Bezirksgericht Dietikon
Verurteilt wegen 130 statt 60 km/h: «Eigentlich bin ich kein Raser»

Ein knapp 20-jähriger Kosovare fuhr in Schlieren massiv zu schnell. Nun hat ihn das Dietiker Bezirksgericht verurteilt.

Louis Probst
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Der Schlieremer Raser wurde in Dietikon verurteilt.

Der Schlieremer Raser wurde in Dietikon verurteilt.

Aleksei Demitsev / fotolia

«Eigentlich bin ich kein Raser», meinte der knapp 20 Jahre alte Mann vor Gericht, «leider ist das mal passiert.»

Passiert war es im April ­dieses Jahres, spät in einer Samstagnacht, auf der Bernstrasse. Auf Höhe der Kreuzung mit der Goldschlägistrasse führte die Kantonspolizei eine Lasermessung durch. Gemäss dieser war der junge Kosovare aus dem Bezirk Dietikon um netto 70 km/h schneller unterwegs als die dort erlaubten 60 km/h. Damit war der Tatbestand des Raserdelikts mehr als erfüllt.

Und das war noch nicht alles: Etwas mehr als einen Monat ­zuvor, an einem späten Freitagnachmittag, hatte der junge Mann auf der Engstringer­strasse in Schlieren – «aus mangelnder Aufmerksamkeit», wie es in der Anklage heisst – übersehen, dass das vor ihm fahrende Fahrzeug verkehrsbedingt hatte ­anhalten müssen – er krachte ­sodann ins Heck des vor ihm fahrenden Autos.

Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen qualifizierter grober Verletzung der Verkehrsregeln – durch die massive Übertretung der signalisierten Höchstgeschwindigkeit – sowie wegen Verletzung der Verkehrsregeln – durch das Verursachen der Auffahrkollision.

14 Monate Freiheitsstrafe bedingt plus eine Busse

Nachdem es an den Vorwürfen nichts zu rütteln gab, hatte der geständige Beschuldigte die Einwilligung zu einem abgekürzten Verfahren gegeben und den Urteilsvorschlag der Staatsanwaltschaft akzeptiert. Dieser Vorschlag umfasste eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten sowie eine Busse von 500 Franken. Zudem sei der Beschuldigte durch das Gericht anzuweisen, am Lernprogramm «Start» für risikobereite Verkehrsteilnehmende und an Nachkontrollgesprächen teilzunehmen.

Auch seine Stelle hat er wegen seiner Tat verloren

Auch am Dienstag vor dem Bezirksgericht Dietikon zeigte sich der Beschuldigte geständig und mit dem Urteilsvorschlag der Staatsanwaltschaft einverstanden. «Ich habe im Sommer meine Lehre als Logistiker erfolgreich abgeschlossen», sagte er in der Befragung durch Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher.

«Ich bin aber nicht weiter beschäftigt worden. Im Moment habe ich keine Stelle. Bis jetzt habe ich 30 bis 40 Bewerbungen geschrieben, aber nur Absagen erhalten. Ich stehe erstmals vor Gericht. Ich werde nie mehr so etwas machen. Es ist nicht mein Jahr. Vieles ist noch schlechter geworden. Ich habe den Schweizer Pass beantragt. Wegen dieses Verfahrens ist meine Einbürgerung abgelehnt worden.»

Verteidiger: «Ich denke, dass er daraus gelernt hat»

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten sagte, dass der Lehrbetrieb seinem Mandanten zwar eine Weiter­beschäftigung in Aussicht gestellt hätte. Doch sein Fehlverhalten habe dann in der Konsequenz doch noch zu einer Absage durch den Arbeitgeber geführt.

«Ich denke, dass mein Mandant daraus gelernt hat.»

Das Gericht erachtete den Urteilsvorschlag als angemessen und erhob ihn zum Urteil. Die Freiheitsstrafe von 14 Monaten liege zwar im untersten Bereich des Strafrahmens für das Raserdelikt, erklärte der Gerichtspräsident. Das heisse aber nicht, dass es sich im vorliegenden Fall um eine Bagatelle handle. Es sei zwar verständlich, dass der Beschuldigte möglichst schnell nach Hause gewollt habe. Das sei jedoch kein Grund, dermassen schnell zu fahren. Zudem sei der Beschuldigte bereits einmal durch das Strassenverkehrsamt verwarnt worden und auch angesichts der Auffahrkollision hätte man erwarten können, dass er sich anders verhalten würde.

«14 Monate sind angemessen», betonte der Gerichtspräsident. Auch die Weisung zur Teilnahme am Lernprogramm scheine dem Gericht zweckmässig. «Das kann Ihnen nur behilflich sein, das ist nicht als Schikane gedacht», sagte der Gerichtspräsident zum Beschuldigten.

Er wünschte dem jungen Mann alles Gute und meinte:

«Es wird nicht einfach werden.»

Schliesslich sind da noch die Verfahrenskosten, die der arbeitslose junge Mann zu tragen hat.

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