Vegetarische Fleischvögel, eine Unterkunft im original nachgebauten Rheintaler Schafstall und ein Busunternehmer, der Senioren nach Einsiedeln fährt - Betty Böhni, die perfekte Fehlbesetzung in der Chefetage der Strittmatter AG, bringt alles herrlich durcheinander. Die Organisation des Betriebsausflugs gerät zum absoluten Fiasko. Am ersten Abend des ComedyHerbst in Schlieren gibt es für die überforderte Bürolistin wenig, für das Publikum dafür umso mehr zu lachen.

Die Basler Komödiantin und Schauspielerin Anet Corti lässt kein Klischee der Bürowelt aus. Sie verpackt Wortwitz, Gesang und Tanz in eine aberwitzige Geschichte über den Alltag in der Firma Strittmatter AG, wo ihre Bühnenfigur Betty Böhni eine Stelle als «Junior Sales Assistant» gefunden hat.

Corti schlüpft mühelos in die drei Rollen ihrer Büro-Prototypen. Mit einem piepsigen Baslerstimmchen mimt sie die verschupfte, tollpatschige Betty Böhni, die dem modernen Büroalltag mit seinen Tücken und Intrigen nicht gewachsen ist. Das Headset auf und schon wird Corti zur resoluten, knallharten St.Galler Empfangsdame. Diese weiss über alle alles und hat den Laden fest im Griff.
Bleibt die Rolle des «Enfant terrible».

Die französische Praktikantin möchte eigentlich lieber Sängerin werden. Sie findet sich viel zu cool für den Bürojob und steckt einen Brief für die Buchhaltung lieber in den Aktenvernichter, als dass sie in den 5. Stock hinaufsteigen würde. Mit Pelzstiefeletten und kurzem Röckchen ist sie das pure Gegenteil der biederen Betty.
Aber Betty kann auch anders: Wenn sie mit einem imaginären Freund abrechnet, wird sie zur Furie. Und nach einer Fernlektion Chinesisch schreckt sie auch vor einer Kung Fu Tanzeinlage nicht zurück.

Anet Corti kalauert, dass sich die Balken biegen. Zwischen den Szenen präsentiert sie auf einer Leinwand wertvolle Fakten zu Büro und Arbeit. So weiss man nach diesem Abend, dass ein Berufstätiger in seinem Berufsleben wegen Papierstau durchschnittlich 147 Tage vor dem Drucker wartet und 13 Badewannen Kaffee trinkt.

Albert Schweizer, Standortförderer in der Stadtverwaltung Schlieren, ist zufrieden. «Der Abend ist ausverkauft. Das ist ein guter Start», sagt er. Mit dem ComedyHerbst wolle man erreichen, dass Schlieren als eine Destination wahrgenommen werde, wo man nicht nur durchfahren, sondern auch anhalten und verweilen könne.

Stadtrat Robert Welti dankt in seiner Begrüssung allen aktiven und mutigen Leuten, die diesen Anlass auf die Beine gestellt haben. Er wünscht dem Organisationskomitee für die nächsten fünf Jahre viel Erfolg und fügt mit einem Augenzwinkern an: «Danach gibt es hier kein Comedyzelt mehr, dann fährt nämlich hier die Limmattalbahn durch.»

Im Büro der Firma Strittmatter wird am Ende alles gut: Die Chinesen übernehmen die Firma. Betty Böhni darf jeden Morgen vorturnen und die Telefonistin hat weiterhin alles im Griff - auf Chinesisch. Die beiden Urdorfer Besucherinnen Nelly Kraushaar und Elisabeth Breitenmoser sind froh, dass sie nicht mehr im Büro arbeiten müssen. «Wir konnten uns doppelt amüsieren», lacht Nelly Kraushaar. Die beiden freuen sich über diesen Anlass in Schlieren: «Wenn in der Region etwas angeboten wird, muss man doch hingehen», meint Nelly Kraushaar und sagt: «Tiptop war es! Wir kommen wieder.»