Wandel
Branche unter Druck: Papeterien überleben nur mit Fantasie

Der Online-Handel setzt die Papeterie-Branche unter Druck. Sie birgt aber auch Chancen. Mit viel Fantasie sichern sich die Geschäfte trotz allem ihr Überleben.

Lina Giusto
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Neben Schreibwaren bieten Papeterien häufig auch Geschenkartikel, Bücher oder Durckservices an. Der Preis dafür stösst bei Kunden offenbar auf Widerstand.

Neben Schreibwaren bieten Papeterien häufig auch Geschenkartikel, Bücher oder Durckservices an. Der Preis dafür stösst bei Kunden offenbar auf Widerstand.

Keystone

Der technologische Wandel setzt der Papeterie-Branche zu. Jüngste Opfer sind die Studentenläden der Zentralstelle der Studentenschaft der Universität Zürich (ZSUZ). Die Läden mit dem Giraffen-Logo mussten vergangenen Freitag Konkurs anmelden. Während über 100 Jahren hat sich die ZSUZ für Anliegen der Studenten eingesetzt – ab 1978 als Stiftung explizit für «die Schaffung und Förderung aller geeigneten Unternehmungen zur Hebung der ideellen und materiellen Wohlfahrt der Studierenden».

So war die Stiftung bis zuletzt Kiosk, Papeterie, Bücherladen, Druckerei, Kopiergeschäft und Arbeitsvermittlungsbörse in einem. «Besonders der letzte Passus, der die ZSUZ unter anderem dazu verpflichtete, Papeterie- und Druckwaren sowie Kioske zu betreiben, scheint ihr nun zum Verhängnis geworden zu sein. Es sind das alles Dienstleistungen und Produkte, die es auf dem gegenwärtigen Markt schwer haben», schreibt die Zürcher Studierendenzeitung.

Rund 30 Arbeitsplätze betroffen

Nicht nur eine Dienstleistung für die Studentenschaft endet, auch rund 30 Arbeitsplätze sind vom Konkurs betroffen. In einer Medienmitteilung schreibt die ZSUZ, dass die «Universität Zürich sich vorgängig in Gesprächen mit der ZSUZ dagegen entschieden hat, Teile des Betriebes zu übernehmen oder gemeinsam weiterzuführen.» Solange noch Waren in den Regalen der Studentenläden liegen, solange bleiben die Türen geöffnet.

Wie es aber mit den Druckerei-, Kopier- und Arbeitsvermittlungs-Dienstleistungen weitergeht ist derzeit noch unklar. Der Verband der Studierenden der Universität Zürich versucht derzeit mit der Universität Lösungen zu erarbeiten, wie diese Angebote für Studenten weiterhin aufrechterhalten werden können.

Jedes Geschäft hat seinen Stil

Beim Verband Zürcher Handelsfirmen erwartet man nach dem Konkurs der Studentenläden weitere Schliessungen im Papeteriesegment: «Der Online-Handel setzt die Detailhandelsbranche unter Druck. Fantasie ist gefragt bei jenen, die überleben wollen. Dies geht von Sonderleistungen über neue Angebote von Services im Zusammenhang mit Papeterieartikeln bis zur Neuorganisation von Geschäftsprozessen», sagt Hans Strittmatter, Geschäftsführer des Verbandes Zürcher Handelsfirmen.

Nach Lösungen suchte auch die etablierte Zürcher Papeterie Zumstein. So fusionierte die Firma 2014 mit Waser AG, einem Zürcher Grosshandelsunternehmen für Papeterie- und Bürobedarf. Mit der Akquisition der Filialen eines jahrelangen Konkurrenten wurde aus der ehemaligen Einzelfirma ein schweizweit führendes Papeterieunternehmen. «Die in Bern, Basel und Zürich an zentralen Lagen situierten Geschäfte passten sehr gut zu uns und wir hatten diese schon Jahre zuvor auf dem Radar», sagt Geschäftsführer Marcel Zumstein.

An Grösseneffekte durch Zusammenschlüsse aber glaube er nicht: «Dass verschiedene Papeterien sich ‹freiwillig› zusammenschliessen, halte ich für undenkbar, da doch jedes Geschäft seine sehr eigene Ausprägung hat und die Inhaber Laden und Sortimente sehr spezifisch auf die Bedürfnisse der Ort- und Kundschaft ausgerichtet haben.»

Eine Google-Suchabfrage ergab noch 20 existierende Papeteriegeschäfte in der Stadt. Warenhäuser, die Papeterieabteilungen führen, sind hier nicht eingerechnet. Thomas Köhler, Zentralpräsident des Verbands Schweizer Papeterie, sagt gegenüber der «NZZ», dass es noch rund 450 Betriebe in der Schweiz gebe. Allein in den letzten zehn Jahren sei ein Viertel aller Papeterien verschwunden.

Eine Branche mit Ideen

Der starke Preisdruck hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass die Geschäfte ihre Dienstleistungen und das Sortiment erweiterten. Oft bieten Papeterien neben Schreibwaren auch Geschenkartikel, Bücher oder Spielwaren an. Auch das Binden von Schulbüchern und Diplomarbeiten gehören mittlerweile zu den Dienstleistungen der Papeterien. Zudem können an einzelnen städtischen Verkaufsstellen Pakete abgeholt oder zurückgebracht werden.

Gute Ideen aber genügen laut Zumstein nicht: «Zusätzliche Services sind genügend vorhanden, aber die entsprechende Verrechnung stösst bei der Mehrheit der Kunden auf Widerstand.» Der Online-Handel berge auch Chancen für die Branche: «Die Sortimente können einem viel breiteren Publikum angeboten werden als bislang im stationären Handel», so Zumstein. Durch die Anbindung an mehrere Online-Kanäle wie Amazon, Siroop oder Kaloka könne man diesen Effekt sogar noch multiplizieren.

Die Verschmelzung verschiedener Branchen hat sich bereits vor zwölf Jahren abgezeichnet. Damals hat sich – im Zuge der Neugestaltung der beruflichen Grundbildung im Detailhandel – die Papeterie- und die Spielwarenbranche zu einer Branchengruppe zusammengeschlossen. Obwohl auch Zumstein eine weitere Schrumpfung des Papeteriemarktes voraussagt, sei die Nachfrage nach Schreibwarenartikeln immer noch vorhanden: «Handel ist Wandel. Auch Revivals sind möglich.» Es gebe zur Zeit viele Gegentrends. Er verweist auf kleine Bekleidungs- und Einrichtungsgeschäfte, die papeterieaffine Produkte im Angebot haben: «Die Nachfrage ist nach wie vor vorhanden.»