Ständeratswahlen

CVP-Ständeratskandidatin Nicole Barandun: «Wir müssen ja nicht immer der Musterschüler sein»

Zürich sollte im Ständerat auch von einer Frau vertreten werden, findet Nicole Barandun.

Zürich sollte im Ständerat auch von einer Frau vertreten werden, findet Nicole Barandun.

CVP-Ständeratskandidatin Barandun über das Verhältnis zur EU, was sie ihren Mitstreiterinnen und den beiden Bisherigen voraus hat – und wo sie in Sachen Klima sündigt.

Wieso möchten Sie Ständerätin werden?

Nicole Barandun: Ich will vor allem ins Parlament und kandidiere deshalb für den National- und für den Ständerat. Ich finde es spannend, die Zukunft eines Landes mitzugestalten.

Kandidieren Sie nur pro forma als Ständerätin?

Nein, dieses Gremium würde mich sehr reizen. Es ist klein, persönlich, man ist in vielen Themen involviert. Aber es ist nun mal so, dass im Vorfeld der nationalen Wahlen vor allem über die Ständeratskandidaturen berichtet wird. Deshalb stellen auch alle Parteien jemanden auf.

Rechnen Sie sich Chancen aus?

Wenn ich nicht eine kleine Chance sähe, könnte ich diesen anstrengenden Wahlkampf nicht mit Elan führen. Doch mir ist bewusst, dass die beiden Bisherigen, Ruedi Noser und Daniel Jositsch, schon sehr gute Karten für eine Wiederwahl haben.

Was würde denn gegen die beiden sprechen?

Dass unser Kanton derzeit keine Frau im Ständerat hat. Ich politisiere nicht besser, weil ich eine Frau bin. Aber es gibt Themen, die die beiden Männer nicht aus eigener Erfahrung kennen. Ich habe drei Kinder, arbeite Vollzeit und weiss, was es heisst, eine Familie zu organisieren und gleichzeitig berufstätig zu sein.

Was hiesse das für Ihre Tätigkeit im Ständerat?

Ich würde mich sicher für Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzen, das bringt alle weiter. Ich bin übrigens auch für eine Frauenquote in Verwaltungsräten. Ich bin einfach überzeugt, dass Frauen die Qualität eines Gremiums verbessern.

Mit Marionna Schlatter (Grüne) und Tiana Angelina Moser (GLP) kandidieren zwei weitere Frauen. Was haben Sie ihnen voraus?

Es ist gut, wenn junge Frauen im Parlament sind. Aber ich denke, dass es gerade im Ständerat Lebenserfahrung braucht. Man muss in vielen Themen sattelfest sein. Zudem kann ich als Anwältin Situationen schnell auffassen, Pro und Kontra abschätzen und dann auch andere überzeugen. Das ist mein Business.

Mit wem würden Sie denn am liebsten ein Duo bilden?

Es ist kein Wunschkonzert. Und abgesehen von Roger Köppel sind es ja nicht die extremsten Parteisoldaten, die ins Rennen steigen. Als Mittepolitikerin findet man sowieso immer Schnittmengen. Mir liegen Bildung und Berufsbildung am Herzen. Von daher könnte ich mit Ruedi Noser sicher viel bewirken.

Sie präsidieren den Gewerbeverband Zürich und das Berufsbildungsforum Zürich. Was wollen Sie in der Berufsbildung ändern?

Man sollte mehr in die Berufsbildung investieren und die Unternehmen entlasten. In der Bildung sollte das Geld nicht nur in die Hochschulen fliessen. Um genügend Nachwuchs zu haben, könnte man auch die Anforderungen für gewisse Berufe überdenken.

Nicole Barandun, CVP- Kandidatin: «Berufsbildung ist die Zukunft von jungen Leuten in der Schweiz.»

Nicole Barandun, CVP- Kandidatin: «Berufsbildung ist die Zukunft von jungen Leuten in der Schweiz.»

Ein gewichtiges Thema sind derzeit die Europapolitik und das Rahmenabkommen mit der EU. Was ist Ihr Standpunkt?

Das Abkommen überzeugt mich nicht in allen Punkten. Aber wir müssen die vielfältigen Beziehungen mit unseren Nachbarn regeln und die bilateralen Verträge bewahren.

Uneinig ist man sich unter anderem beim Lohnschutz.

Ob sich ein Handwerker aus dem Ausland für drei oder acht Tage anmelden muss, spielt doch keine Rolle. Ich finde, wir können mit den Bedingungen der EU leben. Wir werden wohl auch keine andere Wahl haben. Bei der Umsetzung gibt es bestimmt Spielraum. Und da müssen wir ja nicht immer der Musterschüler sein.

Die Vorsorge ist eine weitere Baustelle. Was halten Sie vom Rentenalter 65 für Frauen?

Ich bin dezidiert dafür. Wenn man Gleichberechtigung in allen Punkten will, muss man dazu Ja sagen. Zudem kann man nicht alles auf dem Buckel der Jungen austragen.

Was die Jugend mehr beschäftigt, sind Klimawandel und Umweltschutz. Nächstes Jahr kommt die Trinkwasserinitiative vors Volk. Hat sie Chancen?

Ja. Es ist erwiesen, dass unser Wasser nicht mehr so sauber ist, wie wir das lange meinten. Und die Landwirtschaft spielt mit ihren Pestiziden keine rühmliche Rolle. Die Vorlage bietet Gelegenheit, die Direktzahlungen zu überdenken. Ich will eine Landwirtschaft unterstützen, die nachhaltig und umweltverträglich ist.

Flugticketabgabe, Benzinpreiserhöhung, Mobility-Pricing: Was ist dort Ihre Haltung?

Letztlich geht alles über das Portemonnaie. Und Mobilität ist generell zu günstig, das gilt für Flug- wie Autoverkehr. Eine Flugticketabgabe und eine moderate Benzinpreiserhöhung würde ich unterstützen. Auch das Mobility-Pricing sollte man prüfen. Man müsste aber unterscheiden zwischen Gewerbe- und Individualverkehr.

Was tun Sie persönlich fürs Klima?

Wir kaufen lokal beim Markt ein und verzichten wo möglich auf Verpackung, benutzen etwa Seife statt Duschmittel.

Ihre Sünden?

Wir sind Mieter und müssen mit Öl heizen. Und ich tumblere viel. Das hat damit zu tun, dass wir einen Haushalt mit drei Kindern haben und wenig Zeit.

Fliegen Sie?

Selten. Mein Mann ist Bündner und wir sind gerne in den Bergen. Ich steige lieber in den Zug als ins Flugzeug.

Dann leben Sie also Ihren Plakatspruch «Badi statt Bali». Ihr Sommer-Look wurde teils hämisch kommentiert.

Wir wollten etwas Witziges zum Klima-Thema machen und den Leuten sagen: Schaut, es ist doch auch in der Badi lässig. Die Leute denken ja teils, bei der CVP seien alle aus dem Wallis und konservativ. Wir wollten mit dem Plakat zeigen, dass es auch eine urbane und moderne Variante der CVP gibt – und dass man die ja auch mal wählen kann.

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