Bucato, was auf italienisch etwa so viel heisst wie «gelocht», hätte Neuankömmlinge dereinst im Quartier Leuen-Waldegg in Uitikon begrüssen sollen. Im Siegerprojekt zur Gestaltung des Waldeggplatzes aus der Feder von Schaub Zwicky Architekten war vorgesehen, einen Platz mit Pavillon zu erstellen. Darunter sollte eine Parkierungsgalerie gebaut werden.

Doch dazu wird es nicht kommen. So habe man sich bezüglich der Kosten nicht einigen können, liess die Gemeinde kürzlich verlauten. Vonseiten des Architekturteams hiess es in der Folge, dass man durchaus bereit gewesen wäre, das Wettbewerbsprojekt zu überarbeiten. Es habe jedoch an einem Vorprojekt gefehlt, in welchem Bedürfnisse, Ansprüche und Kosten hätten geklärt werden sollen. Nun nimmt die Uitiker Bauvorsteherin Susanne Bereuter (parteilos) Stellung.

Frau Bereuter, welche Eigenschaften überzeugten Sie persönlich am Projekt «Bucato» am meisten?

Susanne Bereuter: «Bucato» ist ein sehr zurückhaltendes Projekt. Im Gegensatz zu den Vorschlägen anderer Architekturteams handelt es sich um nichts Pompöses. Es hätte meiner Meinung nach gut an diesen Ort gepasst.

Sind die 145'000 Franken, die für den Wettbewerb ausgegeben wurden, nun weg oder lassen sich daraus gewonnene Erkenntnisse für die Zukunft nutzen?

Erfreulicherweise kostete der Wettbewerb nur 114'000 Franken, wir schliessen also unter dem gesprochenen Kredit ab. Nichtsdestotrotz handelt es sich dabei um viel Geld. Dass wir zu einem späteren Zeitpunkt Erkenntnisse aus diesem Wettbewerb mitnehmen können, schliesse ich nicht aus. Dieses Projekt ist jedoch vom Tisch – nicht zuletzt aus urheberrechtlichen Gründen.

Die Realisierung von «Bucato» scheiterte an den Kosten. Die Architektinnen monieren, ihnen sei von der Gemeinde kein Kostendach gesetzt worden. Muss man nicht wissen, wie viel Geld man ausgeben will, bevor man einen Architekturwettbewerb veranstaltet?

Wir stellten für die Platzgestaltung 2,6 Millionen Franken zurück. Bei diesem Betrag handelt es sich um die von zwei Baufachleuten errechneten Kosten für die «Bucato»-Realisierung. Das Siegerteam von Schaub Zwicky Architekten kam bei seinen Berechnungen hingegen auf einen bedeutend höheren Betrag von erst 4,7 Millionen Franken und nach unserer Intervention auf 3,6 Millionen Franken.

«Bucato» mit Parkiergalerie und Waldeggplatz samt Pavillon.

«Bucato» mit Parkiergalerie und Waldeggplatz samt Pavillon.

Wie erklären Sie sich diesen Unterschied?

Wir erbaten Erläuterungen bezüglich der Preisdifferenzen. Als einzige Erklärung erhielten wir den Hinweis, dass man erst ein Vorprojekt für 74'000 Franken erstellen lassen müsse, um Details zu erfahren. Darauf wollte sich der Gemeinderat in Anbetracht der bereits bestehenden Differenzen bezüglich der Preisvorstellungen nicht einlassen. Es konnte leider keinerlei Bereitschaft festgestellt werden, die Gemeinde in ihren Anliegen zu unterstützen. Die Gemeinde erbat deshalb zunächst Vorschläge zu Einsparungsmöglichkeiten.

Ist dies nicht auch ein Kommunikationsproblem? Die Architektinnen sagen, sie hätten nicht gewusst, welche Abstriche gewünscht gewesen wären.

Nein. Es war ein Preisproblem. Sehen Sie, als wesentlichste Sparmassnahme wurde von Schaub Zwicky schliesslich der Verzicht auf den Pavillon vorgeschlagen, der vom Siegerteam mit 700'000 Franken veranschlagt wurde. Dabei hätte es sich um ein bescheidenes Infrastruktur-Gebäude von 40 Quadratmeter Fläche mit Einstellungsmöglichkeiten für Sitzbänke handeln sollen.

Aber: 700'000 Franken für 40 Quadratmeter? Das ist ein völlig überrissener Preis. Wir sind die öffentliche Hand und können es uns nicht leisten, für derart irrsinnig viel Geld die rudimentärsten Infrastrukturen zu erstellen. Es kam auch kein Vorschlag der Architektinnen, wonach der Pavillon günstiger hätte realisiert werden können, als Lösung wurde einzig der gänzliche Verzicht vorgeschlagen.

Warum wurden die 2,6 Millionen Franken dem Team nicht als Kostendach vorgegeben?

Laut Fachplanern ist es unüblich, dass die Wettbewerbsteilnehmer Angaben zu den Kosten ihrer eigenen Projekt einreichen. So würden die Architekten eher zu tiefe Beträge errechnen, um einen Wettbewerbsvorteil zu erhalten.

Waren Sie überrascht, dass sich die Architektinnen von Schaub Zwicky mehr Anhaltspunkte von der Gemeinde gewünscht hätten?

Mich überraschte eher, dass wir auf unser Schreiben, in welchem wir unseren Verzicht insbesondere aufgrund der hohen Pavillonkosten bekannt gaben, keine Reaktion vonseiten der Architekten erhielten.

Derzeit erarbeiten Sie das Wettbewerbsprogramm für den Architekturwettbewerb «Allmend 2020». Auf der Allmend soll eine Doppelturnhalle und ein Gemeinschaftszentrum gebaut werden. Ziehen Sie für diesen Wettbewerb Lehren aus dem «Bucato»-Debakel?

Ja. Denn auch hier rieten die Fachplaner, wir sollten im Rahmen des Wettbewerbs keine konkreten Kosten von den Architekten verlangen. Ich sagte jedoch deutlich, dass dies nicht infrage kommt.

Wir wollen wissen, welche preislichen Vorstellungen die teilnehmenden Architektenteams haben. Denn für mich steht fest: Hätten wir gewusst, dass Zwicky Schaub Architekten 4,7 beziehungsweise 3,6 Millionen verlangen, hätte «Bucato» niemals den ersten Platz erreicht.

Bereits der Frühlingsgemeindeversammlung wollen Sie ein neues Projekt für den Waldeggplatz vorlegen. Woher kommt dieses?

Im Rahmen der Quartierplanung wurden schon verschiedene Ideen erarbeitet, die nun in ein neues Projekt ohne Parkiergalerie einfliessen werden. Wie dieses im Detail aussehen wird, zeigt sich erst.

Fuchst es Sie, dass «Bucato» nicht realisiert wird?

Selbstverständlich bin ich von der Situation nicht begeistert. Wie alles im Leben hat die Medaille aber zwei Seiten. Denn neben dem Waldeggplatz besitzt die Gemeinde eine weitere Parzelle, die vorerst noch nicht bebaut wird. Wird dieses Baufeld in 10 oder 15 Jahren entwickelt, können beide Parzellen aus einem Guss geplant werden. Dies kann sich dannzumal als Vorteil erweisen.