Pils-Verbot
Bundesrätin Sommaruga wird Zwangsmitglied des Zürcher Vereins für Biervielfalt

Ein Zürcher Verein fordert auf unorthodoxe Art vom Bundesrat, dass in der Schweiz die Herstellung von Pils nicht mehr länger verboten ist.

Michael Wenzler
Merken
Drucken
Teilen
In der Schweiz darf kein Pils hergestellt werden. Das soll sich ändern.

In der Schweiz darf kein Pils hergestellt werden. Das soll sich ändern.

Keystone

Es klingt nach einer Bieridee, aber dahinter steckt ein seriöses Anliegen. Die Gesellschaft zur Förderung der Biervielfalt (GFB) hat Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP) zu ihrem Zwangsmitglied ernannt. Diese zweifelhafte Ehre wird ihr deshalb zuteil, weil der Bundesrat im Schweizer Handel nur «Pils» aus Tschechien zulassen will, nicht aber hierzulande gebrautes Bier unter demselben Namen. Die Justizministerin vertritt die ablehnende Haltung im Namen des Gesamtbundesrats.

Die GFB stört sich daran, weil dies die Biervielfalt im Land einschränke. Die Bezeichnung «Pils» oder «Pilsner Art» sei international gebräuchlich, und auch in der Schweiz würden viele Brauereien das hopfig gebraute helle Bier herstellen, heisst es in einer Medienmitteilung. Nur dürften sie dies nicht sagen und schon gar nicht auf der Etikette deklarieren.

Käse gegen Bier

Hartmuth Attenhofer, Generalsekretär der GFB, berichtet von einem Brauer, der dies trotzdem getan hat. «Er musste auf der Etikette das Wort ‹Pils› mit einem schwarzen Filzstift durchstreichen.» Hintergrund für diese strenge Regel ist ein Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Tschechien. Die Eidgenossenschaft garantiert dem Handelspartner, dass hierzulande nur «echtes» Pils zugelassen wird. Im Gegenzug darf in Tschechien nur Emmentaler aus der Schweiz verkauft werden.

Nicht nur Attenhofer, sondern auch CVP-Nationalrat Alois Gmür findet das einen Käse. Der Braumeister aus Einsiedeln, Mitglied in der GFB, regt per Postulat die Aufhebung des Staatsvertrags an und stösst damit beim Bundesrat auf taube Ohren. Deshalb erhält Sommaruga nun stellvertretend für die Regierung eine symbolische Strafe, eben die Zwangsmitgliedschaft in der Gesellschaft für Biervielfalt.

Attenhofer – er war 18 Jahre lang Zürcher SP-Kantonsrat und sechs Jahre Statthalter von Zürich – hofft, dass dies seine Parteigenossin umstimmt. Vielleicht gelingt dies ja, denn eine Zwangsmitgliedschaft ist keine erfreuliche Sache. Sie beinhaltet keinerlei Rechte, sondern nur Pflichten – namentlich die Entrichtung eines Mitgliederbeitrags von 40 Franken. Den Mitgliederausweis und die Rechnung hat Sommaruga bereits per Post erhalten. «Jetzt werden wir sehen, wie sie darauf reagiert», sagt Attenhofer.

Falls keine Antwort kommt und der Beitrag nicht bezahlt wird, verschickt er eine Mahnung. Das war in der 25-jährigen Geschichte des Vereins schon einmal nötig, bei Sepp Blatter. Der damalige Fifa-Präsident war im Vorfeld der WM 2006 zum Zwangsmitglied ernannt worden, weil er einen Exklusivertrag mit einer US-Grossbrauerei genehmigt hatte. Blatter nahm die Mahnung offenbar bierernst. Er habe sich beim Rechtsdienst erkundigt, ob man ihn denn zu der Mitgliedschaft zwingen könne, erzählt Attenhofer.

Gnade für Eidgenossenschaft

Mit solchen Aktionen geht es dem Verein natürlich nicht um die zwanghafte Rekrutierung neuer Mitglieder, sondern um die öffentliche Wahrnehmung. Würde er dabei bis aufs Äusserste gehen und die säumige Sommaruga betreiben? «Ach was, wo denken Sie hin», sagt Attenhofer. «Wir wollen doch die Eidgenossenschaft nicht in den Konkurs treiben.»