Rauchverbot
Bei den Limmattaler Wirten ist der Ärger verraucht

Ein Jahr nach Einführung des Rauchverbots hat sich die Aufregung im Limmattal weitgehend gelegt. Verzeigungen gab es bisher noch keine und die Wirte haben sich grundsätzlich mit der Situation abgefunden.

Bettina Hamilton-Irvine
Merken
Drucken
Teilen
Rauchverbot

Rauchverbot

Keystone

Stephan Bernet bringt es auf den Punkt. «Es ist hart, aber man muss sich damit abfinden. Es macht keinen Sinn, ständig darüber zu jammern», sagt der Inhaber des Schlieremer Restaurants Mojito. Damit scheint er die aktuelle Stimmungslage der Limmattaler Wirte ein Jahr nach Einführung des Rauchverbots treffend zusammenzufassen.

Obwohl sich die Wirte wohl oder übel mit dem Rauchverbot arrangiert haben, spürt man mancherorts eine ziemliche Irritation gegenüber der «Bevormundung», wie es Elio Frapolli, Wirt des Dietiker «Sommerau-Ticino», nennt. «Ich kämpfe dagegen, dass man dem Bürger immer mehr Eigenverantwortung und Selbstbestimmung wegnimmt. Ich muss mich doch nicht als Erzieher meiner Gäste aufspielen» sagt Frapolli, der betont, bei vielen Rauchern stehe der Genuss im Vordergrund.

Ausgrenzung?

Mit dem kompletten Rauchverbot grenze man eine grosse Gruppe von Menschen aus, was keinem Gastgeber egal sein könne. Wenn die zunehmenden Regulierungen auch grosse finanzielle Konsequenzen hätten, so leide sein Unternehmen glücklicherweise dank einem Fumoir «weniger massiv» unter dem Rauchverbot als andere Restaurants. Doch während die aktuellen Gesetze den Unternehmern noch die Möglichkeit gäben, Fumoirs einzurichten, frage er sich, was wohl als Nächstes verboten werde, so Frapolli.

«Es wäre mir lieber, wir hätten kein Rauchverbot, aber es ist nun einmal so», sagt auch John Rusterholz, der die Geroldswiler «Hostellerie» führt. Er betont jedoch, dass seine Vorbehalte dem Rauchverbot gegenüber eher genereller Natur sind, da sein eigener Betrieb glücklicherweise kaum darunter leide. «Weil wir die Möglichkeit haben, den Gästen ein Fumoir anzubieten, spüren wir keine finanziellen Konsequenzen», sagt Rusterholz. Die Bar, die zum Fumoir umfunktioniert worden sei, werde denn auch rege benützt - gerade auch am Morgen, wenn viele Gäste zu ihrem Kaffee eine Zigarette rauchen wollen.

Gäste bleiben weniger lang

Damit befindet sich die «Hostellerie» in einer angenehmen Lage. Trotzdem stört sich Rusterholz an einem Nebeneffekt des Rauchverbots, wie er sagt: «Es entsteht ein permanentes ‹Geläuf› in den Restaurants.» Denn viele Gäste zögen sich zwischen den Gängen einer Mahlzeit zum Rauchen auf die Terrasse oder ins Fumoir zurück. «Dann steht unser Personal mit dem nächsten Gang am Tisch und die Hälfte der Gruppe ist nicht da», sagt er.

Dieses Problem kennt man auch anderswo. «Der grosse Nachteil des Rauchverbots ist», sagt Hans-Jörg Bernegger vom Restaurant Leuen in Uitikon, «dass es die Leute verzettelt und Unruhe in das Restaurant bringt.» Es sei auch auffallend, dass die Gäste tendenziell weniger lang verweilten als früher und nach dem Essen einen Kaffee oder Schnaps weniger tränken, sagt Bernegger, der nicht die Möglichkeit hat, den Gästen ein Fumoir anzubieten. Das gemütliche Zusammensitzen, die Geselligkeit leide eindeutig unter dem Verbot. «Am meisten stört mich aber», so Bernegger, «dass uns ein Stück Freiheit genommen wurde.» Trotzdem sei das Rauchverbot für ihn weniger tragisch als für andere, so Bernegger, da er ein klassisches Speiserestaurant betreibe. «Für uns ist es verkraftbar. Für Quartierbeizen hingegen ist es absolut tragisch.»

Tatsächlich spürt Katica Maric, die das Schlieremer Restaurant Nassacker führt, die Folgen des Rauchverbots besonders stark. Denn im «Nassacker» trafen sich die Gäste früher vor allem nachmittags zum Trinken, Reden, Sitzen und Rauchen, wie Maric sagt.

Sommer steht vor der Tür

Dies habe sich im Mai vor einem Jahr schlagartig geändert, erzählt die Wirtin: «Am Anfang kamen die Leute kaum mehr.» Denn während sich die Raucher bei schönem Wetter draussen aufhalten konnten, habe man ihnen an kalten oder nassen Tagen keine Alternative anbieten können, so Maric. Während einige andere Schlieremer Restaurants ein Fumoir eingerichtet hätten, sei dies für sie leider keine realistische Option gewesen: Sie habe für den Einbau einer Lüftung im kleinen Saal eine Offerte für 100000 Franken erhalten, sagt die Wirtin. «Dieses Geld habe ich einfach nicht.»

Trotz allem sieht die «Nassacker»-Wirtin das Rauchverbot nicht nur negativ. Schliesslich sei sie selber Nichtraucherin und freue sich auch über die bessere Luft bei der Arbeit. Ausserdem seien viele der Gäste wieder zurückgekehrt und besonders der Mittagsservice laufe gut. Und: «Im Frühling und Sommer, wenn man draussen sitzen kann, ist das Rauchverbot sowieso kein Thema.»

Dem kann Stephan Bernet vom Schlieremer «Mojito» zustimmen: «Bis 22 Uhr sitzen die Raucher halt draussen.» Danach sei es etwas problematischer - vor allem für die Gäste in der Bar, sagt Bernet. «Im Restaurant empfinde ich das Rauchverbot nicht als schlimm. Doch in der Bar merkt man eindeutig einen Umsatzrückgang.»