Winterthur
Bundesanwaltschaft verhaftet einen Drahtzieher der Winterthurer Salafisten-Szene

Konvertit S. wurde verhaftet und damit eine wichtige Person aus der Winterthurer Salafisten-Szene. Er gilt als Emir von Winterthur. Die Bundesanwaltschaft hält ihn für einen Drahtzieher.

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Salafisten verschenken den Koran. Auch an der Bahnhofstrasse in Zürich oder in Winterthur. Der verhaftete S. soll enge Kontakte zur Führung von "Lies!" unterhalten haben. KEYSTONE

Salafisten verschenken den Koran. Auch an der Bahnhofstrasse in Zürich oder in Winterthur. Der verhaftete S. soll enge Kontakte zur Führung von "Lies!" unterhalten haben. KEYSTONE

Was spielt sich eigentlich in Winterthur ab? Die Bundesanwaltschaft hat nun die Möglichkeit, Licht ins Dunkel zu bringen. Wie die SRF-Sendung "Rundschau" am Dienstagabend publik machte, hat die Bundesanwaltschaft den Konvertiten S. verhaftet. Er soll eine wichtige Figur der Salafisten-Szene von Winterthur sein.

Was S. konkret vorgeworfen wird, will die Bundesanwaltschaft nicht bekannt geben. Sie nahm wegen der laufenden Ermittlungen keine Stellung zur "Rundschau"-Sendung. Diese verwies darauf, dass für S. die Unschuldsvermutung gelte. Laut SRF stehen der Verdacht auf Unterstützung und Mitgliedschaft in einer Terror-Organisation im Raum. Gemeint ist damit wohl die Terrormiliz Islamischer Staat.

S. befinde sich seit Wochen im Regionalgefängis in Bern in Untersuchungshaft. Diese sei kürzlich verlängert worden, weil Verdunkelungsgefahr bestehe.

Reporter Kurt Pelda beobachtete S. für die "Rundschau" seit mehr als einem Jahr. Seine Recherchen zeigten dass der Konvertit mehr war als ein Besucher der An' Nur-Moschee in Winterthur. SRF schreibt auf seiner Newsseite, dass er "eine Respektsperson für Jugendliche im Radikalisierungsprozess" gewesen sei.

S. habe Zugang zu den innersten Räumen des Gebetshauses gehabt und habe in Kontakt gestanden mit den Imamen Amine I. Shefik S. und zum Teil auch Atia E.. Nach dem Gebet habe S. jeweils vor der Moschee mit Jugendlichen Handy-Videos mit islamistischen Gesängen des IS angesehen.

Kontakte mit Jugendliche hätten auch in anderen Einrichtungen bestanden, etwa in Fitnesszentren und Kampfsporträumen. Dazu zählt etwa der Kampfsportclub (MMA-Sunna-Gym) von Valdet Gashi, der später beim IS in Syrien verschwand. Gemäss SRF zusammen mit zwei weiteren seiner Gym-Besucher.

Schliesslich habe S. Kontakte mit der Koran-Verteilaktion "Lies!" des deutsch-palästinensischen Salafisten Abou Nagie gehabt. S. habe an der Zürcher Bahnhofstrasse selbst Korane verteilt. Aus diesem Umfeld sind gemäss SRF mindestens zwei Winterthurer und ein Arboner nach Syrien in den Dschihad gereist.