Mobilfunk

Bereits 34 5G-Antennen: So sieht der Ausbau des neuen Mobilfunkstandards im Limmattal aus

Antennen wie diese gibt es im Bezirk Dietikon 34.

Antennen wie diese gibt es im Bezirk Dietikon 34.

Vor ein wenig mehr als einem Jahr wurde 5G eingeführt. Im Bezirk Dietikon gibt es bereits 34 Antennen. Doch es regt sich Widerstand gegen die Sendemasten.

Obwohl 5G starkem Gegenwind ausgesetzt ist, wurde der neue Mobilfunkstandard in der Schweiz als erstes Land in Europa aufgeschaltet. Mehr als ein Jahr später befindet sich der Netzausbau in vollem Gange, aber auch der Widerstand dagegen ist nicht abgebrochen. Aktuell stehen 34 Sendemasten mit Kapazitäten für 5G im Bezirk Dietikon, wie auf der Übersichtskarte des Bundes zu sehen ist. Alle diese Sendemasten haben aber zusätzlich andere Standards wie 3G oder 4G an Bord.

Im Moment bieten nur Sunrise und Swisscom den neuen Standard für ihre Endkunden an. Salt will in «naher Zukunft» aber ebenfalls ein Angebot lancieren. Die Standorte der Mobilfunkantennen sind öffentlich auf einer Karte des Bundes einsehbar. Unklar ist aber, welche dieser Standorte welchem Mobilfunkanbieter gehören. Aus Sicherheitsgründen wollen Sunrise, Swisscom und Salt nicht bekannt geben, wie viele oder welche Anlagen sie betreiben.

Google Maps - Karte mit 5G Masten im Bezirk Dietikon

Nicht alle Masten senden richtiges 5G

Richtiges 5G können die 34 Masten aber nicht alle. Die Anlagen der Swisscom stahlen zum Teil nur mit sogenanntem 5G-wide. Hierfür wird die Software von 3G- und 4G-Antennen aktualisiert. Anschliessend ist es möglich, ohne einen baulicher Eingriff mit 5G zu senden. 5G-wide ist aber bei weitem nicht so schnell wie das richtige 5G. Dieses nennt die Swisscom 5G-fast. Einen Unterschied zwischen den beiden Typen kann auf der Karte des Bundes nicht erkannt werden. Die Swisscom stellt online eine Netzabdeckungskarte zur Verfügung, aufgrund derer zumindest Vermutungen angestellt werden können, welche Antennen 5G-fast nutzen.

Geräte mit 5G werden laut den drei grossen Mobilfunkanbietern rege gekauft und seien bei der Kundschaft beliebt. Genauere Angaben dazu, wie viele Geräte den neuen schlussendlich nutzen, wollen aber weder die Sunrise noch die Swisscom machen.

Wegen der höheren Frequenz von 5G sinkt die Reichweite der Antennen. Aus diesem Grund werden auch im Limmattal mehr Mobilfunkmasten benötigt. Gemäss eines 2019 publizierten Berichtes des Bundesamtes für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Bakom) seien ohne eine Anpassung der Strahlengrenzwerte drei bis vier Mal so viele Antennenstandorte als bisher nötig. Da wären Schweizweit etwa 26500 neue Antennen. Zudem müssten an 5000 bestehenden Anlagen Nachrüstungen vorgenommen werden. Zu möglichen Plänen wo sich diese neuen Anlagen befinden sollen, wollen sich die Mobilfunkanbieter allerdings auch nicht äussern.

Während in England dieses Jahr bereits fast 80 5G-Antennen angezündet wurden, ist der Widerstand gegen neue 5G-Antennen im Bezirk Dietikon weniger militant. Aber gegen Aufrüstungen von Masten in Urdorf und Geroldswil gab es auch Widerstand. In Urdorf wehrt sich der Verein «Stopp 5G in Urdorf» schon seit längerer Zeit gegen neue Sendemasten und konnte zeitweise sogar eine Sistierung der Baubewilligungsvergabe erreichen.

«Gefährlich sind die Antennen mit adaptivem 5G»

Der Geroldswiler Jürg Beck versucht in seiner Gemeinde einen Baustopp für adaptive 5G-Antennen zu erreichen. Anfang Juli reichte er eine Petition gegen solche Antennen in Geroldswil ein: «Ich habe kein Problem mit den 5G-wide Antennen oder dem Mobilfunk allgemein. Gefährlich sind die Antennen mit dem adaptivem 5G. Die Zahlen zur Strahlung, welche die Betreiber in den Datenblättern angeben, sind fiktiv und ungenau.» Er verweist auf Strahlungsmessungen aus Frankreich, die gezeigt haben, dass die ­konzentrierten Strahlen von adaptiven Antennen zum Teil die Schweizer Grenzwerte stark überschreiten ­würden.

Solange diese Strahlenmessungen nicht richtig gemacht würden, steht für Beck fest: «Ich werde 5G nicht nutzen, solange nicht bewiesen ist, dass es absolut ungefährlich für Mensch und Umwelt ist. Die bestehende Infrastruktur ist total ausreichend. Ich finde es traurig, dass die Provider jetzt die Coronazeit genutzt haben, um den Ausbau ohne Einsprachen voranzutreiben.» Deshalb habe er gegen die zwei geplanten 5G-Antennen in Geroldswil Rekurs eingelegt.

In der Schweiz gibt es immer wieder Widerstand gegen Antennen. Laut der Sunrise befinden sich im Moment rund die Hälfte der Projekte unter Opposition. Nach Meinung von Salt ist im Moment das grösste Problem, dass der Widerstand aus «einem kleineren Teil der Bevölkerung kommt, der aber lauter schreit als die Befürworter. Die Motivation beruht gemäss unserer Ansicht auf sogenannten Fake News.» Laut der Swisscom stehe man deswegen vor der Problematik, dass der Bedarf nach Daten schneller wachse als der Ausbau vonstatten geht.

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