Kommende Woche wird der neue Schlieremer Stadtplatz eingeweiht, der besonders mit seinem roten Flügeldach viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. In rund einem Jahr wird zudem die Tramlinie 2 das Zentrum anfahren und weiter westlich – auf dem neuen Geissweid-Platz – wenden. Bei der Betrachtung des Bahntrassees fühlt sich die grünliberale Gemeinderätin Songül Viridén jedoch nicht so recht an den öffentlichen Verkehr erinnert. «Durch die schwarze und graue Betonierung sieht es so aus, als hätte sich Schlieren eine Flugschneise geleistet», schreibt sie in einer kleinen Anfrage.


Sie verweist darauf, dass bereits zu einem früheren Zeitpunkt davon gesprochen wurde, das Trassee zu begrünen. Viridén erwähnt in ihrer Anfrage auch das Stadtentwicklungskonzept II, in dem stets betont werde, dass keine grossen Beton- und Teerflächen in der Innenstadt erstellt werden sollten. Etwa, um die Hitzeentstehung im Stadtzentrum zu reduzieren. Grünflächen haben nämlich eine kühlende Wirkung auf das Stadtklima.
Zwischenzeitlich sei der Bau des Bahntrassees sehr weit fortgeschritten und von der beabsichtigten Begrünung sei nichts zu sehen, so Viridén weiter. «Im Wissen darum, dass in den aktuellen Plänen fast keine Begrünung der Trassees vorgesehen ist, frage ich mich, wann und unter welchen Umständen diese weggefallen ist.»


Urbanität zwischen Eingangstoren
In der kürzlich erschienen Antwort des Stadtrates, verweist dieser darauf, dass bereits bei den ursprünglichen Auflageplänen aus dem Jahr 2013 geplant war, zwischen den Haltestellen Gasometerbrücke und Kesslerplatz einen Hartbelag zu verwenden. «Dieser Ansatz hat sich auch aus dem Stadtentwicklungskonzept hinaus entwickelt», so der Stadtrat. Denn zwischen den beiden Schlieremer Eingangstoren sollte der Strassenzug im Zentrum Urbanität ausstrahlen. Gerade durch die Materialwahl solle diese Urbanität erkennbar werden. Dieser Grundgedanke wurde gemeinsam mit der Limmattalbahn AG und unter Einbezug von Fachplanern entwickelt. «Zentral war zudem die grundsätzliche Haltung, das Trassee möglichst flexibel zu halten, gerade für allfällige Ersatzbusse oder Ausnahmesituationen bei Unfällen, Sanierungen oder Bauarbeiten entlang dieser wichtigen Achse.»

Abweichung vom Konzept
Weiter will Viridén wissen, welcher Streckenabschnitt denn nun tatsächlich mit einem begrünten Trassee erstellt werde. In der stadträtlichen Antwort zeigt sich nun, dass die definitive Planung vom Inhalt des Stadtentwicklungskonzepts abweicht. Denn ab der Stadtgrenze zu Zürich bis zur Haltestelle Wagonsfabrik soll das Trassee begrünt werden. In westlicher Richtung ab der Haltestelle Geissweid wird ebenfalls ein begrüntes Trassee erstellt werden. So habe sich gezeigt, dass das Festhalten an der im Stadtentwicklungskonzept fesgeschriebenen Herleitung bezüglich Akzentuierung der urbanen Mitte zu schematisch wäre, heisst es. «Insbesondere der Hitzethematik wäre zu wenig Beachtung geschenkt.»


Grün dank Bus-Wegfall
Der Abschnitt Kesslerstasse bis Geissweid wäre bis vor einem Jahr noch als asphaltierte Fläche vorgesehen gewesen, da dort ein Bus auf dieser Linie geplant gewesen wäre, schreibt die Stadt. Der Zürcher Verkehrsverbund eliminierte diese Linie jedoch, woraufhin ein Grüntrassee erst möglich wurde. «Die Nachteile bezüglich der Verkehrsflexibilität werden aufgrund der seltenen Eintretenswahrscheinlichkeit in Kauf genommen.»
Viridén will darüber hinaus wissen, ob sich der Stadtrat vorstellen kann, dass der Abschnitt Geissweid - Stadtplatz künftig doch noch begrünt wird. Dies sei definitiv nicht vorgesehen, schreibt die Exekutive. Die grüne Mitte reiche bis an die Badenerstrasse, die gestalterisch von Bäumen auf dem Stadtplatz, der Geissweid und Bepflanzungen gesäumt werde.