Schlieren
Bevorstehende Sanierung: Die Liegenschaft Büelhof steht bereits heute halb leer

Die Nachfrage nach kleinem, günstigen Wohnraum hält sich offenbar in Grenzen. Die städtische Liegenschaft Büelhof steht schon heute halb leer. Deshalb soll die Anzahl Wohnungen von bisher 18 auf 9 reduziert werden.

Alex Rudolf
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Das 45 Jahre alte Gebäude bietet heute 18 Kleinwohnungen. Nach Vollendung der geplanten Sanierung werden es noch neun sein.

Das 45 Jahre alte Gebäude bietet heute 18 Kleinwohnungen. Nach Vollendung der geplanten Sanierung werden es noch neun sein.

Sandra Ardizzone

Die städtische Liegenschaft Büelhof an der Uitikonerstrasse ist in die Jahre gekommen und muss saniert werden. Darüber besteht kein Zweifel. Doch scheiden sich die Geister in Bezug darauf, wie das 45-jährige Gebäude auf Vordermann gebracht werden soll. Während die SP/Grünen-Fraktion des Schlieremer Gemeinderates die Zerstörung von preisgünstigem und kleinem Wohnraum sowie eine verpasste Chance auf eine Minergie-Sanierung befürchtet, ist der Stadtrat überzeugt, mit seinem Projekt für 4 Millionen Franken richtig zu handeln.

Dieses beinhaltet die Sanierung der Feuerwehrstation sowie eine Reduktion von 18 auf 9 Wohnungen, die nach den Arbeiten teurer vermietet werden, sowie der Verzicht auf das Minergie-Label. «Seit längerem wird primär günstiger Wohnraum nachgefragt, auch wenn die Flächen kleiner sind, als heute üblich gebaut wird», schreibt der Grüne Gemeinderat Dominik Ritzmann in einer kleinen Anfrage, die der Stadtrat kürzlich beantwortete.

Allen Mietern gekündigt

Darin wollte er etwa wissen, wie vielen Mietern gekündigt wurde, um die Sanierungen durchführen zu können. Aus der stadträtlichen Antwort geht hervor, dass allen Mietern mit einer Frist von drei Monaten gekündigt wurde. «Gleichzeitig konnte diesen aber auch eine neue Wohnung nach erfolgter Renovation im Büelhof oder in einer anderen städtischen Liegenschaft angeboten werden», schreibt die Stadt.

Bereits heute haben acht Mieter eine Ersatzwohnung gefunden, für die Verbleibenden konnte für die Bauzeit zwischen kommendem August und März 2019 eine Übergangswohnung gefunden werden. Neun Mieter können nach den Arbeiten wieder zurück, für zwei müsse per April 2019 noch eine Wohnung gefunden werden: «Der Bereich Liegenschaften ist sehr optimistisch, auch diese zwei Mieter unterzubringen, möglicherweise auch in städtischen Liegenschaften», so der Stadtrat.

Leerstand seit mehreren Monaten

Weiter wollte Ritzmann wissen, warum die Stadt glaube, dass die Büelhof-Wohnungen mit ihrer geringen Wohnfläche nicht mehr den heutigen Bedürfnissen entsprechen.

Einerseits stünden bereits heute acht Wohnungen leer, zwei davon seit mehreren Monaten. «Zum anderen hat sich aus Mietergesprächen und aus einer Selbsteinschätzung und Marktkenntnissen des Bereichs Liegenschaften gezeigt, dass die Wohnungen nicht mehr den aktuellen Anforderungen entsprechen», so der Stadtrat.

Preisunterschied von 80 Prozent

Auf Nachfrage sagt Ritzmann, dass niemand in eine Wohnung ziehen wolle, aus der man bald wieder raus müsse. «Der Leerstand ist kein Hinweis auf eine mangelnde Nachfrage nach kleinem, günstigen Wohnraum», so Ritzmann. So gibt ihm auch der Preis der Wohnungen vor und nach der Sanierung zu denken. Eine kleine 1-Zimmer-Wohnung mit 26 Quadratmetern kostet heute 615 Franken, die grössere mit 40 Quadratmetern 690 Franken.

«Für Mieter, die bereits vor der Renovation im Büelhof gewohnt haben, kostet eine der neuen 2-Zimmer-Wohnungen mit 60 Quadratmetern 700 Franken, was einer Mietzinserhöhung von acht Prozent entspricht», so der Stadtrat. Bei Neuvermietungen ist dieselbe Wohnung ab April 2019 für zwischen 1150 und 1250 Franken zu haben. «Für Neumieter sind die Wohnungen somit rund 80 Prozent teurer. Die Preise müssen nach unten angepasst werden», ist Ritzmann überzeugt.

1,5

Millionen Franken hätte der Einbau von Minergie die Stadt beim Büelhof gekostet. Bei Minergie P wären nochmals 300'000 Franken dazugekommen und Minergie A wäre technisch nicht realisierbar gewesen.

Auch wollte Ritzmann wissen, welche Kosten aufgrund des Verzichts auf eine Minergie P- oder A-Sanierung eingespart würden. «Da es sich um eine Renovation handelt, sind die Kosten für den Einbau von Minergie sehr hoch», schreibt die Stadt. Konkret geht man dabei von rund 1,5 Millionen Franken aus. Bei Minergie P rechnet die Stadt mit zusätzlich 300'000 Franken, Minergie A sei technisch nicht lösbar. Technisch und finanziell sei dies nicht vertretbar, da alle wichtigen Gebäudeteile erst in 25 bis 30 Jahren am Ende des Lebenszyklus angelangt seien.

Ritzmann findet aber, dass gerade eine Gemeinde eine Vorbildfunktion einnehmen sollte. «Sie sollte zeigen, dass der Klimawandel nicht mit Pflästerlipolitik bekämpft werden kann und man bereit sein muss zu investieren.»