Schlieren
Billetverkauf für umstrittenen Rocker «Thompson» gestoppt: Coop und Post machten Druck

Starticket stoppt den Vorverkauf für das Konzert des umstrittenen kroatischen Sängers «Thompson». Begründet wird dies einerseits mit negativen Reaktionen von Kunden, aber auch Vertriebspartner wie die Post oder Coop hätten sich beschwert.

Alex Rudolf
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Marko Perkovic alias Thompson sollte am 3.September in Schlieren auftreten – der Stadtrat verbot jedoch das Konzert. Foto: imago/Pixsell

Marko Perkovic alias Thompson sollte am 3.September in Schlieren auftreten – der Stadtrat verbot jedoch das Konzert. Foto: imago/Pixsell

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Die Kontroverse um den Auftritt des kroatischen Sängers «Thompson», der mit bürgerlichem Namen Marko Perković heisst, vom 3. September zieht immer weitere Kreise. Nachdem die Juso Anfang Woche in einem offenen Brief vom Schlieremer Stadtrat verlangt hatten, das Konzert in der Sporthalle Unterrohr abzusagen, springt nun das Konzertportal Starticket ab und stoppt den Verkauf der Billette.

Starticket begründet dies einerseits mit negativen Reaktionen von Kunden, wie Sprecher Simon Marquard auf Anfrage der Limmattaler Zeitung sagt. Aber auch Vertriebspartner wie die Post oder Coop hätten sich bei Starticket beschwert. «Der Veranstalter benutzte die Logos unserer Vertriebspartner unerlaubterweise für die Promotion», so Marquard. Die bereits verkauften Tickets seien trotz des Verkaufsstopps weiterhin gültig.

Dies ist nicht der erste Auftritt Perkovićs in der Schweiz, der hohe Wellen schlägt. Als Namensgeberin der Band dient das Modell «Thompson» einer Maschinenpistole, die Perković im Jugoslawienkrieg in den frühen 1990er-Jahren einsetzte. In frühen Liedern machte der Sänger nationalistische Äusserungen und drohte dem serbischen Volk mit dem Tod. Dies brachte ihm den Ruf eines Hasssängers ein. Bereits im Jahr 2008 verbot der Dietiker Stadtrat einen geplanten Auftritt in der Stadthalle, da er eine Gefährdung von Ruhe und Ordnung vermutete. Wegen einer möglichen Verletzung des Antirassismusgesetzes liess das Bundesamt für Polizei den Sänger ein Jahr später nicht in die Schweiz einreisen. Dieser konnte daraufhin ein geplantes Konzert in Kriens nicht wahrnehmen. Im vergangenen Jahr absolvierte er seinen letzten Auftritt in der Schweiz in Fribourg – ohne Zwischenfälle.

Der Widerstand gegen «Thompson» ist für Veranstalter Cronight nicht nachvollziehbar. Ein Sprecher sagt auf Anfrage der Limmattaler Zeitung, dass es sich beim geplanten Anlass in Schlieren um ein Familienkonzert handle. «Ganz Kroatien kennt und liebt Perković», sagt er. So seien bei Spielen der kroatischen Nationalmannschaft an der Europameisterschaft in Frankreich in den Stadien jeweils Lieder von Thompson gespielt worden. «Wäre er ein Faschist, hätte die Uefa dies sicherlich nicht zugelassen», so der Sprecher, der namentlich nicht genannt werden will. Oft werde Thompson in den Medien als Faschist, Volkshetzer und Hasssänger betitelt, was jedoch auf keine Weise zutreffe. «Nach dem Ende des Krieges thematisierte er in seinen Liedern die Familie und die Heimat – er ist nicht mehr der Sänger von vor 30 Jahren.» Zudem müssten die Lieder von damals in «einen historischen Kontext gestellt werden».

Anders sieht dies Stefan Dietrich. Gegenüber der «NZZ» sagte der Osteuropa-Historiker, dass «Thompson» für einen extremen kroatischen Nationalismus stehe. Bei einem kürzlich im Fernsehen übertragenen Konzert hätten die Fans «Ubij Srbina» («Töte die Serben») geschrien. Auch in den Augen der Zürcher Juso geht eine Gefahr von der Band aus. In ihrer Aufforderung auf eine Absage des Konzerts verweisen sie darauf, dass es an Konzerten von Perković immer wieder zu faschistischen Demonstrationen komme. Der Sänger sei ein Feind der demokratischen Gesellschaft.

Es werde «friedliches Konzert»

Der Schlieremer Sicherheitsvorstand, Pierre Dalcher (SVP), ist in Kenntnis der jüngsten Ereignisse in der Causa Thompson. «Dies sind jedoch eher Nebenschauplätze, denn dem Stadtrat geht es um die Wahrung der öffentlichen Sicherheit», sagt er. Man stehe in Kontakt mit der Kantonspolizei und den Veranstaltern: «Wir rechnen damit, dass wir Anfang August bekannt geben können, ob das Konzert stattfinden wird oder nicht», so Dalcher. Bezüglich der Einschätzung, welche Gefahr vom Sänger ausgehe, stellt Dalcher fest, dass es eine komplexe Situation sei. «Die Juso beziehen sich in ihrem offenen Brief nur auf einen Anlass von vor sieben Jahren», gibt er zu bedenken.

Der Sprecher des Konzertveranstalters Cronight hofft, dass man mit der Stadt Schlieren eine Lösung finde, die für alle Beteiligten passe. Er versichert, dass es ein friedliches Konzert geben wird, wenn denn der Stadtrat seinen Segen dazu gibt.