Mein Ding: Trycheln

Bruno Kuhny: «Wenn ich die Vibrationen spüre, bekomme ich Hühnerhaut»

Bruno Kuhny präsentiert im Sennechutteli seine Trychel.

Bruno Kuhny präsentiert im Sennechutteli seine Trychel.

Bruno Kuhny ist leidenschaftlicher Trychler und seit 25 Jahren Mitglied der Trychlergruppe Dietikon. Die geheimnisvolle Atmosphäre des Chlauseinzugs hat ihn sofort gepackt.

Seit Menschengedenken wird nördlich der Alpen getrychelt. In den Nächten um Neujahr hallen scheppernde Glockenklänge durch die winterlichen Ortschaften der Zentralschweiz. Dem Mythos nach soll das die bösen Geister vertreiben. 1989 brachte eine Gruppe Heimweh-Innerschweizer den alemannischen Brauch ins Limmattal. Erstmals zogen damals Trychler im Gefolge des Samichlaus in Dietikon ein.

Bruno Kuhny kam 1993 mit seiner hochschwangeren Frau nach Dietikon, nachdem er sich in der Limmatstadt erfolgreich um eine Hauswartsstelle beworben hatte. Nach der Geburt seiner Tochter nahm er als Zuschauer am Chlauseinzug teil. Als er die Trychler mit ihren Kapuzen durch die dunklen Strassen laufen sah, kam in ihm der Wunsch auf, selber Trychler zu werden.

Geheimnisvolle Atmosphäre

«Der Chlauseinzug in Dietikon ist der schönste Trychlerumzug im Limmattal», sagt der gebürtige Basler. Die geheimnisvolle Atmosphäre habe ihn sofort gepackt. Er trat kurz darauf der 1991 gegründeten Trychlergruppe Dietikon bei. Dass der 55-Jährige ausgerechnet an seinem Lieblingsumzug nicht selber trychelt, sondern eine zwei Meter hohe Basler-Fasnachts-Laterne trägt, erklärt er damit, dass auch er etwas Tradition aus seiner Heimatstadt habe nach Dietikon bringen wollen.

Trotzdem hat der Dietiker in den 25 Jahren schon an vielen Trychlerumzügen teilgenommen. Dass Trychler oft eher ernst dreinschauen, führt er auf das Gewicht der grossen Glocken zurück. «Je länger ein Umzug dauert, umso weniger ist einem zum Lachen», sagt Kuhny. Der längste Umzug, den er je erlebt habe, sei in Stuttgart am Cannstatter Volksfest gewesen und habe zwei Stunden gedauert. «Ich bin aber jemand, der eigentlich immer lacht.»

Bloss nicht aus dem Takt fallen

Am Trycheln gefällt dem Familienvater besonders das Miteinander der Klänge und Menschen. «Wenn ich die Vibrationen der urtümlichen Klänge spüre, bekomme ich Hühnerhaut», sagt er. Trycheln sei mehr als das Schwenken einer Trychel. «Man muss sich echt konzentrieren», sagt er. Wenn nicht alle im Gleichschritt gingen, dann falle das Gebimmel aus dem Rhythmus. Die Trychler richten sich deshalb immer am Flügelmann vorne rechts aus. Kuhny läuft in der Dreierkolonne vorne links, wo besondere Konzentration gefragt ist.

Wenn Kuhny gerade nicht trychelt, hängt seine Trychel prominent in der Wohnstube. Sie wiegt zehn Kilogramm und kostet etwa 1000 Franken. Auf ihr ist Kuhnys Name eingraviert und am Riemen das Familienwappen aufgestickt: Drei Herzchen auf blauem Streifen über gelbem Grund. Erworben hat er sie bei einem Glockenhändler in Siebnen. Im Unterschied zu den kleineren Schellen, die gegossen werden, bestehen Trycheln aus gehämmertem Blech. Dadurch erhalten sie ihren charakteristischen, klimpernden Klang. «Trycheln produzieren entweder einen hellen oder einen dunklen Ton», sagt Kuhny. Sie würden aber nicht auf einen bestimmten Ton in der Tonleiter gestimmt. Seine klingt hell.

Zum Ehrentrychler ernannt

Neben dem Chlauseinzug gilt die Chalä Chilbi im August als Highlight im Jahr der rund fünfzig Dietiker Trychler. Chalä bezeichnet den freischwingenden Klöppel. An dem Abend auf dem Bauernhof Keller amtet Kuhny seit vielen Jahren als Chef der Festwirtschaft. Für seine unermüdlichen Dienste wurde er nun von der Trychlergruppe zum Ehrentrychler ernannt. «Ich fehle selten an einem Anlass», sagt Kuhny. Er sei ein Vereinsmensch und kenne im Limmattal inzwischen mehr Leute als in seiner Heimatstadt.

Der Trychler will seiner Passion auch in Zukunft nachgehen. «Das ist eine gute Sache», sagt er und fügt an: «Unser ältestes Mitglied ist 86 und er trychelt immer noch».

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