Impfbereitschaft
Aus Unsicherheit: Viele Mitarbeiter von Limmattaler Altersheimen lassen sich nicht gegen Covid-19 impfen

Im Weininger Seniorenzentrum im Morgen beträgt die Impfquote unter den Angestellten 34 Prozent, im Birmensdorfer Alterszentrum am Bach haben sich bisher 45 Prozent der Mitarbeiter für die Covid-Impfung angemeldet.

Drucken
Teilen
Die Angst vor Nebenwirkungen sowie die fehlende Langzeiterfahrung mit dem Impfstoff sind laut dem Weininger Heimleiter René Brüggemann Gründe der Mitarbeiter, sich nicht gegen Covid-19 impfen zu lassen.

Die Angst vor Nebenwirkungen sowie die fehlende Langzeiterfahrung mit dem Impfstoff sind laut dem Weininger Heimleiter René Brüggemann Gründe der Mitarbeiter, sich nicht gegen Covid-19 impfen zu lassen.

Keystone

Im Weininger Seniorenzentrum Im Morgen werden sich 34 Prozent aller Mitarbeiter gegen Covid-19 impfen lassen, wie Heimleiter René Brüggemann auf Anfrage sagt. Vom Betreuungs- und Pflegefachpersonal, das am meisten Kontakt zu den Heimbewohnern hat, möchten sich 40 Prozent impfen lassen. «Die Leute haben Bedenken, weil die Langzeiterfahrung fehlt», sagt Brüggemann. «Zudem fürchten die Mitarbeiter Nebenwirkungen.»

Im Alterszentrum am Bach in Birmensdorf haben sich bisher 45 Prozent der Mitarbeiter für die Covid-Impfung angemeldet, wie Zentrumsleiter Andreas Grieshaber auf Anfrage sagt. Wie viele Angestellte davon aus welchen Arbeitsbereichen stammen, lasse sich noch nicht sagen. Die Gründe, wieso sich einige Angestellte nicht impfen lassen werden, fallen ganz unterschiedlich aus: «Unsicherheit und Abwarten wird oft erwähnt», sagt Grieshaber. «Impfgegner sind mir keine bekannt.» Zudem gebe es unter anderem Mitarbeiterinnen, die schwanger sind, und Mitarbeiter, die am zweiten Impftermin nicht mehr im Heim arbeiten werden.

Eine Impfquote von 60 Prozent ist das Ziel

André Müller, Präsident des kantonalen Heimverbandes Curaviva, geht davon aus, dass eine durchschnittliche Impfrate von 70 Prozent in den Heimen erreicht werden kann. «Bei den Bewohnern dürfte die Impfbereitschaft höher liegen, bei den Mitarbeitern eher tiefer», sagt er. «Schon mit einer Impfquote von 60 Prozent bei den Mitarbeitern wäre ich extrem happy.» Im Seniorenzentrum Im Morgen sowie im Alterszentrum am Bach wird dieses Ziel bei Weitem nicht erreicht. Dies, obwohl sich Mitarbeiter kostenlos während der Arbeitszeit impfen lassen können. Zudem gehören sie nach den besonders gefährdeten Personen zu der Zielgruppe, die die zweithöchste Priorität bei der Impfung hat.

«Ich habe mir eine wesentlich höhere Beteiligung erhofft», sagt René Brüggemann. Die Angestellten seien immer wieder bei Mitarbeiterzusammenkünften über die Impfung informiert worden. «Wir haben die Notwendigkeit der Impfung betont und auf die Risiken von Covid hingewiesen. Auch wenn wir der Impfung gegenüber sehr positiv eingestellt sind, können wir aber keinen Impfzwang durchsetzen», sagt er. Er nehme in der Pflege eine allgemeine grosse Impfskepsis wahr, auch gegenüber der Grippeimpfung.

Auch Regina Soder, Geschäftsleiterin des Schweizer Berufsverbands der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK), liest immer wieder von Pflegefachpersonen, die der Impfung gegenüber skeptisch sind. «Dies, weil deren Langzeit-Nebenwirkungen noch nicht ausreichend bekannt sind», sagt sie. Der SBK vertraut darauf, dass der Impfstoff wirksam, sicher und von guter Qualität ist. Der Verband engagiert sich dafür, den Impfstoff für die Risikogruppen und das Gesundheits- und Betreuungspersonal zugänglich zu machen.

Wie hoch die Impfquote der Mitarbeiter im Alters- und Gesundheitszentrum (AGZ) Dietikon sein wird, lässt sich laut Gesamtleiter Andreas Schlauch noch nicht sagen. Auch das AGZ empfiehlt die Impfung sehr. Es habe im Heim zwei interne Informationsveranstaltungen für das Personal zusammen mit dem Heimarzt gegeben. Zudem haben die Mitarbeiter schriftliches Informationsmaterial erhalten. Das AGZ werde voraussichtlich Anfang Februar vom Kanton den Impfstoff erhalten.

«Persönlich beobachte ich seit Jahren, dass die Schulmedizin und die Pharmaprodukte etwas an Vertrauen verloren haben, was ich bedauere», sagt Schlauch. Für ihn haben Homöopathie und andere alternativmedizinische Behandlungsmethoden zwar Berechtigung, aber auch ihre Grenzen. «Impfungen hatten doch weltweit neben Hygiene den entscheidenden Einfluss auf den Rückgang der Sterblichkeit und auf die Verbesserung der Lebensqualität», sagt er. «Und es geht ja nicht nur um den
individuellen Schutz, sondern auch um den Schutz der Gemeinschaft.»

Im Alterszentrum am Bach lassen sich 82 Prozent der Heimbewohnerinnen und Heimbewohner impfen. Wie die Impfbeteiligung bei den Heimbewohnern des Seniorenzentrums Im Morgen ausfällt, kann Brüggemann noch nicht sagen. Zurzeit werden Unterschriften von Bewohnern, Angehörigen und Hausärzten für die Impfung eingeholt. Man versuche derzeit, die Mitarbeiter noch von einer Impfung zu überzeugen, sagt er. Allerdings müsse die Bestellung der Impfdosen schon bald raus. «Ich rechne damit, dass sich viele Mitarbeiter nachträglich impfen lassen werden, wenn die breite Bevölkerung an der Reihe ist und bis dann keine Komplikationen bekannt sind.»