Fluglärm
Bald weniger Lärm über dem Limmattal?

Das lässt die Limmattaler Fluglärmgeplagten aufhorchen: Die Flüge über Süddeutschland sollen reduziert werden – in der Konsequenz würden laut verschiedenen Beobachtern die Ostanflüge auf die Piste 28 zunehmen. Fluch oder Segen für das Limmattal?

Katja Landolt
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Kondensstreifen im Himmel über dem Limmattal.Flavio Fuoli

Kondensstreifen im Himmel über dem Limmattal.Flavio Fuoli

Der Dietiker SP-Gemeinderat Peter M. Wettler, der sich seit Jahren intensiv mit dem Flughafen Zürich und dem Thema Fluglärm beschäftigt, zeigt sich vorsichtig optimistisch ob der Nachricht. Er glaubt, dass, wenn künftig mehr Flugzeuge über Osten landen, dies ein «riesen Segen» für das Limmattal wäre: «Wenn mehr Flugzeuge von Osten her kommend auf der Piste 28 landen, können weniger auf der Piste 28 in Richtung Westen starten.»

Ostschneiser trügen Hauptlast

Die Schweiz und Deutschland haben sich am Rande des WEF in Davos auf «Grundzüge für eine Lösung des Fluglärmkonflikts» geeinigt. Punkt 3 der Eckwerte für den Staatsvertrag lautet: «Die Schweiz reduziert die Zahl der Anflüge für den Flughafen Zürich über deutsches Staatsgebiet. Analog dazu wird im täglichen Flugbetrieb die Zahl der Betriebsstunden über deutschem Staatsgebiet reduziert.»

Über eine genaue Zahl schweigen sich beide Seiten aus, doch ist anzunehmen, dass die deutsche Seite weiter auf eine Reduktion von heute 100'000 auf 80'000 Flüge pro Jahr beharrt.

Damit diese Absichtserklärung realisiert und die Anzahl Überfluge über süddeutsches Gebiet reduziert werden kann, werden die Maschinen den Flughafen über Osten über die Piste 28 anfliegen müssen. Damit würden die Gemeinden in der Ostschneise die Hauptlast tragen müssen, das Limmattal würde entlastet.

Zahl der Geplagten reduzieren

«Die Starts müssten vermehrt über die Pisten 32 und 34 nordwestwärts abgewickelt werden und die Jets würden dann eher über Neuendorf und Wettingen fliegen», sagt Wettler. Über das Limmattal würden nur noch diejenigen fliegen, die eine Destination im Süden ansteuern. «Aber das sind Hypothesen. Und wenn wir davon ausgehen, dass es demnächst einen Staatsvertrag gibt, müssen wir hellwach sein. Denn dann werden Dinge zementiert.»

Ursula Hofstetter, Geroldswiler Gemeindepräsidentin, zeigt sich ob dem skizzierten Abkommen «sehr verhalten optimistisch». Positiv wertet sie aber, dass die Schweiz und Deutschland wieder miteinander sprechen und sich eine Lösung abzeichnet. «Die Ausgangslage ist aber noch so vage, dass ich mich mit einer Prognose auf Glatteis begeben würde», so Hofstetter. Sie glaube bisher noch nicht daran, dass die Geschichte positiv fürs Limmattal ausgehen wird.

Zurückhaltend äussert sich auch Dietikons Stadtpräsident Otto Müller: «Ich begrüsse, dass die Schweiz und Deutschland nach einer Lösung suchen, kann aber zum skizzierten Abkommen keine konkrete und fundierte Aussage machen.» Wie angekündigt, habe der Stadtrat gestern eine Anfrage an die Regierung betreffend Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm eingereicht. Dies aufgrund der Überschreitungen des im Zürcher Fluglärm-Index vorgegebenen Richtwerts: «Wir wollen die Zahl der Fluglärm-Geplagten im Limmattal reduzieren.»

«Güterzüge stören deutlich mehr»

Für Esther Geiger, freie Aviatik-Journalistin aus Weiningen, ist es zu früh für irgendwelche Prognosen: «Heute zu sagen, nach welchen Verfahren geflogen werden müsste und wie das Limmattal von allfälligen Flugbewegungen betroffen wäre, geht in Richtung Spekulation.» Geiger hält fest, dass sie die Aufregung um den Fluglärm sowieso nicht versteht: «Die Lärmbelastung ist in den letzten Jahren massiv zurückgegangen. Das wird bei dieser Diskussion immer ausgeklammert.»

Früher hätten die Fensterscheiben gezittert, wenn ein Flugzeug übers Limmattal geflogen sei. Heute seien die Flugzeuge deutlich leiser. «Da stört mich das Geräusch der Güterzüge deutlich mehr.»