Punkt 17.31 Uhr verkündete es die Stadtschreiberin Karin Hauser: «Wir haben noch keinen neuen Stadtpräsidenten.» Favorit Roger Bachmann (SVP) hat mit 1384 Stimmen die Wahl als Dietiker Stadtpräsident nicht geschafft. Um 668 Stimmen verpasste er das absolute Mehr.

Gleichzeitig liess er aber die anderen Kandidaten weit hinter sich: Allein der Zweitplatzierte Anton Kiwic (SP) hatte mit seinen 882 Stimmen ganze 502 Stimmen weniger als der SVPler. «Ich freue mich über das gute Resultat. Ich glaube, dass wir zuversichtlich in die zweite Runde gehen dürfen», sagte Bachmann. Er habe erwartet, dass es einen zweiten Wahlgang gibt, zumal vier Kandidaten angetreten waren. Bei der Verkündung der Resultate im Stadthaus holte er sich auch den grössten Applaus.

Mit Bernhard Schmidt (parteilos), der in der Präsidentenwahl 689 Stimmen holte, ist ein Kandidat nun aus dem Rennen, weil er die Wahl in den Stadtrat äusserst knapp verpasste. Somit sind es nun noch drei Kandidaten.

«Wir haben ein gemeinsames Ziel»

Vieles deutet aber darauf hin, dass es bis zum zweiten Wahlgang ein Kandidat weniger sein wird. Um sich nicht gegenseitig Stimmen wegzunehmen, könnten sich SP und EVP auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen. Also entweder Kiwic oder Heinz Illi (EVP), der als Drittplatzierter 790 Stimmen holte.

Roger Bachmann (SVP): «Das gute Resultat stimmt mich zuversichtlich für den zweiten Wahlgang»

Roger Bachmann (SVP): «Das gute Resultat stimmt mich zuversichtlich für den zweiten Wahlgang»

«Ich glaube, es ist noch verfrüht, um darüber zu reden. Aber wir müssen sicher alle miteinander sprechen», sagte Illi dazu. Und Kiwic: «Diese Frage lässt sich heute noch nicht beantworten. Aber wir werden uns sicher finden. Wir haben ein gemeinsames Ziel.» Will heissen: Die Linke will den Stadtpräsidenten Roger Bachmann verhindern und ist in der Tendenz dafür bereit, auch eine Mittepartei zu unterstützen.

Das ist auch Bachmann bewusst. «Ich hoffe jetzt, dass sich die bürgerliche Seite zu einer starken Kandidatur bekennt. Dann bin ich zuversichtlich, dass es im zweiten Wahlgang klappen sollte.»

Müller bleibt Bachmann treu

Diverse Parteisitzungen in den nächsten Tagen und Wochen werden mehr Klarheit darüber bringen, wer alles hinter Bachmann stehen wird. In dieser Frage engagieren dürfte sich auch die FDP. «Ich habe Roger Bachmann bis anhin unterstützt und werde ihn auch weiter unterstützen, weil ich denke, dass er die richtige Person fürs Stadtpräsidium ist», sagte beispielsweise der neu gewählte Stadtrat Philipp Müller (FDP) klar.

Er sicherte sich noch eine positive Randnotiz, indem er in der Präsidiumswahl 80 Stimmen holte, obwohl er gar nicht als Stadtpräsident kandidierte. Das war das beste Resultat unter den vereinzelten Stimmen. Insgesamt holten ganze neun Stadtratskandidaten mehr als zehn Stimmen, obwohl sie nicht fürs Präsidium kandidiert hatten.

Siegrist hält sich Optionen offen

Auch die CVP wird über die Stadtpräsidentenfrage noch brüten müssen. «Es wäre falsch, wenn wir gerade jetzt in der Euphorie schon eine Stellungnahme abgeben würden. Die CVP wird zusammensitzen, das genau anschauen und dann entscheiden, ob es eine Unterstützung gibt oder ob wir Stimmfreigabe beschliessen», sagte der neu gewählte CVP-Stadtrat Reto Siegrist. Fazit: Jetzt wird es erst richtig spannend.