Grippeimpfung

Auszeichnung für Bachelorarbeit: Diese Birmensdorferin erklärt, wieso ein Impfzwang für Pflegepersonen nötig ist

«Wer in dem Beruf arbeitet, sollte solidarisch sein und helfen wollen – und dazu gehört, sich impfen zu lassen», sagt Aline Regez, Pflegerin im Zürcher Stadtspital Triemli. (Symbolbild)

«Wer in dem Beruf arbeitet, sollte solidarisch sein und helfen wollen – und dazu gehört, sich impfen zu lassen», sagt Aline Regez, Pflegerin im Zürcher Stadtspital Triemli. (Symbolbild)

Aline Regez erhält heute für ihre Bachelorarbeit den Ethikpreis der Katholischen Kirche des Kantons Zürich. Sie möchte, dass die Grippeimpfung Pflicht wird für Pflegepersonen.

Wer in der Pflege arbeitet, sollte gegen die Grippe geimpft sein. Das findet die Birmensdorferin Aline Regez, die heute für ihre Bachelorarbeit «Alle Jahre wieder – Grippeimpfung ja oder nein?» ausgezeichnet wird. Sie bekommt einen der drei Ethikpreise der Katholischen Kirche im Kanton Zürich.

Mit der Grippeimpfung beschäftigt sich die 25-Jährige seit Anfang ihres Pflegestudiums an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). In ihren Praktika sei sie immer wieder mit dem Thema in Berührung gekommen. «Mir ist gleich aufgefallen, dass das ein sehr emotionales Thema ist.» Für sie sei es eine Impfung wie jede andere. Eine Impfung gegen Hepatitis B sei Pflicht, wenn man in der Pflege arbeitet. Eine gegen Grippe hingegen nicht. «Es wird aber stark empfohlen.»

Regez selbst ist gegen die Grippe geimpft. Vom Pflegepersonal werde diese Impfung jedoch kategorisch abgelehnt. «Wenn man sich impfen lässt, wird man belächelt. Nach dem Motto: ‹Jetzt hast du dich überreden lassen.›»

Wieso das so ist, kann Regez nicht sagen. Sie glaubt, dass es nicht um die Impfung selbst gehe, sondern um ein tiefergehendes Thema: «Es geht um den Zwang. Keiner will sich zwingen lassen. Hepatitis will man nicht haben, aber eine Grippe kann man als gesunde, junge Person leicht überstehen – das ist der Gedanke dahinter.»

Findungszeit führte zur Pflege

Regez hat letztes Jahr das Studium abgeschlossen. Seitdem arbeitet sie im Stadtspital Triemli auf der Mutter-Kind-Station. Doch für sie war nicht von Anfang an klar, was sie machen möchte. Nach der Schule hatte sie mit dem KV bei den SBB angefangen. «Ich habe schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist», sagt die 25-Jährige. Die Zeit danach wollte Regez nutzen, um herauszufinden, was sie machen wolle. Über zwei Jahre lang arbeitete sie als Flugbegleiterin. Es sei vor allem eines, was sie aus dem Beruf mitgenommen habe: «Die Liebe zu Südafrika. Ich gehe jedes Jahr zurück.» Nächstes Jahr sei eine längere Reise geplant. Mit dem Beruf in der Pflege könne Regez das gut kombinieren. «Aber eines ist mir wichtig: Ich gehe nicht als Pflegerin nach Südafrika, sondern als Touristin. Ich will das Land geniessen.»

Während ihrer Findungsphase sei ihr klar geworden, dass sie Menschen helfen wolle. Der Grund: «Meine Mutter arbeitete ihr Leben lang im Büro eines Spitals. Da habe ich viel vom medizinischen Hintergrund mitbekommen – das hat mich schon immer interessiert.»

Das Studium sei genau das Richtige gewesen. «Als es dann um die Bachelorarbeit ging, war mir sofort klar, was ich machen wollte.» Das ganze Studium lang habe sie sich mit dem Thema «Grippeimpfung» auseinandergesetzt. «Impfen oder nicht? Das ist ein ethisches Dilemma. Auf der einen Seite will man seine Autonomie beibehalten, auf der anderen ist es ethisch vorgegeben, dass man den Patienten nicht schaden soll.» Es gebe wissenschaftliche Fakten, die zeigten, dass durch Grippeimpfungen beim Personal weniger Patienten sterben würden. Fakt sei aber auch, dass sich nur wenige Pfleger impfen lassen.

Das Thema habe auch unter Kollegen zu Diskussionen geführt: «Für meine Arbeit war das natürlich gut, da die Gespräche neue Aspekte zum Thema aufwarfen.» So habe Regez die Gründe und Argumente aus erster Hand hören können. «Es war aber auch sehr anstrengend, da ich stets meinen Standpunkt verteidigen musste und ich auch nicht gerne auf Ablehnung stosse.»

Bewusstsein wecken

Dass Regez den Ethikpreis für ihre Bachelorarbeit bekommt, hat sie Ende April während ihrer Ferien erfahren. «Ich war in Südfrankreich, als ich die Mail bekam. Ich war sehr überrascht.» Bereits Ende Oktober letzten Jahres habe sie ihre Bachelorarbeit eingeschickt. «Ich dachte, ich probiere es mal.» Richtige Chancen habe sie sich nicht ausgerechnet. Umso mehr habe sie sich dann gefreut, als sie die Nachricht bekam. Die Birmensdorferin erhält ein Preisgeld in Höhe von 2000 Franken. «Zuerst kaufe ich mir eine Vespa – das wollte ich schon lange.»

Viel wichtiger sei aber, dass sie über das Thema «Grippeimpfung» spreche und damit das Bewusstsein der Leute wecke. «Wenn man schützen kann, dann sollte man das auch machen. Wer in dem Beruf arbeitet, sollte solidarisch sein und helfen wollen – und dazu gehört, sich impfen zu lassen.»

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