Dietikon

Beitrag zur Integration: Genossenschaft will Flüchtlinge in ihren Siedlungen unterbringen

Überbauung Schachenmatt, zwischen den Bahngleisen und der Überlandstrasse: Hier könnten bald auch Flüchtlinge wohnen.

Überbauung Schachenmatt, zwischen den Bahngleisen und der Überlandstrasse: Hier könnten bald auch Flüchtlinge wohnen.

Die Schwierigkeiten, Wohnraum für alle Asylbewerber zu finden, bleiben bestehen. Die Siedlungsgenossenschaft Eigengrund vermietet nun aber per sofort mehrere Wohnungen an die Stadt Dietikon. Die Flüchtlinge sollen so auf verschiedene Standorte verteilt werden.

Die Siedlungsgenossenschaft Eigengrund vermietet per sofort einige ihrer Wohnungen an die Stadt Dietikon, damit diese darin Asylsuchende, vorläufig aufgenommene oder anerkannte Flüchtlinge unterbringen kann. Noch diesen Monat werden die ersten Wohnungen bezogen, wie die Genossenschaft gestern in einer Medienmitteilung schrieb.

Es sei klar, heisst es darin, dass nur Wohnungen angeboten werden, die durch normale Wegzüge frei werden. Der Genossenschaft, die auch in der Stadt und im Kanton Zürich Siedlungen hat, gehören in Dietikon fünf Überbauungen: Schachenmatt, Untere Reppisch, Limmatblick, Schönegg und Glanzenberg.

Unterkunft kommt im März weg

In unmittelbarer Nachbarschaft zu Letzterer steht heute die Liegenschaft Zürcherstrasse 215, in der rund 40 Asylsuchende untergebracht sind. Doch weil die Schönenwerdkreuzung im Zusammenhang mit den flankierenden Massnahmen für die Limmattalbahn ausgebaut wird, muss das Gebäude Ende März 2018 abgebrochen werden.

Der Plan der Stadt Dietikon war eigentlich, im nächsten Jahr zwei neue Asylunterkünfte zu bauen: eine provisorische an der Urdorferstrasse hinter der katholischen Kirche St. Josef und eine definitive neben der Schule Luberzen. Zu einem späteren, noch nicht bekannten Zeitpunkt, sollten dann die Asylbewerber von der Urdorferstrasse an einen zweiten, langfristigen Standort im Gebiet Schönenwerd, gleich hinter der heutigen Unterkunft, verlegt werden.

«Beitrag zur Integration leisten»

Von dieser Idee ist die Siedlungsgenossenschaft Eigengrund nicht besonders angetan. Denn einerseits müsste sie für die Asylunterkunft der Stadt unter anderem ihr Fussballfeld aufgeben. Andererseits erachte man auch die Konzentration von so vielen Asylsuchenden am gleichen Standort als nicht sinnvoll, sagt Jérôme Gaberell, Geschäftsführer der Genossenschaft, auf Anfrage.

Viel besser wäre es, sagt er, die Flüchtlinge auf verschiedene Siedlungen zu verteilen, weshalb man der Stadt genau dieses Angebot gemacht habe: «Wir wollen damit einen aktiven Beitrag zur Integration leisten.» Der Entscheid, ob das Ganze als Übergangslösung diene oder allenfalls als längerfristiges Projekt, liege bei der Stadt Dietikon, sagt Gaberell: «Aber natürlich wäre es aus unserer Sicht wünschenswert, die Asylunterkunft im Gebiet Schönenwerd könnte ganz verhindert werden.»

Dass auch die Verteilung von Asylbewerbern auf verschiedene Siedlungen nicht ganz ohne Nebengeräusche ablaufen werde, sei an zwei Informationsveranstaltungen klar geworden, so Gaberell: «Bei den Bewohnern sind gewisse Ängste da, aber das ist zu erwarten bei diesem Thema.» Die Genossenschaft werde aber alles tun, um ein möglichst reibungsloses Zusammenleben und eine gute Integration der neuen Bewohner in die Siedlungen zu garantieren, sagt er: «Wir sehen dieses Pilotprojekt als Chance für alle Beteiligten an.»

Zivilschutzanlage reaktiviert

Auch der Dietiker Sozialvorsteher Roger Bachmann (SVP) erhofft sich einen besseren Integrationseffekt, wenn Asylsuchende auf verschiedene Überbauungen verteilt werden. Im Gegenzug sei aber der Betreuungsaufwand höher, sagt er. Trotzdem: «Wir sind sehr froh, dass wir diese Abmachung mit der Siedlungsgenossenschaft Eigengrund treffen konnten», so Bachmann. Selbstverständlich sei das aber noch nicht die Lösung aller Platzprobleme im Asylbereich, denn man habe nochmals Bedarf für weitere etwa 40 Personen, die zurzeit verteilt über die ganze Stadt in zeitlich befristeten Unterkünften wohnten.

Daher sei klar: «Wir können nicht darauf verzichten, weitere Asylunterkünfte zu bauen», sagt Bachmann. Wie viele das sein werden und an welchen Standorten, müsse aber noch geklärt werden. Nicht zuletzt werde man aktuell auch noch von Einsprachen aufgehalten.

Es sei daher absehbar, dass man, nachdem die heutige Unterkunft an der Zürcherstrasse 215 abgerissen werde, nochmals für eine Weile einige Asylsuchende in der Zivilschutzanlage Oberdorf unterbringen müsse. Denn die Siedlungsgenossenschaft Eigengrund werde nicht den ganzen Wohnraum für 40 Personen gleichzeitig bieten können. Das Angebot der Genossenschaft werde aber auf jeden Fall «kurzfristig für eine leichte Entschärfung der Situation sorgen», sagt die Dietiker Kommunikationsverantwortliche Esther Pioppini.

Wohnungen zum regulären Preis

Die Wohnungen vermietet die Siedlungsgenossenschaft Eigengrund der Stadt Dietikon zum Preis, den auch andere Mieter zahlen. Somit habe man in diesem Bereich höhere Auslagen, sagt Bachmann. Dafür fallen die Investitionen für ein neues Bauprojekt weg, wie er sagt. Letztlich sei es wichtig, dass man alle Kosten über die vom Bund pro Asylbewerber gewährte Pauschale abdecken könne, so Bachmann.

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