Limmattal

Bis zu 95 Prozent weniger Äpfel: Historische Missernte für Limmattaler Bauern

Dieses Jahr haben Limmattaler Bauern massive Ernteausfälle bei Äpfeln zu verzeichnen. In der ganzen Schweiz sieht es nicht gut aus

Magere Ernte

Dieses Jahr haben Limmattaler Bauern massive Ernteausfälle bei Äpfeln zu verzeichnen. In der ganzen Schweiz sieht es nicht gut aus

Wegen Frost im Frühling haben Limmattaler Landwirte bei den Äpfeln massive Ernteausfälle zu beklagen. So etwas habe er noch nie erlebt, sagt einer von ihnen.

Der Most versüsst traditionell die kälter werdenden Herbsttage. Doch dieses Jahr ist Apfelsaft aus dem Limmattal Mangelware. Der Grund: Wegen eines massiven Ernteausfalls fehlen die Äpfel dafür.


Der Dietiker Landwirt Kurt Bräm mostet normalerweise auf seinem Hof im Basi an der Grenze zu Bergdietikon bis Mitte Dezember. Nicht so dieses Jahr: Schon seit letztem Freitag gibt es bei ihm keinen frischen Most mehr zu kaufen, weil er nicht genug Äpfel für die Herstellung hat. Er müsse einen Ernteausfall von rund 70 Prozent hinnehmen, sagt Bräm, der zwei Hektaren mit Apfelbäumen bewirtschaftet. Damit steht er nicht alleine da. «Im ganzen Limmattal haben die Bauern dieses Jahr einen Rückgang der Erträge in etwa dieser Grössenordnung zu beklagen», sagt Bräm.

Nur 50 statt 1000 Kilogramm
Reto Lienberger aus Spreitenbach schätzt seinen Ernteausfall bei den Äpfeln sogar auf mindestens 80 Prozent. Der Landwirt, der neben Obst auch Gemüse verkauft, sagt: «Seit ich den Bauernhof 1996 übernahm, habe ich so etwas noch nie erlebt.» Hart getroffen hat es auch Christian Meier, Bauer und Stadtrat aus Schlieren. Meier, der ausschliesslich Obst anbaut, sagt, er habe dieses Jahr höchstens zehn Prozent einer normalen Apfel-Ernte eingefahren. Leider gehöre das halt zum Berufsrisiko. «Bei den Kirschen und Zwetschgen kam ich immerhin auf etwa die Hälfte der üblichen Erträge», sagt er.

Zumindest etwas mehr Glück hatte der Obstbauer Fredy Boll aus Bergdietikon. Zwar warfen die 80 Niederstammbäume nur 40 bis 50 Kilogramm von der Apfelsorte «Pink Lady» ab statt wie in einem normalen Jahr rund 1000 Kilogramm. Dafür sei es bei den Hochstammbäumen, deren Äste höher über dem kalten Boden ragen, zu einem Ausfall von nur 20 Prozent gekommen, sagt Boll.

Ganze Deutschschweiz betroffen
Von den happigen Ernteausfällen ist nicht nur das Limmattal betroffen. Martin Kupper, Präsident des Obstbauvereins Zürich, bestätigt auf Anfrage, dass es in der ganzen Deutschschweiz weniger Äpfel gebe. «Die Apfelbäume haben im warmen Februar und März schon früh ausgetrieben», sagt er. Als im April kalte Polarluft die Schweiz überzogen habe, seien viele der Blüten vom Frost wieder erfroren. Zusätzlich habe es am Tag vor der ersten Frostnacht nochmals geschneit und das kalte Nass habe die Bäume weiter abgekühlt. Das sei vergleichbar mit dem Effekt, den man erlebe, wenn man mit nassen Haaren in die Kälte gehe, so Kupper.


«Glück hatten Bauern auf der Südseite von Seen, etwa am Bodensee oder am Zürichsee», sagt er. Der kalte Wind sei aus dem Norden gekommen, habe sich aber über den Seen aufgewärmt, weil Wasser mehr Wärme abgebe als der Boden. Dort seien die Apfelernten aus diesem Grund weniger mager ausgefallen als an anderen Orten.

«Wichtig, dass die Äpfel aus der Region kommen»
Bräm machte sich einen anderen Effekt zunutze, um seinen Ausfall etwas abzufedern. Er kaufte Mostäpfel von Bauern, die höher gelegene Regionen bewirtschaften. «Die Vegetation dort oben verläuft etwa zwei Wochen hintennach», sagt er. «Diese Regionen waren weniger vom Kälteschock betroffen.» Zu kompensieren vermochte er den Ausfall aber nicht. Deshalb gibt es bei ihm jetzt pasteurisierten Most, den er im August aus neuen und alten Äpfeln produziert hatte. «Natürlich gibt es in der Schweiz Lagerbestände», sagt Kupper, «spätestens im Frühling könnte aber Import zum Thema werden.» Bräm allerdings verzichtet lieber auf den Most, als sich Äpfel aus dem Ausland zu kaufen. «Für viele Kunden im Limmattal ist es wichtig, dass die Äpfel aus der Region kommen», sagt er.


Die diesjährige Ernte ist laut Josiane Enggasser vom Schweizerischen Obstverband eines der ertragärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Apfel-Knappheit in der Deutschschweiz wirke sich aber nur minimal auf den Schweizerischen Richtpreis aus. «Die Herbstpreise für die Hauptsorten wie Gala, Golden oder Braeburn sind dieses Jahr gemäss Preisbulletin in der Schweiz fünf bis fünzehn Rappen teurer als letztes Jahr», sagt sie.

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