Unterengstringen

Charles Egli: «Einmal fiel der Böögg vom Holzstoss»

Charles Egli ist Holz- und Feuermeister in der Mittefastenkommission. Er schaut, dass genügend Holz in der richtigen Länge fürs Bööggverbrennen am Frühjahrs-Dorffest gesammelt wird.

Schnee und Kälte konnten die Unterengstringer nicht zu Hause halten. Rund 70 Freiwillige, darunter etwa 30 Kinder, hatten sich an der Bergstrasse bei der «Dicken Berta» versammelt. Holzsammeln für Mittefasten war angesagt, das dieses Wochenende über die Bühne geht. «Es ist das grösste Fest in unserer Gemeinde», sagte Charles Egli, der 1977 als Holz- und Feuermeister in die Mittefastenkommission gewählt wurde. Sie besteht aus verschiedenen Meistern und wurde in ihrer heutigen Form in den 1960er Jahren gegründet. Zuvor lag die Organisation des Fests in den Händen der Knabenschaft, weshalb es heute immer noch Männer sind, die zu einem Meisteramt ernannt werden.

Tritt ein Meister zurück, wird er zum Altmeister. «Das Holzsammeln habe ich als Gemeindepräsident 1970 ins Leben gerufen», sagte Altmeister Jakob Meier. Zuvor hätten Bauern und Nonnen des Klosters Fahr das Holz fürs Mittefasten vorbereitet. Aufgrund des Bauernschwunds hat Meier das gesellige Holzsammeln mit der Bevölkerung eine Woche vor dem Fest und am Fest selbst eingeführt.

Lichterschwemmen und Bööggverbrennen

Mittefasten geht zurück auf einen heidnischen Brauch, bei dem der Winter mit einem Fest ausgetrieben werden sollte. Die Kirche integrierte den Brauch ins Kirchenjahr. So feiern die Unterengstringer jeweils drei Wochen vor Ostern Mittefasten. Wichtige Brauchtumselemente sind das Lichterschwemmen und das Bööggverbrennen. Beim Lichterschwemmen passiert ein Feuerschiff, bestehend aus einer Holzkiste mit gut brennendem Holz, die Engstringer Brücke. Damit werden die Flussgeister für ein gutes Jahr beschwört. Der Höhepunkt bildet jeweils das Verbrennen des Bööggs, der auf einem sechs Meter hohen Holzstoss steht.

Im Jahr 2001 blies der Wind so stark, dass die Flammen seitwärts statt aufwärts zum Böög gingen. «Der Böögg konnte noch das Feuerwerk geniessen. Das Schlimmste aber war, als der Böögg einmal vom Holzstoss fiel, weil die Mitte des Holzstosses durch die Stabilisierungstechnik der Pfosten zu viel Gewicht bekam», erinnerte sich Egli. Seine Aufgabe sei, zu schauen, dass genügend Holz in der richtigen Länge gesammelt wird und beim Fest selbst leitet er das Aufschichten des Holzstosses an.

Neuerung beim Holz

Dass ein uralter Brauch wie Mittefasten flexibel gelebt werden muss, zeigte sich auch beim Holzsammeln. «Eine Neuerung ist dieses Jahr, dass wir nicht nur 2,2 Meter lange Tannenreisig sammeln, sondern auch halb so lange und zu Holzbürdeli bündeln», sagte Egli. Dieses Jahr hat der Sturm Burglind im Gubristwald im Sparrenberger Hau einige Tannenäste hinterlassen. Zudem hatte der zuständige Förster Peter Rieser in Absprache mit Egli etwas Holzschlag betrieben.

Als Vorlage für die richtige Länge dienten vorbereitete Latten. Mit Säge und Gertel bereitete man das Holz so vor, damit die Äste mit Draht zu Holzbürdeli gebündelt werden konnten. Für das Schneiden und Ösenwinden des Drahts vor Ort waren Altmeister Willy Haderer, Obermeister Dieter Meier und Feuerwerksmeister Daniel Schwab zuständig.

Gute Stimmung

Die Stimmung im Wald war an diesem Samstag gut. Emsig sammelte und bündelte man Tannenreisig. Auch Gemeinderat Marcel Balmer packte mit an. Für das Aufladen der Holzbürdeli auf den Anhänger war Pulvermeister Michael Egli verantwortlich. Er wird einmal das Amt seines Vaters Charles Egli übernehmen. Doch beim Holzsammeln hatte Charles Egli keine Zeit, um ans Aufhören zu denken. Mit viel Umsicht beobachtete und griff er ins Geschehen ein: «Kann ich dir einen Tipp geben? Das Bürdeli soll nur so schwer werden, dass du es immer noch selbst heben kannst.» Dann wiederum sagte der Holz- und Feuermeister: «Schau, dass das Bürdeli keine gespreizten Beine hat». Denn diese würden sich mit den anderen Bürdeli verheddern und das Aufschichten des Holzstosses erschweren.

«Mit Charly Egli kann man es nur gut haben. Zudem kennt er sich als ehemaliger Werkhofleiter in der Materie bestens aus», schwärmte Informationsmeister Christian Haderer beim anschliessenden Holzerzvieri. Trotzdem tritt der 69-jährige Egli seit letztem Jahr etwas kürzer, so steht er nicht mehr hoch oben auf dem Holzstoss beim Aufschichten, sondern leitet die Arbeiten nur noch von unten an. Oben stehen zwei andere Männer, einer davon ist sein Sohn Michael.

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