«Stopp, Polizei! Sonst schicke ich den Hund!», schreit Wachtmeister Niedermann im Weininger Feld. Rottweiler Gysmo weiss: Gleich gilt es zuzuschnappen. Die beiden kommen näher. Der Diensthund in Ausbildung beisst zu – zum Glück nicht direkt in den Arm, sondern in den grossen Schutzhandschuh, in den der Arm eingepackt ist. Denn es ist bloss eine Übung. Deswegen ist der Hund auch an der Leine. «Lässt man ihn im Einsatz ganz frei auf die Zielperson los, geht diese garantiert zu Boden», sagt der Polizist. Schliesslich ist Gysmo ein 40 Kilogramm schweres Muskelpaket. Und erst noch jagend schnell.

Diensthund in Ausbildung: Rottweiler Gysmo beisst jetzt schon kräftig zu

Achtung, gleich schüttelts!

Gysmo beisst den Journalisten und absolviert eine Übung auf dem Feld.

Vor einem Jahr, als die Limmattaler Zeitung Gysmo erstmals besucht hatte, biss dieser in erster Linie auf Lumpen und Knochen herum. Seither hat der Zucht-Rottweiler eine grosse Entwicklung durchgemacht. Diese dauert an.

Denn mit seinem Alter von nun 17 Monaten ist Gysmo mit seiner körperlichen Entwicklung noch nicht ganz fertig. Und sein Herrchen, Wachtmeister Niedermann von der Polizei rechtes Limmattal, hat ihm noch einiges beizubringen, bis Gysmo seine Abschlussprüfung absolvieren darf. Dannzumal wird er zweieinhalb bis drei Jahre alt sein. «Wenn es schon Ende 2018 so weit wäre, wären wir ziemlich zügig unterwegs. Aber eine Prognose ist schwierig», sagt Niedermann.

Er ist ein skeptischer Kamerade

Klar ist: Gysmo vom Holzbrünneli, wie er mit vollem Namen heisst, hat bisher alle Ausbildungsziele erreicht, die ein Polizeihund in seinem Alter erreichen muss. Der zuständige Diensthunde-Instruktor der Kantonspolizei, der für Wachtmeister Niedermann und seinen Gysmo zuständig ist, ist mit dem aktuellen Stand sehr zufrieden.

Als die Limmattaler Zeitung Gysmo vor einem Jahr erstmals besuchte, war der Hund erst vier Monate alt.

Als die Limmattaler Zeitung Gysmo vor einem Jahr erstmals besuchte, war der Hund erst vier Monate alt.

Auch gesundheitlich ist bei Gysmo alles im Schuss. Ebenso stimmt sein Charakter: Er hat die gesunde Grundskepsis gegenüber Menschen, die ein Polizeihund haben muss. «Das ist gut für seine Funktion. Er schätzt es nicht, wenn jemand ausser mir oder meiner Familie ihn anfassen will. Er empfindet halt Sympathien und Antipathien wie wir Menschen auch», sagt Niedermann. Aber muss Niedermann aufpassen, dass seine Familie Gysmo zuhause nicht zu viel Liebe gibt? Niedermann verneint: «Gysmo kann gut zwischen Arbeit und Freizeit differenzieren.»

Die Würstchen werden weniger

Bei Fährten-Übungen benutzt er inzwischen nur noch ganz wenige Wurststücke, viel weniger als vor einem Jahr. Gysmo schafft die Übungen gleichwohl. «Die Hilfen muss man möglichst bald reduzieren», sagt Niedermann. So muss Gysmo auch mit immer älteren Fährten klarkommen. «Ich bereite zum Beispiel eine Spur vor, und lasse diese in den Trainings unterschiedlich lange liegen, bevor ich sie mit Gysmo ausschaffe, sodass die Geruchsmoleküle immer wieder in einem anderen Stadium sind», erklärt Niedermann.

Bei den Beiss-Übungen werden neben Schutzhandschuhen auch andere Ausrüstungen genutzt. So gibt es auch Schutz für unter die Kleidung. So lernt Gysmo, auch Personen ohne Schutzausrüstung zu beissen. «Am besten wären natürlich Beissübungen ganz ohne Schutz. Aber dafür haben wir zu wenig Freiwillige», sagt Niedermann mit einem Augenzwinkern. Der Einsatz im Ernstfall ist Gysmo erst erlaubt, wenn er seine grosse Prüfung bestanden hat und dann als vollwertiger Schutzhund gilt.

Seit einiger Zeit übt Niedermann mit Gysmo auch die Personensuche, damit er dereinst zum Beispiel eine vermisste Person im Wald finden kann. Ebenfalls seit Kurzem übt das Polizistenduo die Suche von Tätern in Gebäuden. Diese Disziplin ist dafür da, dass Gysmo später Einbrecher findet, die sich noch im Gebäude versteckt halten. Alles beginnt spielerisch und basiert auf dem Beutetrieb des Hundes. Zu Beginn durfte Gysmo noch zuschauen, wie sich Niedermann versteckt. Inzwischen suchen sie die Täterschaft aber als Team. «Gebäudesuchen machen die Hunde sehr gern, da kommt der Suchinstinkt so richtig zum Einsatz», sagt Niedermann.

Stillgestanden! Wachtmeister Niedermann hält die rechte Hand an seiner Faustfeuerwaffe und an der linken steht sein bester Kollege bereit: Rottweiler Gysmo.

Stillgestanden! Wachtmeister Niedermann hält die rechte Hand an seiner Faustfeuerwaffe und an der linken steht sein bester Kollege bereit: Rottweiler Gysmo.

Weiter gibt es die Suche von Gegenständen auf dem offenen Feld oder im Wald. So werden zum Beispiel Handys oder Schlüssel in einem Viereck von 50 auf 50 Schritten abgelegt, woraufhin Gysmo dann von der Mitte aus nach links und rechts das ganze Viereck systematisch absucht und die Gegenstände findet. So könnte er dann dereinst wie Niedermanns letzter Schutzhund – der Deutsche Schäfer Fox vom hohen First – auch mal einen verlorenen Ehering finden.

Auf dem Kiesweg beendet Niedermann die Übung und läuft zurück zum Auto. Das klappt nicht auf Anhieb: Der Rottweiler dreht sich um und will wieder los auf den Mann, den er beissen musste. Gysmo ist zielstrebig. «Ich habe bei Gysmo ein gutes Gefühl, dass er die Prüfung schaffen wird», sagt Niedermann. Kriminellen in Weiningen, Unterengstringen und Oetwil dürfte es dagegen immer unwohler werden.

Ausblick: Womöglich schliesst Rottweiler Gysmo bereits Ende 2018 seine grosse Abschlussprüfung ab.

Ausblick: Womöglich schliesst Rottweiler Gysmo bereits Ende 2018 seine grosse Abschlussprüfung ab.