Bezirksgericht Dietikon
Baucenter-Kassiererin betrügt Arbeitgeber - mittels fingierter Warenrücknahmen

Eine langjährige Kassen-Aufseherin eines Limmattaler Baucenters hat mittels erfundener Warenrücknahmen rund 136'000 Franken ertrogen. Vor Gericht kam sie glimpflich davon.

Attila Szenogrady
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Die Kassiererin eines Limmattaler Baucenters erfindet Warenrücknahmen und steckt das Geld in die eigene Tasche. (Themenbild)

Die Kassiererin eines Limmattaler Baucenters erfindet Warenrücknahmen und steckt das Geld in die eigene Tasche. (Themenbild)

«Das war eine ganz unschöne Geschichte», hielt der Dietiker Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher der Beschuldigten am letzten Dienstag vor. Das Gericht siedelte die bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten an der «unteren Schmerzgrenze» einer denkbaren Sanktion an. Denn die Richter gingen von einem erheblichen Verschulden der umfassend geständigen Schweizerin aus. Der Prozess fand im Rahmen eines abgekürzten Verfahrens statt. Was bedeutete, dass sich Anklage und Verteidigung bereits im Vorfeld der Verhandlung auf den Schuldspruch wegen gewerbsmässigen Betrugs sowie auf die Bewährungsstrafe geeinigt hatten.

Rund 136 000 Franken ertrogen

Die Beschuldigte war über mehrere Jahre hinweg für ein Limmattaler Baucenter tätig und nahm die wichtige Position einer Kassen-Aufseherin ein. Dabei kam sie Ende 2012 erstmals auf die Idee, die Rücknahme einer Warengruppe aus Holz zu melden und dafür 2600 Franken auszuzahlen. Der Schönheitsfehler war dabei, dass die Rücknahme frei erfunden war und der fragliche Geldbetrag nicht an Kunden ging, sondern in die Taschen der Beschuldigten floss. Schon wenige Wochen später folgte der zweite Coup mit Sanitär-Artikeln für 3250 Franken.

Als die fleissige Serien-Betrügerin im November 2014 die letzte erfundene Rücknahme angab, hatte sie bereits mittels 36 fingierten Geschäften den ansehnlichen Betrag von rund 136 000 Franken ertrogen. Im April 2015 flog die Betrügerin nach einer internen Kontrolle auf und verbrachte danach zwei Tage in Haft.

Geld in Istanbul verjubelt

Die Beschuldigte legte ein Geständnis ab und gab zu, dass sie die Beute für eigene Bedürfnisse sowie für ihre beiden im Ausland lebenden Brüder ausgegeben hatte. Wobei die zwei Männer einen Grossteil der abgezweigten Geldbeträge für einen ausschweifenden Lebenswandel verjubelten. Die verheiratete Beschuldigte gab vor Gericht an, dass sie heute immer noch verschuldet sei, anerkannte jedoch den ganzen Schaden und verpflichtete sich zu einer ratenweisen Rückzahlung, wie auch ihr Verteidiger versicherte. Zudem wurde bereits ihr beschlagnahmter Personenwagen für über 7000 Franken zur Kostendeckung eingezogen.

Nicht zuletzt hat die Frau inzwischen eine neue Arbeitsstelle beim Kanton Zürich im kaufmännischen Bereich in Aussicht. Allerdings warnte sie Gerichtspräsident Aeschbacher vor einem Rückfall und verwies auf eine Probezeit von zwei Jahren.