Vor dem Einfamilienhaus am Ende der Einbahnstrasse stehen Kindervelos und ein Sandkasten. Nichts deutet daraufhin, dass dies das Zuhause von mehreren hundert Vogelspinnen ist. Bastian Rast und seine Familie können aber trotzdem gut schlafen. Die Vogelspinnen befinden sich im Keller, fein säuberlich untergebracht in 135 Terrarien und Aufzuchtbehältern. Der Raum ist speziell isoliert. Keine von ihnen kann ihn jemals verlassen, solange alle Türen verschlossen sind.

«Vogelspinnen sind giftig, für den Menschen aber nicht tödlich», sagt der Polizist. Ein Biss könne Krämpfe verursachen. Ob diese nur Minuten oder gar Wochen anhalten, hänge von der abgegebenen Menge Gift ab. «Wenn eine Vogelspinne all ihr Gift einspritzt, sind ihre Reserven erst nach zwei Wochen wieder aufgebaut», sagt er. Daher gehe sie sparsam damit um. Wichtig sei es, ihr Verhalten zu deuten. «Wenn ihr Beisswerkzeug auseinandergeht, sie Geräusche von sich gibt oder sie sich gar aufstellt, sollte man sie nicht anfassen», so Rast.

Gebissen wurde er noch nie. Trotzdem warnt Rast davor, dass Vogelspinnen keine Kuscheltiere sind. Unter optimalen Bedingungen könne man gewisse Arten auf die Hand nehmen. «Ich würde nie jemanden forcieren, eine zu berühren», sagt er. Der Dietiker, der inzwischen in Tägerig wohnt, weiss, wovon er spricht. Phobiker können sich bei ihm therapieren lassen. Eine solche Therapie wird auf den Klienten angepasst. Das Ziel sei es, die teilweise angeborenen oder erlernten Ängste abzubauen. Wenn die Leute beispielsweise sehen, wie er mit den Spinnen umgehe, könne das die Phobie reduzieren.

Aus einer wurden viele

Seine Faszination für Vogelspinnen entdeckte der 35-Jährige im Reptilien Center in Schlieren. Damals, mit 21 Jahren, sah er seine erste in Natura. «Ich habe mich damals gewundert, wie jemand an einer so grossen Spinne einfach vorbei gehen kann», erinnert sich Rast. Er habe zu seiner Mutter gesagt: «Ich will mir eine Vogelspinne kaufen». Sie habe geantwortet: «Cool, wo tun wir sie hin?». Für diese Aufgeschlossenheit ist Rast seinen Eltern bis heute dankbar.

Aus einer Vogelspinne wurden viele. Wie viele, vermag Rast nicht genau zu sagen. «Es sind Jungtiere dabei, bei denen macht es keinen Sinn, sie zu zählen», sagt er. Je nach Art können nach einer Paarung 10 bis 2000 Spinnchen schlüpfen. Bei viel Nachwuchs werden sie nicht alle einzeln aufgezogen.

Seit 350 Millionen Jahren unverändert

Für das Ökosystem sind die wirbellosen Tiere unverzichtbar. Spinnen leben seit 350 Millionen Jahren praktisch unverändert auf dem Planeten. Rast bewundert sie dafür. Ohne sie würde die Erde Überquellen vor Insekten. Denn die Spinnen verspeisen doppelt so viel Biomasse wie alle Menschen. «Spinnen gibt es überall, nur achten wir uns nicht», sagt Rast. So habe er in Ecuador eine Bäuerin gefragt, wo hier Vogelspinnen leben. Sie habe geantwortet: «Bei uns gibt es keine Vogelspinnen». 200 Meter weiter habe er die erste gefunden.

Rasts Spinnen stammen vorwiegend aus der Hobby-Zucht. «Da Weibchen länger leben als Männchen, muss man sie frühzeitig paaren, damit sie nicht aussterben», sagt er. Seine älteste Krabblerin ist jetzt 25. Wer mit dem Gedanken spielt, sich eine Vogelspinne anzuschaffen, muss sich bewusst sein, dass die Tierchen lange leben. Ansonsten sind sie in Terrarien gehalten relativ pflegeleicht. Die Pflanzen speichern die nötige Feuchtigkeit. Zudem sind Vogelspinnen Lauerjäger und können aufgrund ihres langsameren Stoffwechsels lange ohne Essen überleben. «So kann man auch mal drei Wochen in die Ferien gehen«, sagt Rast.