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Coronavirus: So geht das Spital Limmattal mit Verdachtsfällen um

Das Spital Limmattal hat bei seiner Notfallstation eine spezielle Corona-Abteilung in Betrieb genommen. In der Halle, in die normalerweise die Sanitätsfahrzeuge einfahren, gehen nun Virus-Abklärungen vonstatten.

Das Corona-Virus ist auch im Spital Limmattal angekommen. Oder zumindest die Angst davor. Derzeit suchen täglich zwischen 20 und 30 Personen das Limmi auf, weil sie befürchten, sich infiziert zu haben. Damit diese Personen nicht einfach mitten durch den Haupteingang zum Empfang gehen und dabei möglicherweise mit ungeschützten Patienten, Personal oder Besuchern in Kontakt kommen, stehen rund um das Spital und bei allen Eingängen Plakate. Stopp, mahnt eine weisse Hand auf einem roten Schild. «Sind Sie wegen einer Corona-Abklärung bei uns?», steht daneben. Falls ja, so solle man sich direkt zum Notfall begeben, wo weiter informiert werde.

Das Virus stelle eine personelle Herausforderung dar, sagt Spitaldirektor Thomas Brack. «Wir mussten gewissermassen eine eigenständige Corona-Abteilung aufbauen, die abgetrennt und unabhängig vom normalen Spitalalltag betrieben wird.» Inzwischen ist diese spezielle Abteilung längst funktionstüchtig und eingerichtet. Die entsprechenden Konzepte lagen natürlich bereit. Sie basieren auch auf den Erfahrungen von früheren Viren, wie Roberto Buonomano, Leiter Infektiologie und Spitalhygiene, erklärt. «Wir befinden uns jetzt aber in einem neuen Haus, im Limmi-Neubau sind deshalb einige Abläufe neu für uns.»

Die Corona-Abklärung findet in der Notfallstation statt. Deren Haupteingang sei dabei weiterhin für die nicht virenbedingten Notfälle gedacht, sagt Rita Sager-Dübendorfer, die Leitende Ärztin des Instituts für Klinische Notfallmedizin. Wer wegen eines Corona-Verdachtsfalles eintrifft, für den sei eine Türe weiter die Abklärungsstelle eingerichtet worden. «Die Wege müssen sich strikte trennen.» Aus diesem Grund steht neu auch ein Toi-Toi-WC im Freien; dieses steht einzig den Personen, die sich wegen des Virus untersuchen lassen, zur Verfügung.

Die eigentliche Corona-Abklärung findet in der Halle bei der Notfallstation statt, in der normalerweise zwei Sanitätsfahrzeuge halten können, um Patienten auszuladen. Weisse und blaue mannshohe Trennwände unterteilen die nüchterne Halle in verschiedene Bereiche. Es gibt zunächst eine Wartezone mit grauen Plastikstühlen, welcher die Patientenaufnahme und eine Zone für ärztliche Untersuchungen folgen. In der anderen Hälfte der Halle sind vier Kojen eingerichtet, in denen der Rachenabstrich genommen wird.

Manchmal ist etwas Geduld gefragt

«Wer keine schweren Symptome aufweist, kehrt nach der Untersuchung nach Hause zurück», sagt Rita Sager. Dort gelte es dann, auf das Resultat aus dem Labor zu warten. «Das kann im besten Fall vier Stunden dauern. Das Ergebnis kann aber auch, wenn die Probe beispielsweise am späten Nachmittag genommen wird, erst am nächsten Tag eintreffen.» In vielen Fällen sei die Ungeduld natürlich gross, sagt die Leitende Ärztin der Notfallstation. «Dennoch sollten uns diese Personen nicht stündlich anrufen, um nach dem Resultat zu fragen.» Sobald eine Auswertung vorliege, melde sich das Spital von sich aus. «Wer ständig anruft, bindet nur unsere Ressourcen.»

Diese sind gerade in der Notfallstation, die daneben nun auch die Corona-Abteilung betreibt, nicht im Übermass vorhanden. Damit der Betrieb möglich ist, helfen einerseits andere Spitalabteilungen aus, andererseits arbeiten alle Mitarbeiter aus dem Notfallteam derzeit etwas mehr, wie Rita Sager erklärt. Zudem hat das Limmi nun weitere Unterstützung erhalten; vier Schlieremer Zivilschützer, um die das Spital am Dienstag ersucht hat, stehen seit gestern Mittwoch im Einsatz. «Die Zivilschützer informieren unter anderem Ankommende, wie sie sich zu verhalten haben, und zeigen ihnen die richtigen Eingänge», erklärt Spitaldirektor Brack.

Die Spitalverantwortlichen rufen Personen, die eine Corona-Ansteckung befürchten, auf, nicht unangemeldet am Limmi vorzusprechen. Dies einerseits aus praktischen Gründen: «Es lassen sich Wartezeiten im Freien reduzieren, wenn wir die Patienten über den Tag verteilt zu uns bitten können», sagt Rita Sager. Andererseits auch aus Kapazitätsgründen: «Es sollen nur echte Verdachtsfälle abgeklärt werden», sagt Infektionsspezialist Roberto Buonomano.

Er stellt eine gewisse Verunsicherung in der Bevölkerung fest. Es gebe Vorgesetzte, die würden ihre Angestellten zum Arzt schicken, weil diese im Flugzeug über Italien hinweggeflogen seien. «Bei allgemeinen Fragen oder Unsicherheiten soll man sich an die Hotline des Bundesamtes für Gesundheit oder das Ärztefon wenden; und bei Symptomen soll man, bevor man sich auf den Weg ins Spital macht, auf jeden Fall zuerst telefonisch an den Hausarzt oder eine andere ärztliche Stelle gelangen.» Dort werde mit einer kurzen Befragung geklärt, ob wirklich ein möglicher Verdachtsfall vorliegt oder nicht. Anschliessend werde auch die Fahrt ins Spital geplant. Denn: «Es ist nicht sinnvoll, wenn wir im Spital eine abgetrennte Corona-Abteilung aufbauen, Patienten aber mit Bus oder Taxi anreisen und dabei möglicherweise andere Personen anstecken», sagt Buonomano.

Als grosse Herausforderung für das Spital Limmattal gilt derzeit vor allem die ungewisse und rasche Entwicklung, wie Brack, Sager und Buonomano sagen. So würden sich die Vorgaben, die unter anderem der Bund macht, immer wieder ändern. «Da müssen wir laufend die Informationen zusammentragen und entsprechend reagieren», sagt Spitaldirektor Brack.

Aus diesem Grund wurde eine spezielle Virus-Taskforce eingesetzt, die sich derzeit fast täglich trifft. Diese hat unter anderem interne Veranstaltungen– etwa ein Bewohnerfest im Pflegeheim – abgesagt. Das Limmi ist eines von neun Zürcher Spitälern, das von der kantonalen Gesundheitsdirektion als Ab­klärungsspital für Corona-Verdachtsfälle bestimmt wurde.

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