Ein kurzer Ruck, dann steigt der Helikopter sanft in die Höhe dem Herbsthimmel entgegen. Die Freiheit des Fliegens wird spürbar. Der Flug führt über das Dach des grössten frei stehenden Gebäudes der Schweiz, dem Briefzentrum der Post in Mülligen. Doch schon nach wenigen Sekunden macht der Pilot Max Hagenbucher kehrt und fliegt wieder zum Ausgangspunkt zurück.

Dort angekommen, hängen die Arbeiter am Boden die nächste Ladung Baumaterial für die Photovoltaikanlage an das Lastseil des Helikopters, bevor Hagenbucher auch diese Ladung auf das Dach des Briefzentrums transportiert.

Die Solaranlage, die hier entsteht, hat eine Fläche von 8000 Quadratmetern und ist grösser als ein Fussballfeld. Sie ist damit eine der grössten dieser Art in der Schweiz. Noch vor Jahresende wird man damit Energie gewinnen können. Die Photovoltaikanlage wird jährlich rund 1300 Megawattstunden Strom erzeugen. Das entspricht dem Energiebedarf von 370 Haushaltungen.

Umstieg auf erneuerbare Energie

Zwar könne nicht der gesamte Strombedarf des Briefzentrums durch die Photovoltaikanlage abgedeckt werden, erklärt Zentrumsleiter Robert Imholz. Den Rest beziehe man aus einem Energieverbund, der aus erneuerbaren Energiequellen gespeist werde. «Mich freut es, dass ein Zentrum, worin jährlich bis zu 8 Millionen Briefpostsendungen abgewickelt werden, nur noch mit erneuerbarer Energie betrieben werden kann», so Imholz.

Gesamthaft wird die Post über 20 Postgebäude mit Photovoltaikanlagen ausrüsten und damit über 6600 Megawattstunden sauberen Strom produzieren. Die Energiestrategie der Schweizerischen Post ist es, ihren gesamten Strombedarf mit erneuerbaren Energien aus der Schweiz abzudecken. Doch wieso setzt man beim Transport auf einen Helikopter, wenn man sich die Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben hat? «Der Betrieb des Briefzentrums darf durch den Transport nicht beeinträchtigt werden», sagt Imholz. Deshalb habe man sich schliesslich für den Helikopter entscheiden müssen.

Rund 100 mal 90 Sekunden

Und so fliegt Max Hagenbucher rund 100 Mal täglich die Strecke zwischen dem Materiallager und dem Dach des Briefzentrums. Ein Flug hin und zurück dauert rund 90 Sekunden. Für ihn sei es speziell, hier zu arbeiten, erklärt Hagenbucher. Er sei in Altstetten aufgewachsen. «Auf diesem Areal habe ich als Kind schon an Grümpelturnieren Fussball gespielt.»