Schlieren

Béatrice Miller: «Mütter sollen arbeitsmarktfähig bleiben»

Mittagstisch Schulhaus Altenburg Wettingen.

Mittagstisch Schulhaus Altenburg Wettingen.

Béatrice Miller (SP) fordert, dass die Stadt Tagesschulen schafft. Zusammen mit zehn Mitunterzeichnenden reichte sie nun eine Motion an den Stadtrat ein mit der Forderung, ein Konzept für eine Tagesschule auf Primarschulstufe auszuarbeiten.

Stadtparlamentarierin Béatrice Miller (SP) möchte, dass arbeitstätige Eltern in Schlieren ihre Kinder künftig den ganzen Tag gut versorgt wissen, und somit einer Arbeit nachgehen können. Zusammen mit zehn Mitunterzeichnenden reichte sie nun eine Motion an den Stadtrat ein, in der sie ihn dazu auffordert, ein Konzept für eine Tagesschule auf Primarschulstufe auszuarbeiten.

Für ein solches Angebot sprechen laut Miller viele Argumente: Eine vom schweizerischen Nationalfonds finanzierte Studie stellte fest, dass sich der Besuch einer Tagesschule bereits nach zwei Jahren positiv auf die Sprachkompetenzen, das Sozialverhalten und die Alltagsfertigkeiten auswirkt. Weiter betont Miller, dass die veränderten Familienstrukturen und Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt eine stärkere Berufstätigkeit der Frauen bedingen würden. «Mütter sollen arbeitsmarktfähig bleiben. Das setzt voraus, dass sie nicht über einen längeren Zeitraum ohne Anstellung sind», so Miller. Deshalb müssten vermehrt ausserfamiliäre Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Die Motionärinnen und Motionäre verweisen ausserdem auf das neue Volksschulgesetz, das die Gemeinden dazu verpflichtet, «bedarfsgerechte Betreuungsangebote» anzubieten. Und schliesslich sieht Miller in einem solchen Angebot auch einen Standortvorteil gegenüber anderen Gemeinden.

Parallel zu bestehenden Angeboten

Reichen denn die vorhandenen Betreuungsangebote nicht aus? Nach Millers Ansicht nicht: «Mit der steigenden Anzahl Kinder an Schlieremer Schulen nimmt auch der Bedarf nach Ganztagesbetreuung zu.» Ausserdem bestehe der Vorteil der Tagesschulen darin, dass die Kinder in einem integrierten pädagogischen Konzept von Unterricht und Betreuung untergebracht seien. «In einem Hort oder Mittagstisch haben die Kinder ein ständig wechselndes soziales Umfeld. Eine Tagesschule bietet eine konstantere, besser geschützte Umgebung.»

Ganz ersetzen soll die Tagesschule die bestehenden Angebote aber nicht, wie Miller sagt. Es brauche in Schlieren wohl beide Strukturen. «Eltern, die viel arbeiten, sind auf eine Tagesschule angewiesen. Hort und Mittagstisch sollen Familien, die über mehr Zeit für familieninterne Betreuung verfügen, aber weiterhin zur Verfügung stehen.»

Es sei ihr bewusst, dass derzeit eine generelle Platznot in den Schlieremer Schulen bestehe, erklärt Miller: «Deshalb definierten wir auch bewusst keinen Zeithorizont, bis zu dem eine Tageschule eingerichtet werden muss.» Sie wolle, dass das Thema aber auf dem Radar der Behörden bleibe, und die Stadt reagieren könne, sobald sich eine infrastrukturelle Möglichkeit ergebe.

Ein Konzept für eine Tagesschule ist ohnehin frühestens in einem Jahr zu erwarten. Zunächst müsste Schulpräsidentin Béatrice Krebs beim Stadtrat beantragen, dass er die Motion entgegennimmt. Falls er diese annimmt, muss sie auch noch durch das Parlament offiziell überwiesen werden.

Politiker aller Lager sind dafür

Eine Umfrage der az Limmattaler Zeitung bei Parlamentariern unterschiedlicher politischer Lager zeigt, dass Millers Motion auf fruchtbaren Boden fallen könnte.

Stefano Kunz (CVP) erklärt etwa, dass er den Vorstoss persönlich begrüsse: «Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist mir ein Anliegen. Die Arbeitgeber sollten diesbezüglich mehr mit den Behörden zusammenarbeiten.» Er findet gar, dass man besser den Weg über ein Postulat gewählt hätte, um die Idee auf der Pendenzenliste des Stadtrats festzuschreiben. Auch FDP-Parlamentarier Markus Weiersmüller reagiert prinzipiell positiv auf Millers Motion: «Der Vorstoss sollte sicher genauer überprüft werden. Bildung ist für mich und meine Partei ein sehr wichtiges Thema.»

Beat Rüst (Grüne), selbst bis vor kurzem Fachmann für Schulbeurteilung, erklärt, dass seine Partei Millers Motion grundsätzlich positiv gegenüberstehe: «Die Tagesschule bietet eine ruhigere, engere Gemeinschaft, als eine herkömmliche Schule. Für einen Teil der Kinder ist diese Form das Richtige.» Es seien vor allem Eltern aus bildungsnahen, gehobenen Schichten, die eine solche Schulform für ihre Kinder suchen würden. «So könnten also genau die Familien angezogen werden, die wir vermehrt nach Schlieren locken wollen», so Rüst.

Der Quartierverein wollte sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zum Thema äussern. «Wir benötigen erst mehr Informationen, um die Konsequenzen beurteilen zu können, die der Vorstoss für die Stadt bedeutet», erklärt Fraktionspräsident Jürg Naumann. Die SVP wollte vor der Absprache an der kommenden Fraktionssitzung noch keine Beurteilung der Motion abgeben.

Weder die Schulpräsidentin noch die Schulverwaltung waren für eine Stellungnahme erreichbar.

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