Schlieren
Briefzentrum erhält Solaranlage von der Grösse eines Fussballfeldes

Die Post errichtet auf dem Briefzentrum in Mülligen eine Photovoltaik-Anlage. Das Baumaterial wird per Helikopter auf das Dach transportiert.

Florian Niederman
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So kommt das Material für die Photovoltaikanlage auf das Dach des Briefzentrums in Mülligen.
6 Bilder
2. Anschliessend fliegt sie ein Helikopter an ihren Bestimmungsortauf dem grössten freistehenden Gebäude der Schweiz
3. Rund 90 Sekunden dauert ein solcher Transportflug vom Materiallager zum Dach und wieder zurück
4. Das Briefzentrum der Schweizerischen Post von oben
5. Auf den tieferliegenden Stellen des Dachs kommt die Photovoltaikanlage dereinst zu stehen
6. Bis dahin wird der Pilot Max Hagenbucher noch einige male zwischen dem Materiallager und dem Dach hin und her fliegen müssen

So kommt das Material für die Photovoltaikanlage auf das Dach des Briefzentrums in Mülligen.

Florian Niedermann

Ein kurzer Ruck, dann steigt der Helikopter sanft in die Höhe dem Herbsthimmel entgegen. Die Freiheit des Fliegens wird spürbar. Der Flug führt über das Dach des grössten frei stehenden Gebäudes der Schweiz, dem Briefzentrum der Post in Mülligen. Doch schon nach wenigen Sekunden macht der Pilot Max Hagenbucher kehrt und fliegt wieder zum Ausgangspunkt zurück.

Dort angekommen, hängen die Arbeiter am Boden die nächste Ladung Baumaterial für die Photovoltaikanlage an das Lastseil des Helikopters, bevor Hagenbucher auch diese Ladung auf das Dach des Briefzentrums transportiert.

Die Solaranlage, die hier entsteht, hat eine Fläche von 8000 Quadratmetern und ist grösser als ein Fussballfeld. Sie ist damit eine der grössten dieser Art in der Schweiz. Noch vor Jahresende wird man damit Energie gewinnen können. Die Photovoltaikanlage wird jährlich rund 1300 Megawattstunden Strom erzeugen. Das entspricht dem Energiebedarf von 370 Haushaltungen.

Umstieg auf erneuerbare Energie

Zwar könne nicht der gesamte Strombedarf des Briefzentrums durch die Photovoltaikanlage abgedeckt werden, erklärt Zentrumsleiter Robert Imholz. Den Rest beziehe man aus einem Energieverbund, der aus erneuerbaren Energiequellen gespeist werde. «Mich freut es, dass ein Zentrum, worin jährlich bis zu 8 Millionen Briefpostsendungen abgewickelt werden, nur noch mit erneuerbarer Energie betrieben werden kann», so Imholz.

Gesamthaft wird die Post über 20 Postgebäude mit Photovoltaikanlagen ausrüsten und damit über 6600 Megawattstunden sauberen Strom produzieren. Die Energiestrategie der Schweizerischen Post ist es, ihren gesamten Strombedarf mit erneuerbaren Energien aus der Schweiz abzudecken. Doch wieso setzt man beim Transport auf einen Helikopter, wenn man sich die Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben hat? «Der Betrieb des Briefzentrums darf durch den Transport nicht beeinträchtigt werden», sagt Imholz. Deshalb habe man sich schliesslich für den Helikopter entscheiden müssen.

Rund 100 mal 90 Sekunden

Und so fliegt Max Hagenbucher rund 100 Mal täglich die Strecke zwischen dem Materiallager und dem Dach des Briefzentrums. Ein Flug hin und zurück dauert rund 90 Sekunden. Für ihn sei es speziell, hier zu arbeiten, erklärt Hagenbucher. Er sei in Altstetten aufgewachsen. «Auf diesem Areal habe ich als Kind schon an Grümpelturnieren Fussball gespielt.»

Anwohner um den Schlaf gebracht

Nicht nur auf dem Dach der Post Mülligen wird gebaut. Um das Gebäude herum führt die Baufirma Locher im Auftrag der Post derzeit Belagsarbeiten aus. Diese Baustelle sorgt im Quartier für rote Köpfe. Anwohnerin und Stadtparlamentarierin Gaby Niederer (QV) beschwerte sich in der Parlamentssitzung von Montag darüber, dass die Stadt eine Nachtbaubewilligung für diese Baustelle mitten in einem Wohnquartier ausgesprochen hat. Am Samstag, den 20. Oktober, sei zwischen 22.30 Uhr und morgens um 2 Uhr mit Baumaschinen gearbeitet worden, sodass viele Anwohner nicht schlafen konnten, erklärte sie. Als sie den zuständigen Bauleiter angesprochen habe, erklärte er, dass man mit den Bauarbeiten erst um 14 Uhr begonnen habe, um den Betrieb der Post nicht zu stören. Als Niederer die Kantonspolizei auf die Lärmbelästigung hinwies, erklärte man ihr, dass man nichts machen könne, da eine Bewilligung vorhanden sei. Dies ist laut Sicherheitsvorstand Markus Bärtschiger (SP) allerdings nicht korrekt: «Am fraglichen Samstag bestand vonseiten der Stadt Schlieren lediglich eine Baubewilligung bis 19 Uhr.» Gegen die Baufirma laufe deshalb ein Verfahren wegen Übertretung des kommunalen Strafrechts. Laut Post-Pressesprecher Bernhard Bürki sind für das übernächste Wochenende wieder nächtliche Bauarbeiten geplant: «Die Firma Locher wird sich diesmal aber um eine korrekte Bewilligung kümmern.» Ob die Stadt Nachtarbeiten dann zulassen wird, konnte Bärtschiger noch nicht sagen: «Bisher ist noch kein Gesuch eingegangen. Ausschlaggebend ist für uns die Begründung für die Notwendigkeit nächtlicher Bauarbeiten», erklärt er. Für Niederer wäre eine Bewilligung durch die Stadt unverständlich: «Ich kann nicht nachvollziehen, wie man eine Bewilligung für eine Baustelle neben einem Wohnquartier aussprechen kann.» (fni)