Urdorf
Beim Duo «Hohe Stirnen» trifft Argentinisches Flair auf Berndeutsch

Das Duo «Hohe Stirnen» überzeugte im Schulhaus Moosmatt mit einer musikalischen Lesung und viel Witz. Der Autor, Dichter und Wortakrobat Pedro Lenz bot gemeinsam mit dem Musiker Patrik Neuhaus ein abendfüllendes Programm.

Anina Gepp
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Das Duo «Hohe Stirnen»

Das Duo «Hohe Stirnen»

Anina Gepp

Gebannt lauschen die Zuschauer seiner tiefen und beruhigenden Stimme. Er spricht langsam, aber deutlich, Berner Dialekt eben. Malerisch beschreibt er die Stadt Buenos Aires und Klaviermusik sorgt für argentinisches Flair.

Der Dichter wippt mit seinen Füssen zur Musik hin und her, zieht seine Schultern hoch, schliesst für einen Moment die Augen und blickt dann direkt ins Publikum.

Der Autor, Dichter und Wortakrobat Pedro Lenz hat sich als Schriftsteller in der ganzen Schweiz einen Namen gemacht. Nun war der Berner zu Gast im Singsaal des Schulhauses Moosmatt in Urdorf, wo er gemeinsam mit dem Musiker Patrik Neuhaus als Duo «Hohe Stirnen» ein abendfüllendes Programm bot.

Die musikalische Lesung «I bi me aus eine» ist bereits die fünfte Produktion der beiden und erzählt die Geschichte des Emmentaler Uhrenfabrikanten Peter Wingeier.

Ein Schlitzohr aus dem Emmental

Lenz erzählt sie aus der Sicht von August, dem Sohn des Uhrenmachers. Dieser sitzt zum Erzählzeitpunkt zusammen mit einem Schweizer Journalisten in einem Café mitten in Buenos Aires und beginnt, ihm seine ganze Lebensgeschichte zu erzählen.

Das Jahr 1860 wurde geschrieben, als der besagte Wingeier nach Argentinien flüchtete und sich dort ein neues Leben aufbaute. Im Emmental konnte der Uhrenmacher nicht bleiben, hatte er doch zuhause in Trubschachen in die Mündelkasse gegriffen.

In Südamerika legte er sich alsbald einen neuen Namen und einen neuen Beruf zu. Als Doktor Theophil Romang praktiziert der schlaue Mann als Arzt, ohne eine Ahnung zu haben, was er da überhaupt tut.

Jahrelang praktiziert er als solcher, ohne dass jemand seine Identität anzweifeln würde. Erst als eines Tages ein junger Biologe aus dem Aargau in die Provinz reist, entlarvt er Romang.

Doch es gelingt dem geflohenen Schweizer, den Biologen zu seinem Komplizen und Freund zu machen. So gründen die beiden Jahre später sogar eine eigene Siedlung in Argentinien. Romang heisst das Dorf, wie auch sonst - und es existiert bis heute.

Literatur und Musik verschmelzen

Aus dieser wahren Geschichte gestaltete Lenz mit seinem Partner Neuhaus am Klavier einen gelungenen Abend. Ab und an bekam der Zuhörer sogar spanische Gedichte vorgetragen, die zwar schön klangen, aber nicht von allen verstanden wurden.

Lenz übersetzte sie ins Berndeutsche. Dabei schien der Dichter jedes Wort zu fühlen, das er sagte. Wenn immer er seine Stimme hob, zitterten seine Arme und fuchtelten wild um sich. Wurden die Töne leiser, legte er seine Stirn in Falten und schaute nachdenklich ins Publikum.

Im Programm der «Hohen Stirnen» verschmolzen Literatur, Musik und historische Fakten zu einem vergnüglichen Theaterabend, den die Zuschauer mit kräftigem Applaus lobten.

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