Zusammen mit 11 anderen Kandidaten tritt sie im Schweizer Fernsehen an der Ausscheidung für den Eurovision Song Contest an. Die TV-Zuschauer entscheiden dann, wer die Schweiz nächstes Jahr in Deutschland vertreten wird.

Brunovic ist derzeit damit beschäftigt, die Performance zu dem von ihr komponierten Song «Confidence», zu Deutsch Vertrauen, einzustudieren. «Bislang bin ich zufrieden. Von Nervosität spüre ich noch nichts», erklärt sie. Vermutlich werde sie auch vor ihrem Auftritt nicht nervös sein. Das passe nicht zu ihrem Naturell. «Ich bin eine ruhige Person», hält sie fest.

Ein spontaner Entscheid

Dazu passt auch die fast schon märchenhaft anmutende Geschichte hinter ihrem Erfolg. Entstanden ist «Confidence» bereits vor rund vier Jahren. Er ist einer von vielen Songs, die Brunovic, die seit ihrer Geburt unter einer starken Sehbehinderung leidet, seither komponiert hat. Der Entscheid, überhaupt an der Vorausscheidung zum Song Contest teilzunehmen, entstand spontan. «Ich singe in einem Kirchenchor. Die Zuhörer haben mich irgendwann auf meine Stimme angesprochen und mir gesagt, dass ich daraus etwas machen soll», sagt Brunovic. Sie habe sich dann kurzfristig für eine Teilnahme entschieden.

Damit begann aber der Stress für die junge Frau. Da die Zeit für das Einreichen des Songs knapp gewesen sei, so Brunovic, habe sie das Lied quasi über Nacht eingespielt und eingesungen, und zwar im Heimatland ihrer Eltern, in Kroatien. Ein Aufwand, der sich gelohnt hat. An der ersten Vorausscheidung im November setzte sie sich gegen 326 weitere Teilnehmer durch.

Verrückt machen lassen, will sich Brunovic wegen des Erfolges nicht. Im Gegenteil. Ganz ihrem Wesen entsprechend gewinnt die junge Frau dem Stress sogar positive Seiten ab. «Durch meine vielen Verpflichtungen an der Kantonsschule Limmattal, beim Gesangsunterricht oder beim Proben, habe ich kaum Zeit, auf die Strasse zu gehen. Deshalb werde ich von den Leuten auch nicht angesprochen», sagt sie. Einzig der Postbote, der ihr jeweils die Bücher aus der Sehbehindertenbibliothek vorbeibringe, habe ihr spontan gratuliert, als ihr Erfolg festgestanden habe. Auch ihre Schulkollegen würden sich zurückhalten. «Sie haben mir gratuliert. Den grossen Rummel gab es bisher nicht», so Brunovic.

Mit der Ruhe vorbei sein dürfte es aber spätestens dann, wenn Brunovic die Schweiz tatsächlich nächstes Jahr in Düsseldorf vertreten würde. Doch daran mag sie noch gar nicht denken. «Ich hoffe, dass alles gut geht und meine Stimme nicht versagt. Letzte Woche war ich noch erkältet», erklärt sie. Was dann geschehe, werde sich zeigen. Sollte es mit der Qualifikation für Deutschland nicht klappen, sei das kein Weltuntergang. «Ich trete am Samstag im Fernsehen auf. Das ist doch schon was», sagt sie und fügt an: «Ich werde ohnehin weiter Musik machen.»