, überschüssige Hautlappen habe er keine. «Zum Glück bin ich ein Mann, bei Frauen ist das aufgrund der anderen Hautstruktur ein weit grösseres Thema.»

«Ich wollte nicht schlank werden um gut auszusehen, sondern um gesund zu werden», sagt Wyss. Seit der Operation sind seine Beschwerden verschwunden; Schnarchen, Schlafapnoe, Bluthochdruck, alles weg.

Die Operation habe ihn zum Egoisten gemacht, im positiven Sinn: Er hat seinen Job gewechselt, arbeitet nun so, dass er abends zu Hause sein kann, regelmässig essen und Sport treiben kann. Ihm gehe es wunderbar, er würde eine Magenoperation jedem adipösen Menschen empfehlen.

Das Leben umkrempeln

«So eine Operation gibt einem die Zeit, Dinge im Leben zu überdenken, sein Leben umzukrempeln», sagt Wyss, schiebt aber auch ein dickes Aber hinterher. Zeit allein nützte nichts, es brauche vor allem auch Willen. Einen eisernen Willen. Man müsse sein Leben auf einen gesunden Körper fokussieren, sein Leben umzukrempeln. Wenn man nicht lerne umzustellen, wenn man nicht alles dafür tue, schlank zu werden und schlank zu bleiben, «dann geht es in die Hose.»

Nicht nur Wyss' Statur hat sich verändert. Auch seine Wohnung: An den Wänden sind Blümchen aufgemalt, auf den Tischen stehen Duftkerzen, es gibt Pflanzen. Cyrill Wyss hat eine Freundin, unverkennbar. Er grinst und lehnt sich entspannt auf seinem Stuhl zurück. «Kein Wunder, oder? Ich sehe ja auch saugut aus.»