Schlieren
Aus Wolken wurden die Baupläne für die Limmattalbahn

Die Vermessungsfirma SWR in Schlieren hat die gesamte Strecke der künftigen Limmattalbahn nach einem eigens entwickelten Verfahren akribisch genau vermessen. Auf ihren Modellen basieren die Baupläne des heutigen Projekts.

Florian Niedermann
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 Die Situation an der Ringstrasse in Schlieren auf dem Amtlichem Vermessungsplan
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Von der Punktewolke zum 3D Modell
 In der Punktewolke werden in einem nächsten Schritt Bruchkanten wie Trottoirs oder Inseln hervorgehoben (Ausschnitt Ringstrasse in Schlieren)
 Nach einer weiteren Reduktion der Punktewolke sind fast nur noch die Bruchkanten sichtbar ( Ausschnitt Ringstrasse in Schlieren)
 Die Detailansicht einer Punktewolke mit hervorgehobenen Bruchkanten von einer Fussgängerinsel
 In einem dritten Schritt werden die Bruchkanten zu einem 3D Modell "vermascht" (Ausschnitt Ringstrasse in Schlieren)
 Das vermaschte Modell eines Ausschnitts der Zürcherstrasse in Dietikon
 In einem vierten Schritt wird das "vermaschte" Modell über eine Luftaufnahme des Strassenabschnitts gelegt (Ausschnitt Zürcherstrasse in Dietikon)
 Schliesslich wird das Luftbild mit den Bruchkanten überlagert und so zu einem 3D Bild moduliert (Ausschnitt Zürcherstrasse Dietikon)
 Franco Hunziker (links) und Jürg Lüthy arbeiteten unter enormem Zeitdruck an der Vermessung der Strecke, auf der die Limmattalbahn dereinst zirkulieren soll.

Die Situation an der Ringstrasse in Schlieren auf dem Amtlichem Vermessungsplan

«Das Gebiet, in dem die Limmattalbahn einst zirkulieren soll, bestand zunächst aus einer Wolke von 2,5 Milliarden Messpunkten», erklärt Jürg Lüthy, Leiter Innovation und Marktentwicklung bei der Schlieremer Vermessungsfirma SWR.

Innerhalb von vier Monaten, von Januar bis Mai 2012, entstanden aus diesen topografischen Messpunkten 3D Modelle der Oberfläche der gesamten 13 Kilometer, auf welchen die Limmattalbahn fahren wird. Diese Modelle benötigten sechs Ingenieurgemeinschaften, die je einen Abschnitt des Planungsperimeters des Projekts bearbeiten, als Grundlage für ihre Baupläne.

Helikopter-Daten reichten nicht

In einer ersten Messreihe wurde Ende 2010 das Gebiet zwischen Zürich Altstetten und Spreitenbach (AG) mit einem Helikopter überflogen, der per Laser die Höhenlage einzelner Koordinatenpunkte auf dieser Strecke ausmass. Dieses Vorgehen war nötig, weil Höhenlagen-Daten zuvor nicht auf dem gesamten Projektperimeter in erforderlicher Genauigkeit vorhanden waren.

Mit dem Beginn der Bauprojektphase benötigten die Planer genauere Daten. Dies weil nicht nur die Strassen und das künftige Bahntrassee in den Planungsarbeiten berücksichtigt werden mussten, sondern auch Zufahrten zu privaten Grundstücken , die Vegetation entlang der Strassen oder Garageneinfahrten. «Für solche Details mussten im ganzen Bereich alle zwei Zentimeter Messpunkte erfasst werden», erklärt Franco Hunziker, Projektleiter Limmattalbahn bei der SWR.

Die entsprechenden Messungen konnten nicht mehr aus der Luft bewerkstelligt werden. Man entschied sich deshalb für ein neuartiges Verfahren, bei dem ein mit Kameras, GPS und Lasersensoren bestückter Minivan die gesamte Planungsstrecke und alle Zufahrten - insgesamt über 30 Kilometer Strasse - abfuhr.

Die Messpunkte-Wolke, die aus diesen Messungen resultierten, wurde danach in zwei Stufen bearbeitet, wie Lüthy erklärt: «Zunächst arbeiteten wir die wichtigsten topografischen Merkmale - wie Bordsteine oder Inseln - heraus, und verbanden diese ‹Bruchkanten› dann visuell in 3D Modellen.»

Daneben seien weitere separate Modelle für Installationen entlang der Strasse - wie Bushäuschen oder die Strassenmarkierungen - erstellt worden.

Im Vergleich zu anderen Vermessungsprojekten, die durch die SWR realisiert worden sind, erwies sich das Vermessungsprojekt Limmattalbahn aus zwei Gründen als harter Brocken, wie Hunziker sagt: «Erstens handelte es sich um einen sehr grossen Messperimeter und zweitens hatten wir aufgrund des Projektzeitplans sehr wenig Zeit.»

Arbeit vorerst abgeschlossen

Innerhalb weniger Monate habe die gesamte Datenmenge so strukturiert werden müssen, dass auch die Ingenieurgemeinschaften etwas damit anfangen konnten, so Hunziker: «Da arbeitete man oft auch am Wochenende und in der Nacht.»

Eine weitere Herausforderung bestand darin, die insgesamt 80 Gigabyte an Daten für die parallele Verarbeitung durch die Planungsteams von verschiedenen Standorten aus zugänglich zu machen, wie Hunziker erklärt.

Für den Moment sei die Arbeit am Projekt Limmattal für die SWR abgeschlossen, so Lüthy: «Wenn es zur Umsetzung des Projekts kommt, dann werden wir aber wohl in einzelnen Bereiche des Planungsperimeters Daten aktualisieren müssen.»