Mit den allmählich milderen Temperaturen erwacht die Lust, den Garten oder die Terrasse auf Vordermann zu bringen. Davon profitieren Gartencenter und Baumärkte. Die Trends für die neue Gartensaison sind denn auch schon gesetzt. «Wahnsinnig beliebt ist Urban Gardening. Heute will man selber sein Gemüse ziehen und ernten. Wir haben daher viele Setzlinge und Samen im Angebot», sagt Ralph Hoffmann. Er ist Mitinhaber des Gartencenters Hoffmann in Unterengstringen. Vom Kaffir-Limmettenbaum bis zur Wasabiwurzelpflanze hätten sie so manch exotisches Gewürz im Sortiment, das man früher nur aus der Packung gekannt habe. Gemüse und Kräuter werden heutzutage weniger in den Boden, sondern viel mehr in Hochbeete gesetzt. «Die Leute sind bequemer geworden, man muss sich nicht bücken. Zudem hält man Schädlinge in der Höhe fern.»

Wenig Aufwand soll auch die Begrünung im Garten oder auf dem Balkon machen, stellt Hoffmann fest. «Viele Kunden entscheiden sich für einen Gartenbonsai. Die Solitär-Pflanze sieht das ganze Jahr schön aus.» Ideal sei der Bonsai für Personen, die ihren Balkon nicht gerne überfüllen und mit wenigen Pflanzen eine schöne Atmosphäre schaffen möchten. Dieser Trend verträgt sich nicht mit der allgemeinen Tendenz zurück zur Natur und einheimischen Pflanzen. «Doch ein Teil unserer Kunden sind nicht Garten-, sondern Terrassenbesitzer. Auf einer Terrasse sind einheimische Pflanzen nur bedingt geeignet», sagt Hoffmann, der im Familienbetrieb in vierter Generation für das Design von Garten und Terrasse verantwortlich ist.

Für Jahre ausverkauft

Neben dem Bonsai entwickelte sich der exotische Strauch Duftblüte zu einer Trendpflanze. So sehr, dass sie in Europa nun zu einer Rarität gehört. Sie ist nämlich ausverkauft. «Der Strauch ersetzte den Buchs, der wegen seiner Anfälligkeit für Schädlinge und Pilzerkrankungen nicht mehr erhältlich ist. Die Pflanze ist so beliebt, weil sie zum einen winterhart und zum andern mit ihren weissen trompetenförmigen nach Jasmin duftenden Blüten schön anzusehen ist», sagt Hoffmann. Gärtnereien hätten zu spät auf den Boom reagiert. «Es wird Jahre dauern, bis die Produktion in den Baumschulen aufgerüstet hat und es wieder Büsche in allen Formen und Grössen gibt.»

Die Bepflanzung ist aber nur das eine. Der Unterhalt gehört auch zum Gärtnern. Weil die Leute immer weniger Zeit in den Garten investieren können oder wollen, steht ein Teil von Hoffmanns 70 Angestellten auch für den Gartenunterhalt im Einsatz. «Sie schneiden, putzen, jäten und ergänzen die Bepflanzung und machen Beratungen vor Ort.» So könnten sie sich von Baumärkten abheben. Gut laufen würde auch der Verkauf und Einbau von Bewässerungsanlagen. «Seit letztem Sommer, als es drei Monate lang nicht regnete und man kaum mehr nachkam mit bewässern, hat die Nachfrage stark zugenommen.» Auch wenn die Leute generell nach pflegeleichten Lösungen suchen würden, steige die Affinität für Gärten und Pflanzen, sagt Hoffmann. «Unsere Branche ist im Aufschwung. Das Grün fehlt den Leuten draussen sowie drinnen immer mehr.» Die Zeiten seien Gott sei Dank vorbei, wo ein Garten nur aus einem Englischen Rasen, Forsythien und einer Thuja-Hecke bestand.

Auch das Bauhaus in Schlieren ist für die neue Saison gerüstet. Rund ein Drittel der über 120 000 Produkte gehört zum Gartensortiment. Neben Pflanzen gehen derzeit Grills zu Hauf über den Ladentisch. Grillmeister erwartet Ende April sogar eine Neuheit: das «Angry Beast». «Dabei handelt es sich um einen Gasgrill, der das Fleisch nicht wie bei normalen Grills auf 200 bis 300 Grad, sondern auf 800 Grad wie in der Gastroküche erhitzt. Das verleiht ihm eine schöne Kruste», sagt Marketingfachfrau Melanie Pinter.

Bei den Gartenmöbeln zeichnet sich ein neuer Trend ab. Die seit Jahren beliebten Rattan-Lounges erhalten Konkurrenz aus Skandinavien. «Geradlinige Tische und Stühle aus pulverbeschichtetem Stahl in skandinavischem Stil sind sehr gefragt», so Pinter. Zudem seien nach wie vor Gartenmöbel aus Paletten angesagt. Hochbeete und Kräuterbars werden ebenso in diesem Look angeboten. «Es gibt Fixfertige, aber auch solche, die man selbst zusammenstellen kann.» Gartenbeleuchtungen, wie etwa Solarleuchten, würden sich ebenso gut verkaufen. Am 13. April veranstaltet das Bauhaus einen Gartenberatungstag. «Die Kunden erhalten Tipps, wie sie ihren Rasen fit für die Saison machen können», sagt Pinter. Das gehe von Unkrautbekämpfung über Aufbesserung von Rasenschäden bis zum Vertikutieren.