Wenn es um die die Betreuung und Integration von Flüchtlingen geht, erweist sich die Reformierte Kirchgemeinde Dietikon schon länger als sehr rührig. Seit einer Woche gibt es jetzt ein weiteres Angebot: das «Café Mitenand» im Kirchgemeindehaus in der Poststrasse. Jeweils donnerstags zwischen 14 und 17 Uhr kann man dort bei Kaffee und Kuchen mit Menschen ins Gespräch kommen, spielen und eine gute Zeit verbringen. Sozialdiakon Daniel Gerber, der Organisator, zeigte sich schon nach dem ersten Termin am letzten Donnerstag erfreut: «Wir sind sehr gut gestartet und durften im Verlaufe des Nachmittages rund 20 Gäste begrüssen. Es war, wie erhofft, ein gemischtes Publikum: Senioren, Flüchtlinge, Schweizer, Migranten, Sozialhilfebezüger und Kirchgänger.» Die anwesenden Flüchtlinge stammten aus Afghanistan, dem Irak und Eritrea. Man plauderte bei Kaffee und Kuchen, hatte Spass bei Pingpong, Töggelen und Gesellschaftsspielen und nutzte die Zeit, sich kennen zu lernen. Finanziert wird das Angebot von der Kirchgemeinde.

Gemischte Töggeler-Teams

«Die Flüchtlinge freuten sich darüber, dass sie deutsche Konversation üben konnten», so Gerber. Die meisten hätten Sprachunterricht, aber wenig Gelegenheit, die neuen Kenntnisse auszuprobieren. Es falle ihnen schwer, von der Zivilschutzanlage aus, in der einige von ihnen untergebracht sind, in Kontakt mit Schweizern zu kommen. «Mit dem ‹Café Mitenand› haben wir jetzt ein niederschwelliges Angebot geschaffen», sagt Gerber. Dass beim Spielen die Sprache oft gar nicht wichtig ist, fördert die unkomplizierte Kontaktaufnahme noch zusätzlich. Gerber berichtete von gemischten Besetzungen am Töggeli-Kasten; von wem die Initiative dazu ausging, sei zweitrangig.

Die Leitung des Angebots liegt in Händen der Kaffeetreffleiterin der Kirchgemeinde, Corinne Gilg. Sie ist es auch, die die Kuchen backt, die dann für einen Franken das Stück verkauft werden. Auch Kaffee und Getränke kosten jeweils einen Franken. Da auch zwei Mütter, eine Flüchtlings- und eine Schweizer Mutter, mit ihren Kindern gekommen waren, wird ab dem nächsten Treff eine kleine Spielzeugecke eingerichtet. Sozialdiakon Gerber freute sich sehr, dass auch Sozialhilfebezüger den Weg ins Café gefunden haben. Er hatte bei seiner Sozialberatung kräftig die Werbetrommel für den Anlass gerührt. Der Flyer hängt zudem in allen Dietiker Kirchen aus. Die 190 Dietiker Flüchtlinge wurden von der Kirche durch die ORS AG (Organisation für Regie- und Spezialaufträge), an die die Flüchtlingsbetreuung ausgelagert ist, eingeladen. Alle erhielten auch noch einen Gutschein für ein Getränk und ein Stück Kuchen.

Die Rückmeldungen nach dem Anlass waren durchweg positiv, es sei «eine lässige Sache mit guter Atmosphäre gewesen», äusserte man sich gegenüber Gerber. «Man liest so viel Kritisches in den Medien über Flüchtlinge», sagt er. «Wenn man sich dann direkt begegnet und kennen lernt, sieht die Sache schon anders aus.» Noch mehr Gelegenheit wird es bei einem weiteren Angebot geben, dessen Start Diakon Gerber für Mitte September plant. Er bemüht sich derzeit um eine Sporthalle, in der die jugendlichen Flüchtlinge in der kalten Jahreszeit Ballsport ausüben können und dabei hoffentlich in Kontakt mit Schweizern kommen.

Wann und wo? Das «Café Mitenand» findet donnerstags von 14 bis 17 Uhr im Kirchgemeindehaus, Poststrasse 50 statt. Nächster Termin: Heute.