Es sei durchaus interessant, dass ausgerechnet die Freisinnigen an einen Anlass ins Stürmeierhuus – ein nach dem Steuervogt benanntes Gebäude – laden, sagte Balz Hösly am Dienstag zu Beginn seines Referates und sorgte damit für Belustigung unter den Gästen. Die FDP Bezirk Dietikon hatte den Verwaltungsratspräsident der Greater Zurich Area (GZA) als Redner ihres alljährlichen Wirtschaftslunchs eingeladen. Unter den Gästen waren etwa Statthalter Simon Hofmann, die ehemalige Kantonsratspräsidentin Brigitta Johner und der Dietiker Stadtratskandidat Philipp Müller. In seinem Referat zeigte Hösly zu Beginn auf, wie gut der Standort Zürich im internationalen Vergleich aufgestellt ist. Auf diversen Ranglisten mit klingenden Namen wie «Change Readiness Index» oder «World Competitiveness Index» belegen die Schweiz und die Grossregion Zürich Spitzenpositionen. Die von Hösly repräsentiere GZA umfasst acht Kantone und weist eine Wirtschaftskraft von der Grösse des Staates Dänemark auf oder – zum Vergleich – einen Viertel der Wirtschaftskraft von New York. Auch das Bildungsleuchtschiff ETH, das stets unter den top rangierten Hochschulen zu finden ist, trage zur Beliebtheit der Region bei.

Wird Standort unflexibel?

Doch sieht Hösly diese Vorteile in Gefahr. «Die Ablehnung der Unternehmenssteuerreform III hat alleine keine schädliche Wirkung. Doch die Menge aller wirtschaftsfeindlichen Massnahmen und Initiativen zusammen wirken sich nachteilig auf den Standort Zürich aus», sagte er mit Verweis auf die anstehende No-Billag-Initiative. «Diese ist absolut extrem und zerstört das Netzwerk, welches die politische Kultur unseres Landes zusammenhält.» Mit einer schrittweisen Einschränkung werde der Wirtschaftsstandort unflexibel und unattraktiv für internationale Unternehmen.

500 Prozent Return of Investment

Mit ihrem Standortmarketing wirkt die GZA dem entgegen, indem sie gezielt auf Unternehmen – vornehmlich aus der IT-Branche – zugeht und sie vom Standort Region Zürich überzeugt. «Wir räumen mit Vorurteilen auf und unterstreichen unsere Standortvorteile – etwa unsere hohe Lebensqualität», so Hösly. Unter dem Strich gehe es darum, Unternehmen Informationen zur Verfügung zu stellen. Mit dieser Methode wolle man bei Unternehmen, die auf der Suche nach einer neuen Niederlassung sind, in die engere Auswahl kommen. «Danach können wir nichts mehr ausrichten, da die Standorte in der engeren Auswahl auf Herz und Nieren geprüft werden. Beim definitiven Entscheid kommt es auf Finessen an, über die wir keine Macht haben», so Hösly.

Knapp 30 Prozent des jährlichen Budgets der Greater Zurich Area stammen aus der Privatwirtschaft, die Trägerkantone tragen pro Einwohner 1,5 Franken in die Kasse bei. Was das Gebiet davon habe, werde er oft gefragt, sagt Hösly und verwies darauf, dass zwischen den Jahren 2009 und 2014 rund 460 Unternehmen aufgrund von Bemühungen der GZA in die Region gezogen sind und rund 4200 Arbeitsstellen geschaffen haben. «Daraus ergibt sich ein Return of Investment von rund 500 Prozent, was ein hervorragendes Ergebnis ist.» Hösly mahnte die anwesenden Vertreter der FDP, aktiv zu bleiben. Denn: «Kaffee, Tee und Läckerli, bringen dich ums Äckerli.»