Dietikon
Baugebiete: Stadt kann Ausnutzung nicht erzwingen

Der Stadtrat findet es nicht wichtig, eine Übersicht über nicht ausgenutzte Baugebiete zu haben. Der Aufwand für die Erstellung einer solchen wäre ohnehin unverhältnismässig, wie aus der Antwort auf eine Interpellation hervorgeht.

Bettina Hamilton-Irvine
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Vor allem entlang des Trassees der Limmattalbahn – hier die Badenerstrasse – soll dichter gebaut werden.

Vor allem entlang des Trassees der Limmattalbahn – hier die Badenerstrasse – soll dichter gebaut werden.

Sophie Rüesch

Der Dietiker Stadtrat kann nicht genau sagen, welche Baugebiete auf Stadtgebiet noch nicht voll ausgenutzt sind und wo die Ausnutzung bereits überschritten ist. Dies ist die Quintessenz seiner Antwort auf eine entsprechende Interpellation von AL-Gemeinderat Ernst Joss. Dieser hatte wissen wollen, ob auf einfache Weise dargestellt werden könne, wo noch Potenziale schlummern.

Gar nicht notwendig

Doch die Antwort des Stadtrats macht deutlich: Diese «einfache Weise» gibt es nicht. Denn die geführten Statistiken der Stadtverwaltung unterscheiden gemäss Stadtrat lediglich unbebaute und überbaute Grundstücke und machen eine Aussage über die Baulandreserven, jedoch nicht über eine allfällig noch vorhandene Ausnützungsreserve.

Über diese Buch zu führen, wäre «mit erheblichem Aufwand verbunden», schreibt der Stadtrat: Denn für jedes der 3606 Gebäude auf Stadtgebiet müssten die Nutzungsberechnungen geprüft und erfasst werden. Zudem müssten auch alle Bauten, die vor der Einführung des Baugesetzes errichtet wurden, vor Ort ausgemessen und erfasst werden. «Der notwendige Aufwand wäre gegenüber dem zusätzlichen Nutzen unverhältnismässig», schreibt der Stadtrat.

3606 Gebäude...

...waren 2017 auf Dietiker Stadtgebiet erfasst.

Er findet aber auch, die gewonnenen Erkenntnisse seien für die Bedürfnisse der Stadtentwicklung gar nicht notwendig. Das Potenzial für die Innenentwicklung ergebe sich in erster Linie aufgrund der vorhandenen Dichte der Nutzungszonen entlang des Trassees der geplanten Limmattalbahn. Weil die Bahn für eine bessere Erschliessung sorgen werde, könne die bauliche Dichte in ihrem Umfeld massvoll erhöht werden, so der Stadtrat.

Das Potenzial von weiteren nicht vollständig ausgenutzten Grundstücken schätzt die Exekutive als gering ein. Sie weist aber auch darauf hin, dass die Stadt Grundeigentümer sowieso nicht zwingen könne, Grundstücke zu überbauen oder vollständig auszunützen

Übernutzung: Ja, aber...

Dass es in Dietikon zudem übernutzte Grundstücke gibt, bestätigt der Stadtrat. Dafür gebe es jedoch verschiedene Ursachen, heisst es in der Interpellationsantwort. So könne eine Übernutzung einerseits aufgrund einer Gesetzesänderung entstanden sein, die einen baurechtswidrigen Zustand geschaffen habe. Andererseits sei es möglich, dass Bauten, die vor der Einführung des Baugesetzes erstellt worden sind, die Ausnutzung überschritten. Zu guter Letzt sei es auch nicht auszuschliessen, so der Stadtrat, dass augenscheinlich übernutzte Grundstücke tatsächlich baurechtskonform seien. Dies kann der Fall sein, wenn ein Nutzungsübertrag von einem angrenzenden Grundstück gemacht worden ist oder ein Ausnützungsbonus aufgrund einer Arealüberbauung oder eines Gestaltungsplans erteilt worden ist.

Interpellant Ernst Joss ist von der stadträtlichen Antwort «etwas enttäuscht», wie er auf Anfrage sagt: «Es ist schade, dass der Stadtrat offensichtlich nicht weiss, welches ungenutzte Potenzial in Bezug auf die Ausnutzung in Dietikon noch vorhanden ist. Das heisst auch, dass wir nicht genau wissen, was in Bezug auf die Bautätigkeit noch alles auf uns zukommt.» Zudem hätte man das Potenzial gezielt nutzen können, wenn man denn eine Übersicht darüber hätte, so Joss. Aus seiner Sicht wäre es sinnvoll, die Stadt würde die jeweils noch verfügbare Ausnützungsreserve erfassen.